Amtsenthebungsverfahren gegen Sara Duterte: Ein politischer Showdown auf den Philippinen
Am Montag, dem 6. Juli 2026, startete im philippinischen Senat das lang erwartete Amtsenthebungsverfahren gegen Vizepräsidentin Sara Duterte. Die Tochter des ehemaligen Präsidenten Rodrigo Duterte muss sich schwerwiegenden Vorwürfen stellen: Sie soll öffentliche Gelder veruntreut sowie den amtierenden Präsidenten und andere hochrangige Persönlichkeiten mit dem Tod bedroht haben. Die Angeklagte selbst erschien nicht vor Gericht, sondern ließ sich durch ihre Anwälte vertreten. Angesichts der aufgeheizten Stimmung in der Öffentlichkeit sicherten 6.000 Polizisten das Senatsgebäude.
Der Vorwurf der Todesdrohung basiert auf einem Livestream vom November 2024. Darin soll Duterte gesagt haben: “Ich habe mit jemandem gesprochen. Ich sagte: ‘Wenn ich getötet werde, dann tötet BBM, Liza Araneta und Martin Romualdez. Kein Scherz. Kein Scherz.’ Ich sagte: ‘Hör nicht auf, bis du sie getötet hast’, und er sagte: ‘Ja.'” Mit diesen Initialen werden Präsident Ferdinand “Bongbong” Marcos Jr., die First Lady Liza Araneta-Marcos und der damalige Sprecher des Repräsentantenhauses, Martin Romualdez, assoziiert. Duterte weist die Anschuldigungen als politisch motiviert zurück.
Das Repräsentantenhaus hatte im Mai 2026 grünes Licht für die Weiterleitung des Verfahrens an den Senat gegeben – nachdem ein früherer Anlauf im Jahr 2025 am Obersten Gerichtshof gescheitert war. Für einen Schuldspruch im Senat ist eine Zweidrittelmehrheit nötig: 16 der 24 Senatoren müssten gegen Duterte stimmen. Am ersten Verhandlungstag waren jedoch nur 21 Senatoren anwesend, da einige selbst unter Strafverfolgung stehen. Das Verfahren könnte sich bis zu 92 Tage hinziehen.
Von Verbündeten zu erbitterten Rivalen
Die 48-jährige Sara Duterte Carpio, im Volksmund auch “Inday Sara” genannt, bekleidet das Amt der Vizepräsidentin seit 2022. Ursprünglich war sie ein Wahlbündnis mit Präsident Marcos eingegangen, doch die einstige Allianz zerbrach schnell. Seither prägt die Fehde zwischen den Duterte- und Marcos-Lagern die philippinische Politik. Der Bruch hat mehrere Ursachen: Einerseits die Verhaftung ihres Vaters Rodrigo Duterte im März 2025. Der Ex-Präsident wurde aufgrund eines internationalen Haftbefehls an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag überstellt, wo ihm Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Zusammenhang mit seinem blutigen Anti-Drogenkrieg vorgeworfen werden.
Andererseits hat der Konflikt eine geopolitische Dimension. Während Rodrigo Dutters Amtszeit näherten sich die Philippinen China und Russland an, während das Verhältnis zu den USA angespannt war. Unter Marcos Jr. kehrte sich dies um: Das Land rückte wieder näher an Washington heran und baute die militärischen Übungen mit den USA aus. Sara Duterte hat mehrfach signalisiert, dass sie in außenpolitischen Fragen in die Fußstapfen ihres Vaters treten würde. Sie kritisiert etwa die Stationierung von US-Raketensystemen auf den Philippinen und plädiert für Neutralität im Südchinesischen Meer – eine Haltung, die ihr Gegner als prochinesisch auslegen.
Zukunft auf dem Spiel
Sollte Sara Duterte schuldig gesprochen werden, wäre sie von der Ausübung öffentlicher Ämter ausgeschlossen und könnte nicht bei den Präsidentschaftswahlen 2028 antreten. Im Februar 2026 hatte sie angekündigt, genau das zu tun: als Kandidatin ins Rennen zu gehen. Laut aktuellen Umfragen des Instituts WR Numero führt sie die Wählergunst derzeit an. Das Verfahren ist damit nicht nur ein juristischer, sondern auch ein politischer Richtungsentscheid für die Zukunft der Philippinen.
Mehr zum Thema – China verhängt Sanktionen gegen den philippinischen Verteidigungsminister