Geheime US-Mission: Grünen-Politiker rekrutiert im Sommer „Hoffnung-Aktivist*innen“

Warum bricht ein grüner Parteivorsitzender zu einer einwöchigen Reise in die USA auf? Diese Frage stellte Felix Banaszak, Co-Vorsitzender der Grünen, kürzlich auf seinen Social-Media-Kanälen. Die Antwort gab er gleich mit: “Ein Wort: Hoffnung.” In einem Erklärvideo präzisiert er, dass es sich um eine Mischung aus Urlaub und Weiterbildung handle. Er möchte in verschiedenen Städten politische Organisationsstrukturen und linke Bewegungen studieren. Den Anfang machte New York, wo er sich mit den “Democratic Socialists of America” traf – jener Bewegung, die maßgeblich den Wahlkampf von Bürgermeisterkandidat Zohran Mamdani geprägt hat.

Die ehemalige Ampelpartei kann zwar ihre Kernwählerschaft nach wie vor aktivieren, kommt aber bundesweit in Umfragen nicht über 15 Prozent. Besonders in den ostdeutschen Bundesländern – ausgenommen Berlin mit 18,4 Prozent im Jahr 2023 – sieht es düster aus: Die Zustimmungswerte schwanken zwischen vier Prozent in Thüringen und knapp zehn Prozent in Mecklenburg-Vorpommern.

Im Video auf Facebook betont Banaszak, dass es ihm vor allem darum geht, die politische Lage in den USA zu verstehen:

“Hallo zusammen, ihr seht eine andere Kulisse. Ich melde mich heute aus New York, denn heute [13. Juli] bin ich in den USA angekommen … auf der Suche nach Strategien, wie die progressiven Kräfte wieder nach vorne kommen. Auf der Suche nach neuer Hoffnung dafür, dass Trump und die MAGA-Bewegung nicht einfach alles zerstören können, was sie sich vorgenommen haben zu zerstören, sondern dass neue, demokratische, neue, progressive Bewegungen entstehen können.”

Der Berufspolitiker will angeblich auch herausfinden, was Deutschland von diesen Entwicklungen erwarten muss. Dabei scheint er sich allerdings von den Erfahrungen der Menschen in seinem Heimatland zu entfernen. Er möchte zudem ergründen:

“Wie organisieren Menschen Hoffnung in einem Land, das politisch so tief gespalten ist wie lange nicht? In einer Zeit, in der viele Menschen sich nicht mehr von der Politik vertreten fühlen.”

Seine aktuellen Instagram-Beiträge stoßen deshalb auf viel Kritik in den Kommentaren.

Sein erster Weiterbildungstermin fand in New York bei “der Bewegung hinter Zohran Mamdanis Wahlkampf” statt. Bisher hat das X-Profil der “Democratic Socialists of America” den hohen Besuch aus Deutschland jedoch nicht erwähnt. Banaszak berichtet:

“Beeindruckt hat mich vor allem eins: Fast alle Menschen, die uns gegenübersaßen, machen das ehrenamtlich, neben ihrem eigentlichen Beruf.”

Seine Fragen an das DSA-Team waren: “Welche Rolle spielt der Kulturkampf? Wie organisiert man eigentlich Freiwillige, wie organisiert man Hoffnung?”

Die Hitze in New York thematisiert er ebenfalls und beruhigt seine Follower: “Ja, ab heute wird auch Sonnencreme im Gesicht benutzt.” Außerdem traf er sich offenbar privat mit der gescheiterten Parteikollegin Annalena Baerbock, die noch Präsidentin der UN-Generalversammlung ist.

Die angekündigte Reisereportage soll fortgesetzt werden, da weitere Gespräche “mit Aktivist*innen, Gewerkschafter*innen, Democrats, Republicans und vielen anderen” geplant sind. Seine erste Erkenntnis aus der Weiterbildung lautet: “Was braucht es, um Menschen wieder für Politik zu begeistern? Organizing!”

Felix Banaszak ist seit 2025 Vorsitzender der Grünen. Der 36-Jährige stammt aus Duisburg und ist seit 2021 Bundestagsabgeordneter.

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