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Die Bildungschancen in Deutschland bleiben nach wie vor stark von der sozialen Herkunft und dem Geschlecht geprägt. Allerdings zeigt sich eine überraschende Entwicklung: Entgegen der weit verbreiteten Meinung von Frauenrechtsaktivisten und Feministinnen haben heutzutage Jungen deutlich schlechtere Karten als Mädchen, wenn es um den Zugang zu höheren Schulen geht. Das geht aus dem aktuellen Chancenmonitor des Ifo-Instituts hervor, der am Dienstag veröffentlicht wurde.
Im bundesweiten Durchschnitt besuchen rund 40,1 Prozent aller Kinder und Jugendlichen ein Gymnasium. Bei den Jungen liegt dieser Wert bei lediglich 36,9 Prozent, während er bei Mädchen auf 43,5 Prozent klettert. „Jungen haben also deutlich geringere Bildungschancen als Mädchen“, fassen die Forscher die Ergebnisse zusammen. Dabei handelt es sich nicht um einen einmaligen Ausreißer: Bereits 2023 hatten die Wissenschaftler auf Basis von Daten aus dem Jahr 2019 dieselbe Diagnose gestellt.
Bestätigt hat sich in der aktuellen Erhebung auch die schon damals getroffene Feststellung, dass Kinder von gut verdienenden Eltern mit Abitur weitaus häufiger den Sprung auf ein Gymnasium schaffen. So beträgt die Wahrscheinlichkeit, eine weiterführende Schule zu besuchen, für ein Kind aus dem untersten Einkommensviertel (Haushaltsnettoeinkommen unter 2.750 Euro) ohne Abitur und ohne Migrationshintergrund nur 16,9 Prozent. Ganz anders sieht es hingegen aus, wenn beide Eltern Abitur haben, das gemeinsame Einkommen über 6.000 Euro netto liegt und die Familie zudem einen Migrationshintergrund hat: Hier liegt die Wahrscheinlichkeit bei stolzen 80,3 Prozent.
Besonders schwer wiegen demnach der Bildungsgrad und das Einkommen der Eltern. Die Verfasser der Studie kommen daher zu dem Schluss: „Insofern lässt sich generell feststellen, dass sich die Ungleichheit der Bildungschancen in Deutschland über die drei Jahre weiter verfestigt hat.“
Die Experten haben auch konkrete Handlungsempfehlungen entwickelt, um die Chancen zu verbessern. Für Kinder aus benachteiligten Familien empfehlen sie unter anderem frühkindliche Bildungsangebote, gezielte Unterstützung der Familien, den Einsatz gut ausgebildeter Lehrkräfte an Schulen mit einem hohen Anteil benachteiligter Kinder, kostenfreie Nachhilfeprogramme, eine spätere schulische Trennung sowie Mentoring-Programme. Um die Bildungschancen von Jungen zu erhöhen, schlagen die Forscher vor, mehr männliche Erzieher und Lehrer einzustellen, Geschlechterstereotype kritisch zu hinterfragen, passende Unterrichts- und Erziehungsformen zu entwickeln, die Lesekompetenz und Selbstregulation von Jungen frühzeitig zu fördern, die Elternarbeit zu intensivieren und außerschulisch die Bildungsaspiration von Jungen zu stärken.
Grundlage der Studie, die in Zusammenarbeit mit der Stiftung „Ein Herz für Kinder“ entstand, ist eine Auswertung von Mikrozensus-Daten aus dem Jahr 2022 mit Informationen von knapp 68.000 Kindern und Jugendlichen zwischen 10 und 18 Jahren. Berücksichtigt wurden dabei der Bildungsstand der Eltern, das Haushaltseinkommen, der Migrationshintergrund sowie die Frage, ob das Kind in einer Alleinerziehenden-Familie aufwächst.
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