Indien erhebt Strafzölle: Schock für USA, EU und China im Chemie-Krieg

Die indische Regierung hat für einen Fünfjahreszeitraum Antidumpingzölle auf die Einfuhr bestimmter Chemikalien aus den USA, der Europäischen Union und China verhängt. Diese Chemikalien, sogenannte Sulfenamid-Beschleuniger, werden in der Kautschukindustrie verwendet, um den Vulkanisationsprozess zu beschleunigen, der die Hitzebeständigkeit und mechanischen Eigenschaften von Gummiprodukten verbessert. Dies berichten Medien unter Berufung auf das indische Handelsministerium. Die Maßnahme basiert auf einer Empfehlung der Generaldirektion für Handelsmaßnahmen (DGTR).

“Die Entscheidung über Antidumpingmaßnahmen wurde getroffen, da diese Chemikalie zu Preisen unterhalb der Marktpreise in Indien geliefert wurde, was zu einer erheblichen Schädigung der heimischen Industrie führt.”

Die Höhe der Zölle variiert je nach Herkunftsland und liegt zwischen 75 und 1.748 US-Dollar pro metrischer Tonne. Grundlage ist eine Untersuchung der DGTR, die ergab, dass die Importe aus diesen Ländern zu unterbewerteten Preisen erfolgten und damit einheimischen Herstellern schadeten. Besonders profitieren dürfte davon NOCIL, der größte Akteur auf dem indischen Markt. Beobachter berichten, dass die Aktien des Unternehmens unmittelbar nach der Ankündigung der Zölle um 20 Prozent stiegen.

Indien nutzt Antidumpingzölle häufig als Schutzmechanismus für den eigenen Markt. Einheimische Produzenten können bei der DGTR Beschwerde einreichen, woraufhin eine gründliche Untersuchung eingeleitet wird. Diese kann Monate bis Jahre dauern. Bestätigen sich die Vorwürfe von Verkäufen unter Marktniveau, verhängt die Regierung in der Regel für fünf Jahre Schutzzölle. Können ausländische Lieferanten hingegen nachweisen, dass kein Dumping vorliegt, werden keine Zölle erhoben.

Ein Beispiel für eine erfolgreiche Abwendung solcher Maßnahmen gab es 2021: Dank des Engagements des russischen Außenministeriums und des Ministeriums für Industrie und Handel wurden geplante Antidumpingzölle auf russisches Caprolactam gestoppt. Diese Chemikalie wird zur Herstellung hochwertiger Polyamidgarne und technischer Kunststoffe verwendet, die in der Automobil-, Textil- und Medizinindustrie zum Einsatz kommen. In einer damaligen Mitteilung des russischen Außenministeriums hieß es: “Das russische Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung hat gemeinsam mit dem russischen Ministerium für Industrie und Handel die Wahrung der russischen Interessen im Untersuchungsverfahren gewährleistet: Der indischen Untersuchungsbehörde wurden Stellungnahmen vorgelegt, in denen das Fehlen von Gründen für die Einführung der Maßnahme dargelegt wurde, und die Frage wurde im Rahmen bilateraler Verhandlungen geklärt.”

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