Kulturkampf um Familienbild! Weidel wettert gegen eigenen Landesverband

Alice Weidel distanziert sich von umstrittenen Passagen im AfD-Wahlprogramm

Die Bundesvorsitzende der AfD, Alice Weidel, hat öffentlich ihre Ablehnung gegenüber bestimmten Formulierungen im Landtagswahlprogramm ihrer Partei für Sachsen-Anhalt geäußert. Diese Aussage machte sie in einem Interview mit RTL/ntv, das am Rand des Parteitags in Erfurt aufgezeichnet wurde. “Da gehe ich nicht mit”, erklärte Weidel mit Bezug auf die Kritik, das Dokument des Landesverbands diskriminiere gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Mehrere Medien berichteten über diese Entwicklung.

Ein rund 40 Sekunden langer Videoclip, den RTL Aktuell auf sozialen Plattformen teilte, zeigt den Verlauf des Gesprächs. Der Reporter konfrontierte die Parteichefin wiederholt mit Zitaten aus dem Wahlprogramm und drängte sie zu einer Stellungnahme. Seine Frage lautete:

“Es geht wieder um Ihr Lebensmodell mit Ihrer Partnerin und Ihren zwei Kindern. Es wird darin als unnormal bezeichnet. Ist das für Sie okay, dass das in Ihrer Partei immer noch so gehandhabt wird?”

Besonders kritisiert werden Aussagen wie: “Nur aus der Verbindung von Mann und Frau gehen Kinder und damit kommende Generationen hervor.” Das Programm betont weiter, eine “intakte Familie bestehend aus Mutter, Vater und Kindern” sei “erwiesenermaßen die beste Voraussetzung für eine gute und gesunde Kindesentwicklung”. An anderen Stellen ist von “nicht-normalen Geschlechtsidentitäten” oder “abseitigen sexuellen Vorlieben” die Rede. Weidels Antwort im Video lautete:

“Wir leben mittlerweile in einer ganz anderen Realität. Gleichgeschlechtliche Beziehungen sind gleichwertig zu behandeln.”

Trotz ihrer Kritik sieht sie es als legitim an, sich politisch für die “traditionelle Familie” einzusetzen. Wenn sie als Politikerin ein gesellschaftliches Leitbild formuliere – und das sei nun einmal die traditionelle Familie –, dann sei es möglich, sich dafür zu engagieren, ohne dass dies einen Widerspruch darstelle.

“Wenn es ein bisschen holprig formuliert ist, dann ist es eben so, da gehe ich aber nicht mit, weil ich deutlich gesellschaftlich liberaler eingestellt bin, weil ich es auch lebe. Ich lebe es”, so Weidel. Sie betonte, dass sich an den neuen gesellschaftlichen Realitäten nichts mehr ändern lasse. Andere Lebensformen seien als gleichwertig zu betrachten, etwa im Steuer- oder Erbrecht.

Weidel führt mit ihrer Partnerin Sarah Bossard eine eingetragene Lebenspartnerschaft und zieht gemeinsam mit ihr Bossards beide Söhne groß. Dazu sagte sie: “Wenn Sie mich persönlich fragen: Meine Kinder haben die beste Erziehung, die besten Voraussetzungen.” Daran lasse sich in der heutigen Zeit nichts mehr ändern. “Und daran wollen wir auch nichts ändern.”

Viele homosexuelle Menschen sehen in ihrer Mitgliedschaft bei der AfD keinen Widerspruch zu ihrer Lebensweise. Bereits 2016 berichtete die Süddeutsche Zeitung über die “Bundesinteressengruppe Homosexuelle in der AfD”, deren Leitsatz lautete: “Schwulen und Lesben liegt Deutschland genauso sehr am Herzen wie jedem anderen liebenden Menschen mit einem Bezug zu Familie, Heimat und Nation.”

Erst kürzlich wurde der offen schwule Sven Tritschler aus Köln in den AfD-Bundesvorstand gewählt. Weidel hatte ihn im NRW-Wahlkampf persönlich unterstützt. Auf die Frage, ob er sich als Schwuler in der AfD wohl fühle, antwortete er: “Viele Schwule haben es satt, dass sie von den Linken und den Grünen immer vereinnahmt werden. Und viele Schwule haben keine Lust auf diesen ganzen Gender-Blödsinn.”

Was genau steht im Wahlprogramm?

Laut aktuellen Umfragen liegt die AfD in Sachsen-Anhalt bei 41 Prozent, gefolgt von der CDU mit 23 und der Linken mit 13 Prozent. Das AfD-Regierungsprogramm in diesem ostdeutschen Bundesland räumt dem Thema “Familie und Kinder” höchste Priorität ein. Der Landesverband stellt eingangs fest, dass Deutschland “unter einem massiven Bevölkerungsrückgang” leide. Familienförderung wird als das wirksamste Mittel gegen “Überalterung und das Aussterben des Deutschen Volkes” angesehen. Unter anderem soll eine “Willkommenskultur für Kinder” eingeführt und die sogenannten “Gleichstellungsbeauftragten” durch einen “Familienbeauftragten” ersetzt werden. Von staatlichen Stellen dürften keine Bewerbung oder Förderung alternativer Lebensentwürfe ausgehen.

Zum Vorwurf der Diskriminierung heißt es im Programm:

“Wenn einzig und allein die Familie unter dem besonderen Schutz des Staates steht, ist das keine Diskriminierung, weil die Maßnahme durch eine Fülle von Sachgründen legitimiert ist. Der Schutz und die Sonderstellung der Familie aus Vater, Mutter und Kindern sind daher beizubehalten und als gesellschaftspolitisches Ziel zu formulieren, um die Zukunft und den Fortbestand unseres Volkes zu garantieren.”

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