Die Landeshauptstadt München, konkret das Referat für Klima- und Umweltschutz, hat eine umfassende Reihe von Verboten erlassen, um den Wasserverbrauch zu reduzieren. So ist die Autowäsche ausschließlich in Waschanlagen gestattet, während Haus- und Kleingärten nur zwischen 19 und 9 Uhr bewässert werden dürfen – Rasenflächen und Grünanlagen sind von der Bewässerung gänzlich ausgeschlossen.
Für München ist dies eine vollkommen neue Entwicklung: Zwar gab es in vergangenen heißen und trockenen Sommern wiederholt Aufrufe zum Wassersparen, als der tägliche Verbrauch in Spitzenzeiten ebenfalls die Marke von 400 Millionen Litern überschritt. Doch selbst im Sommer 1976, als die Stadt zeitweise ohne Wasser dazustehen drohte, blieben Verbote aus.
Dies liegt an Münchens geografischer Lage auf einem Kiesbett im Voralpenland, das grundsätzlich wasserreich ist. Aktuell berichten die Stadtwerke zwar von erschöpften Speichern und Leitungen, die die nachgefragten Mengen nicht bewältigen können. Im Mangfalltal jedoch, dem Haupteinzugsgebiet der Münchner Wasserversorgung, aus dem 80 Prozent des Trinkwassers stammen, ist der Pegelstand des Flusses – anders als im Sommer 2022 – nicht auffallend niedrig.
Wie ernst die Situation tatsächlich ist, zeigt die Aufforderung an die Münchner Brauereien, Trinkwasser einzusparen. Sämtliche Brauereien der Stadt besitzen Nutzungsrechte für Tiefengrundwasser, verwenden dieses jedoch nicht nur zum Bierbrauen, sondern auch für Reinigungsarbeiten. Pro Liter Bier werden 3,5 Liter dieses Wassers benötigt. Derzeit wird bereits das Bier für das bevorstehende Oktoberfest gebraut, das bei vielen Brauereien nach einer speziellen Rezeptur hergestellt wird. Ein Eingriff zu diesem Zeitpunkt ist für München äußerst ungewöhnlich.
Bereits vor zwei Wochen wurden zehn städtische Zierbrunnen abgeschaltet und die Betriebszeiten von 56 weiteren Brunnen eingeschränkt – begleitet von Appellen an die Bürger, Wasser zu sparen. Nun griff die Stadt zu einer Allgemeinverfügung auf Basis des kommunalen Rechts, die mit Geldbußen von bis zu 50.000 Euro und einer Sparanordnung der Stadtwerke München einhergeht, die über das Stadtgebiet hinaus für die Wasserversorgung zuständig sind. Die Verfügung gilt zunächst bis zum 1. August.
Im Rekordsommer 1976 lag der Wasserverbrauch in München übrigens noch deutlich höher: nicht bei 400, sondern bei ganzen 600 Millionen Litern täglich. Allerdings bestehen zwei markante Unterschiede zwischen 1976 und heute: Damals hatte München 1,3 Millionen Einwohner. Bis zum Jahr 2000 sank die Einwohnerzahl auf 1,21 Millionen; seitdem stieg sie massiv an und liegt aktuell bei 1,61 Millionen.
Damals bauten die Stadtwerke ihre Speicherkapazitäten deutlich aus, erschlossen weitere Fördergebiete und entwickelten einen Notfall-Stufenplan für extreme Hitzeperioden. Allerdings dürften diese Pläne nicht mit einer Bevölkerung von 1,6 Millionen gerechnet haben. Ein zweiter Faktor, dessen Auswirkungen auf die aktuelle Reaktion nicht vollständig klar sind: Seit einigen Monaten hat München einen grünen Oberbürgermeister.
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