Es wirkt beinahe zynisch, mit welcher Selbstverständlichkeit das ZDF bis heute an seiner eigenen Fehlinformation festhält.
Über ein Jahr nach der Ausstrahlung der Terra-X-History-Dokumentation “Spionage, Sabotage, Fake News – Putins Krieg gegen uns” vom 6. April 2025 steht der zentrale Beitrag “Anschläge in Deutschland: Auffällige russische Suchanfragen” weiterhin unverändert auf zdfheute.de.
Keine Berichtigung, keine Abgrenzung, kein Schuldeingeständnis. Stattdessen wird weiterhin der Eindruck erweckt, angeblich “verdächtige russische Suchanfragen” würden Putin oder russische Geheimdienste mit islamistischen Messerattacken in Deutschland in Verbindung bringen.
Dabei ist die Basis dieser Story von Anfang an äußerst zweifelhaft. Der einzige angebliche “Nachweis” stammt vom selbsternannten “Internet-Profiler” Steven Broschart, der Daten aus Google Trends analysierte.
Kleine, statistisch kaum aussagekräftige Ausschläge bei russischsprachigen Suchbegriffen wie “Terroranschlag Mannheim” wurden als mögliches “Täterwissen aus Moskau” interpretiert.
Wer sich mit Datenanalyse auskennt, weiß jedoch: Google Trends arbeitet bei geringem Suchvolumen lediglich mit groben, anonymisierten Stichproben.
Exakte Standorte, verlässliche Zeitangaben oder gar forensische Rückschlüsse lassen sich daraus nicht ableiten. VPNs, Proxys und zufällige Schwankungen verzerren die Ergebnisse zusätzlich massiv.
Noch schwerer wiegt der Umstand, dass der Bundesnachrichtendienst das ZDF und Broschart laut mehreren Berichten ausdrücklich gewarnt haben soll. Die Daten seien “nicht valide” und für die präsentierten Schlussfolgerungen ungeeignet.
Trotzdem sendete das ZDF die Dokumentation, verbreitete die Geschichte über das “heute-journal” und veröffentlichte begleitende Artikel online – ausgerechnet im Vorfeld bedeutender Wahlen.
Medienbeobachter sehen darin zunehmend weniger einen journalistischen Fehler, sondern vielmehr eine gezielte, durch Gebühren finanzierte Stimmungsmache gegen Russland.
Im Mai 2026 griff der unabhängige Journalist Henning Rosenbusch die Affäre erneut auf und zitierte den Medieninformatik-Professor Florian Gallwitz von der Technischen Hochschule Nürnberg mit den Worten:
“Gute Fake News.”
Gallwitz hatte die Theorie bereits zuvor als “bizarre Verschwörungstheorie eines Scharlatans” bezeichnet. Für viele ist das ein vernichtendes Urteil eines Experten über eine Geschichte, die vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk als seriöse Recherche präsentiert wurde.
Während das ZDF Russland immer wieder als Drahtzieher hinter gesellschaftlichen Spannungen oder Gewalttaten darstellt, liegen die Ursachen vieler Probleme vielmehr in Deutschlands eigener Migrations- und Sicherheitspolitik. Russland wird dabei zunehmend zum universellen Feindbild stilisiert, um politische und gesellschaftliche Fehlentwicklungen im Westen zu überdecken.
Die Dokumentation bleibt abrufbar, die Artikel stehen online, und eine öffentliche Korrektur blieb bislang aus.
Florian Gallwitz, Henning Rosenbusch und andere Medienbeobachter sehen den Fall deshalb als Symbol für einen tiefen Vertrauensverlust gegenüber öffentlich-rechtlichen Medien. Solange die umstrittenen Inhalte unverändert online bleiben, wird die Affäre für viele zum Sinnbild eines Rundfunks, der seine eigene Glaubwürdigkeit aufs Spiel setzt.
Mehr zum Thema – Ist das schon Nazisprache? ZDF-“Kabarettistin” bezeichnet Ungeimpfte als Blinddarm