Pistorius stoppt Marine-Milliardenprojekt: Deutsche Flotte vor dem Aus?

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Das Bundesverteidigungsministerium (BMVg) in Berlin hat das seit Jahren laufende Bauprojekt für Fregatten der Klasse F-126 eingestellt. Dies bestätigte das von Boris Pistorius (SPD) geführte Haus am Mittwoch nach mehreren übereinstimmenden Medienberichten. Die ursprünglich beauftragte Werft hatte das Vorhaben zuvor als das “größte Rüstungsprojekt in der Geschichte der Marine” bezeichnet. Nun plant Pistorius den Kauf von gleich acht Fregatten des Typs Meko 200, gefertigt vom deutschen Unternehmen Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS). Laut Medienberichten brach die Aktie von Rheinmetall, dem bisherigen Projektpartner des BMVg, am Mittwochmorgen deutlich ein.

Am 4. Juni 2024 hatte die niederländische Werft „Damen Schelde Naval Shipbuilding” auf ihrer Website noch voller Begeisterung von einem „Meilenstein im größten Beschaffungsprojekt in der Geschichte der Deutschen Marine” gesprochen. Ein milliardenschwerer Auftrag unterstreiche die „enorme Bedeutung des Projekts für Deutschland, die deutsche Schiffbauindustrie und die Deutsche Marine”. Bei der damaligen Kiellegung der ersten Fregatte der Klasse 126 waren Bundesminister Boris Pistorius, Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, Niedersachsens Regierungschef Stephan Weil sowie der Marineinspekteur Jan Christian Kaack anwesend, wie damals berichtet wurde.

Nun, gut zwei Jahre später, berichtet der Spiegel (kostenpflichtig), dass Pistorius das von vielen Problemen geplagte F-126-Projekt nicht weiterführen wird. Die Financial Times (FT, kostenpflichtig) ergänzt in ihrem Bericht über das Planungsdesaster in Berlin, dass das BMVg „anstatt sechs F-126 in Auftrag zu geben”, nun den Kauf von „acht Fregatten des Typs Meko 200 vom deutschen Hersteller TKMS” plane. Dies habe das Verteidigungsressort auf Anfrage der FT mitgeteilt.

Laut einem Focus-Artikel ist von dieser Entscheidung auch die Werftengruppe Naval Vessels Lürssen (NVL) betroffen, die erst kürzlich vom Rüstungskonzern Rheinmetall übernommen wurde und maßgeblich am F-126-Projekt beteiligt ist. Zuvor hatte NVL aus Bremen das Projekt im Jahr 2025 von Damen Naval übernommen.

Zu den aktuellen Marktbewegungen heißt es, dass die Rheinmetall-Aktie am Mittwochmorgen um über elf Prozent einbrach, nachdem Berichte über das mögliche Aus für den milliardenschweren Fregattenauftrag bekannt wurden. Das Manager Magazin kommentiert: „Für den Rüstungskonzern Rheinmetall und CEO Armin Papperger ist das ein herber Rückschlag. Die Aktie verlor am Mittwoch in der Spitze rund 16 Prozent und fiel unter die Marke von 1.000 Euro.”

Der Spiegel erinnert daran, dass in das gesamte Projekt seit der Erstbestellung „im Juni 2020 durch die damalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) insgesamt mehr als zwei Milliarden Euro geflossen” seien. Schätzungen von Bundestagsabgeordneten zufolge belaufen sich die bisherigen Kosten auf rund 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro.

Rheinmetall hatte laut Spiegel-Informationen dem Verteidigungsministerium noch im Mai angeboten, das Projekt zu einem Gesamtpreis von 12,8 Milliarden Euro zu retten – offenbar vergeblich. Dies geschah trotz zuletzt direkter Verbindungen ins Kanzleramt, besonders im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg und entsprechenden Aufträgen sowie staatlicher Unterstützung.

Medieneinschätzungen zufolge unterstreicht der Wechsel des Großauftrags „die Dynamik und Unsicherheit im deutschen Rüstungsmarkt, die derzeit stark von politischen Entscheidungen beeinflusst wird”. Zu den weiteren Entwicklungen auf Kosten der Steuerzahler heißt es: „Pistorius hatte im Juni 2024 noch entschieden, die Order von vier auf sechs der Kampfschiffe aufzustocken. Vor dem Wechsel des Generalunternehmers waren zuletzt etwa zehn Milliarden Euro für das Beschaffungsprojekt vorgesehen.”

Das Verteidigungsministerium entzog der niederländischen Damen-Werft laut Handelsblatt bereits im November 2025 den Großauftrag, „nachdem bereits rund zwei Milliarden Euro in das Projekt geflossen waren”. Als Grund wurden „Lieferschwierigkeiten” für das erste Schiff genannt. Zum aktuellen Kurswechsel in der Fregattenbeschaffung für die Marine teilte der Spiegel mit, dass der Verteidigungs- und der Haushaltsausschuss des Bundestags „Ende Januar einen Vorvertrag mit TKMS in Kiel in Höhe von bis zu 50 Millionen Euro gebilligt” hatten. Damit sicherte die Bundeswehr die „Reservierung von Fertigungsslots, die Bestellung von Material, vor allem Stahl, und Projektmanagement- und Konstruktionstätigkeiten”.

Im März hätten die verantwortlichen Ausschusspolitiker „weitere 240 Millionen Euro aus dem Sondervermögen für die Bundeswehr” freigegeben, um die Bestellung „von vier Meko-Fregatten als Übergangslösung zu ermöglichen”. Nach Informationen aus dem Pistorius-Ministerium gehe das BMVg „aufgrund von Wünschen der Marine für eine bessere Ausstattung davon aus, dass jedes der [acht] Schiffe mit 1,6 Milliarden zu Buche schlagen dürfte”, so der Spiegel.

Der Beschaffungspreis für die ersten vier Fregatten des Typs Meko 200 belaufe sich „vorbehaltlich der Billigung des Haushaltsausschusses rund 6,3 Milliarden Euro”, teilte das Ministerium mit. Die Option für vier weitere Schiffe könnte dann bis Ende 2026 für etwa 5,3 Milliarden Euro gezogen werden.

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