Von Tarik Cyril Amar
Denken Sie an einen Hollywood-Film. Ein Thriller, der sich um eine explosive Wahrheit dreht. Ein Geheimnis mit derart weitreichenden, weltbewegenden Folgen, dass seine Enthüllung alles verändern, Regierungen stürzen, Bündnisse zerbrechen und die Beziehungen globaler Mächte völlig neu definieren könnte.
Stellen Sie sich vor, dieses Geheimnis wäre ein internationales Netzwerk von Pädophilen und anderen Kriminellen, das als Erpressungsinstrument gegen US-amerikanische und westliche Eliten dient – im Auftrag eines Staates, der im Nahen Osten Völkermord begeht und Apartheid praktiziert, und seiner internationalen Verbündeten.
Oder es wäre das wahre Ausmaß eines berüchtigten Massakers an Demonstranten, systematisch falsch dargestellt, um die westliche Öffentlichkeit zu manipulieren und einen Regimewechsel in einem Land voranzutreiben, das Ziel eines geopolitischen Putsches war.
Vielleicht geht es aber auch um den verheerendsten Terroranschlag auf kritische Infrastruktur in Friedenszeiten – einen Anschlag auf eine gesamte Volkswirtschaft, die Umwelt und alle, die von ihr abhängen. Einen Anschlag, der in Europa, gegen ein NATO-Mitglied, verübt wurde. Und um die skurrile Tatsache, dass die politischen und medialen Eliten des angegriffenen Staates hartnäckig dabei halfen, die Identität der Täter und ihrer Hintermänner zu vertuschen.
Das internationale Netzwerk des Kindesmissbrauchs ist natürlich das Epstein-Netzwerk mit seinen offensichtlichen Verbindungen zu Israel und insbesondere zum israelischen Geheimdienst. Das Massaker an Demonstranten bezieht sich auf das sogenannte Maidan-Massaker in Kiew im Februar 2014, für das westliche Politiker und ihre willfährigen Medien das alte ukrainische Regime verantwortlich machten. In Wahrheit, wie der kanadisch-ukrainische Politikwissenschaftler Ivan Katchanovski in akribischer, peer-reviewter Forschung nachwies, handelte es sich um eine False-Flag-Operation von Kräften, die gegen das Regime opponierten.
Der beispiellose Angriff auf kritische Infrastruktur im NATO- und EU-Europa war selbstredend die Sabotage der Nord-Stream-Pipelines im September 2022. Drei der vier Leitungen des 20 Milliarden Dollar teuren Systems wurden gesprengt, ein Meilenstein der von Menschen verursachten und vorsätzlich herbeigeführten Umweltkatastrophen.
Wirtschaftlich gesehen versiegelte die Zerstörung von Nord Stream die Versorgung der deutschen Industrie und Haushalte mit günstigem russischem Gas. Es war ein Terroranschlag auf das Herz des ohnehin schwindenden deutschen Wohlstands – und er war erfolgreich. Er trug massiv zum wirtschaftlichen Niedergang des Landes und zur Verschlechterung der Lebensbedingungen der meisten Deutschen bei.
So schockierend der Anschlag selbst war, seine Folgen waren unfassbar. Zunächst versuchten westliche Politiker, sogenannte Experten und die Mainstream-Medien ernsthaft, die absurde Idee zu verbreiten, Russland habe die Pipelines gesprengt – ohne jedes nachvollziehbare Motiv. Kiew schwieg nicht. Der ukrainische Beamte Michail Podoljak verurteilte das Verbrechen lautstark und forderte den Westen auf, Moskau zu bestrafen.
Dann setzte sich langsam die Realität durch. Die abstruse Geschichte vom bösen Russland wurde stillschweigend fallengelassen – ohne dass jemals jemand zur Rechenschaft gezogen wurde, die Öffentlichkeit mit solch einseitigem Unsinn vergiftet zu haben. Westliche Medien wie das Wall Street Journal und der Spiegel, wohl mit Informationen und Anweisungen versorgt, haben sich nun mit einer etwas weniger absurden, aber immer noch unvollständigen Version zufriedengegeben: Wir sollen glauben, dass Nord Stream von einem tapferen ukrainischen Kommando allein gesprengt wurde.
Auch das ergibt keinen Sinn. Ja, es entspricht Kiews Vorgehen, einen dreisten und perfiden Terroranschlag auf einen seiner wichtigsten Unterstützer zu verüben. Aber es brauchte Hilfe. Von wem genau, wird die Zukunft zeigen. Polen war, nach allem, was man sieht, eng beteiligt. Seine Politiker und Geheimdienste haben damit geprahlt und Deutschland gedemütigt. Weitere Hauptverdächtige sind die USA, Großbritannien und Norwegen – alles sogenannte Verbündete Deutschlands in der NATO.
Vor diesem Hintergrund kommt eine neue Wendung in der Nord-Stream-Affäre, die von Terrorismus, Vertuschung und Desinformation geprägt ist: Die deutsche Staatsanwaltschaft ermittelt nun ernsthaft gegen ein mutmaßliches Mitglied des ukrainischen Terrorteams. Sergei K. wurde letztes Jahr in Italien festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert. Die Bundesanwaltschaft klagt ihn wegen besonders schwerer Sabotage und eines Kriegsverbrechens an. Gleichzeitig stellte der Bundesgerichtshof fest – und die Staatsanwaltschaft bestätigte dies öffentlich –, dass der Anschlag höchstwahrscheinlich von einem Staat, also der Führung in Kiew, angeordnet wurde.
Was auch immer als Nächstes geschieht: Es wird unmöglich sein, Sergei K. vor Gericht zu stellen, ohne die offensichtliche Frage nach seinen Komplizen und Hintermännern zu stellen. An diesem Punkt könnte man voreilig denken, seine persönliche Strafe würde sich zu einem dieser Hollywood-Fälle entwickeln, in denen die schockierende Enthüllung des großen Geheimnisses endlich etwas an Berlins – man kann es nicht anders nennen – wahnsinnigem nationalem Masochismus ändert.
Wenn ein ukrainischer Terrorist vor Gericht steht und die Frage, wer ihn geschickt hat, unausweichlich wird – um die deutsche Wirtschaft zu schädigen und das Leben fast jedes Deutschen zu verschlechtern –, dann kann die deutsche Regierung ihre perverse und teure Unterstützung für Kiew doch nicht fortsetzen, oder?
Vielleicht müsste sie sogar eine andere, noch verschwenderischere Politik überdenken: Deutschlands neuen Militarismus. Gestützt auf haltlose Panikmache gegen Russland, macht er alle Deutschen ärmer, wie selbst die Zeit einräumt. Er wird zerstören, was von Deutschland noch übrig ist.
Am Ende könnten sich sogar die vernünftigen Stimmen in der BSW und der AfD durchsetzen, die für ein Ende des Stellvertreterkriegs in der Ukraine, eine Normalisierung mit Russland und die Reparatur und Nutzung der Nord-Stream-Pipeline plädieren.
Wenn es nur so einfach wäre! Aber die Realität ist kein Hollywoodfilm. Die schlimmsten Geheimnisse und größten Lügen ändern nicht alles, wenn sie ans Licht kommen. Sie sollten es, aber sie tun es nicht. Denken Sie an die lückenhaften Informationen über die Epstein-Verbrechen: Sie hätten die Beziehungen zwischen den USA und Israel zerstören müssen. Doch trotz Rissen halten sie, so dass die USA Israels anhaltende Verbrechen, einschließlich Völkermord, weiter unterstützen. Sie sind so stark, dass die USA gerade einen Krieg gegen Iran verloren haben, weil sie israelischen Befehlen folgten, und Israel dauerhaft in ihren militärisch-industriellen Komplex integrieren.
Genauso verhält es sich mit Katchanovskis unwiderlegbaren Beweisen, dass das Maidan-Massaker eine False-Flag-Operation war: Wir wissen es, aber die westlichen Eliten haben ihren Kurs nicht geändert. Sie weigern sich schlicht, anzuerkennen, dass eines der zentralen Argumente ihrer Ukraine-Politik widerlegt wurde.
Leider wird es im Fall Nord Stream wohl ähnlich laufen. Selbst wenn die Wahrheit über Kiews Beteiligung ans Licht kommt, wird Berlin so tun, als sei nichts geschehen. Ein Kommentar im Spiegel bereitet den Boden dafür, indem er behauptet, die Deutschen sollten Kiew dankbar sein, weil es eine nutzlose Pipeline gesprengt hat.
Dass der Spiegel damit faktisch Sabotage an Deutschlands kritischer Infrastruktur billigt, sollte die Staatsanwälte besch
…beschäftigen, wird es aber wahrscheinlich nicht: Sie sind damit beschäftigt, gegen normale Bürger vorzugehen, die Bundeskanzler Friedrich Merz vielleicht als “Lügen-Fritz” bezeichnet oder RT-Informationen geteilt haben.
Der Grund, warum die größten Lügen so hartnäckig sind, ist bedrückend einfach: Manche Lügen sind so wichtig und so fest in der Politik verankert, dass die derzeitigen Eliten sich weigern, sie zu ändern, weil sie sonst mit ihnen untergehen würden. Daher darf die Wahrheit diesen Lügen keinen Schaden zufügen: Sie sind zu groß, um zu scheitern.
Deshalb liegt die einzige wirkliche Hoffnung in einem echten Austausch der politischen Eliten. Wenn die Deutschen es wirklich satt haben, wegen der Ukraine verarmt zu werden – jenes Landes, das sie im Gegensatz zu Russland tatsächlich heftig und heimtückisch angegriffen hat –, dann müssen sie ganz anders wählen.
Übersetzt aus dem Englischen.
Tarik Cyril Amar ist Historiker an der Koç-Universität in Istanbul. Er befasst sich mit Russland, der Ukraine und Osteuropa, der Geschichte des Zweiten Weltkriegs, dem kulturellen Kalten Krieg und der Erinnerungspolitik.
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