Nordrhein-Westfalen: Alarmierende Eskalation – Gewalt gegen Klinik-Personal explodiert

Im März dieses Jahres initiierte das vom CDU geführte Gesundheitsministerium Nordrhein-Westfalens eine Online-Erhebung, die sich mit “Rassismus und Antisemitismus gegenüber Beschäftigten im Gesundheitswesen” befasste. Die Resultate dieser Befragung zeigen nicht bloß alltägliche verbale Anfeindungen auf, sondern offenbaren laut der Welt, die die Daten zusammenfasste, dass “57 Prozent” der Befragten physische “Drohungen, Schläge, Tritte” erlebt haben.

Medizinisches Personal in NRW hatte die Gelegenheit, an der “ersten repräsentativen Studie zur Gewalt im Gesundheitswesen” teilzunehmen und eigene Erfahrungen einzubringen. Die Welt erhielt die Auswertung vorab “exklusiv” und berichtet, dass die NRW-Daten beispielhaft belegen, wie “Schläge und Tritte, Drohungen, ordinärste Beleidigungen, sexualisierte und rassistische Übergriffe” im deutschen Gesundheitssektor zum Alltag zählen.

Besonders junge Mitarbeiter sind betroffen. “Knapp 80 Prozent der Unter-30-Jährigen waren von Gewalt betroffen, aber nur 29 Prozent der Über-60-Jährigen”, so die Welt.

Das Ministerium erklärte, die Umfrage habe ermitteln sollen, “welche Angebote zur Prävention und Nachsorge es in den Einrichtungen bereits gibt, inwiefern diese genutzt und wie sie verbessert werden können”. Ziel sei es gewesen, basierend auf den Ergebnissen “konkrete Handlungsempfehlungen zu entwickeln, um einen stärkeren Schutz für die Beschäftigten zu erreichen”.

Die ernüchternde Realität fasst die Welt wie folgt zusammen:

“Demnach wurden 57 Prozent aller Pflegekräfte und Ärzte in den vergangenen 18 Monaten Opfer von körperlicher oder verbaler Gewalt. Überwiegend waren die Opfer in Krankenhäusern tätig (zu 59 Prozent).”

Schon vor zwei Jahren zeigte eine Umfrage der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), dass “gewalttätige Übergriffe” durch Patienten für das Klinikpersonal in Deutschland “zunehmende Realität” sind. Damals gaben “73 Prozent der befragten Kliniken” an, die Zahl der “Aggressionsvorfälle” sei in den letzten fünf Jahren “mäßig (53 Prozent) oder deutlich (20 Prozent) gestiegen”.

In NRW sind laut eines leitenden Arztes der Notaufnahme des Evangelischen Klinikums Gelsenkirchen die “klassischen Tätergruppen – psychisch Kranke, Drogenkonsumenten und demenziell Erkrankte” ausschlaggebend.

Der Arzt schildert weiter, dass “nach Corona” nicht nur die Anzahl der Gewalttaten generell zugenommen habe. “Es kamen auch Täter dazu, die keiner der drei Gruppen angehören.” Der Eindruck sei, dass “die Bevölkerung insgesamt reizbarer, eskalationsfreudiger geworden” sei. Besonders Unter-30-Jährige (zu 59 Prozent) würden immer häufiger “Opfer sexualisierter Attacken”.

Die Krankenhausgesellschaft NRW (KGNW) teilte auf eine Welt-Anfrage mit, die Beschäftigten seien “aber auch sehr oft rassistischer Gewalt” ausgesetzt, und dies in “doppelter Hinsicht”. Dazu heißt es:

“Zum einen werden unsere Mitarbeiter mit Migrationshintergrund als ‘Scheißausländer’ und ‘Deutschenhasser’ beschimpft, zum anderen werden unsere deutschstämmigen Mitarbeiter als ‘Ausländerhasser’ oder ‘Nazis’ beleidigt. Da zeigen sich die Risse unserer Gesellschaft.”

Der Notaufnahme-Arzt aus Gelsenkirchen wollte gegenüber der Welt nicht bestätigen, dass “auffallend viele Migranten unter den Tätern” seien, da sich “hier die Zusammensetzung der hiesigen Bevölkerung widerspiegelt. Und unser Klinikum liegt im Gelsenkirchener Zentrum.”

In der Umfrage von 2024 waren sich die beteiligten Kliniken einig, dass “ein genereller Verlust von Respekt gegenüber Krankenhauspersonal zu Übergriffen führt”. 40 Prozent der befragten Krankenhäuser nannten auch lange Wartezeiten als “eine der Hauptursachen für Gewalt gegen ihre Mitarbeitenden”. Prof. Dr. Henriette Neumeyer, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der DKG, erklärte:

“Es kann nicht sein, dass das Krankenhaus als letztes Glied in der Kette zum Austragungsort für gesellschaftliche Probleme wird und dass die Beschäftigten die Folgen fehlender Patientensteuerung am eigenen Körper zu spüren bekommen … Selbstverteidigungskurse für Pflegekräfte, Videoüberwachung in Krankenhausfluren oder abgeschottete Sicherheitsbereiche dürfen nicht als Normalität akzeptiert werden.”

87 Prozent der Krankenhäuser bestätigten, dass die Gewalterlebnisse “ihre Mitarbeiter schon erheblich belastet hätten”. Auch die Ärztekammer Nordrhein warnt eindringlich, die regelmäßige Gewalt verringere “die Attraktivität besonders belasteter Arbeitsbereiche wie Notaufnahmen, psychiatrischen Einrichtungen, Rettungsdiensten und Arztpraxen”. In Zeiten des Fachkräftemangels gefährde “dies die Versorgungssicherheit” in Deutschland.

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