Stuttgarts Jahrhundert-Baustelle: Von 21 auf 31 – Der nächste Schock für Pendler

Es ist nun so gut wie offiziell: Vertreter der Deutschen Bahn haben im Verkehrsausschuss des Bundestages eingeräumt, dass der umstrittene Tiefbahnhof Stuttgart 21 frühestens Ende 2031 in Betrieb genommen werden kann.

Bereits seit Wochen rankten sich diesbezüglich Gerüchte, nachdem bekannt geworden war, dass Hunderte Kilometer falscher Kabel verlegt wurden, die nun aufwendig ausgetauscht werden müssen. Ein Problem von vielen. Noch im vergangenen Jahr war die Rede davon, dass zumindest ein Teil des langwierigen Bauprojekts Ende 2026 eröffnet werden könnte.

Ursprünglich hätte der neue Stuttgarter Bahnhof bereits 2019 fertig sein sollen – nachdem sein Bau gegen heftige Proteste in Stuttgart durchgesetzt worden war, die mit dem Bild eines Demonstranten, dessen Auge durch einen Wasserwerfer zerstört wurde, in die Geschichte eingingen. Dies geschah am 30. September 2010 bei der Räumung des Schlossgartens.

Im Jahr 2011 folgte ein Volksentscheid über den Bahnhof, bei dem 58,9 Prozent der Stimmen für das Projekt abgegeben wurden – obwohl der Bau bereits begonnen hatte. In der Folge änderte sich die Haltung der Grünen in Baden-Württemberg, die mit der Unterstützung der Projektgegner erst im März 2021 an die Spitze der Landesregierung gelangten. Seitdem wird der ehemalige Kopfbahnhof mit 17 Gleisen durch einen unterirdischen Durchgangsbahnhof mit nur noch acht Gleisen ersetzt – oder soll es zumindest werden.

Für die Stadt Stuttgart könnte sich das Vorhaben als wahres Goldgeschäft entpuppen, wenn die Flächen, die nach der Verlagerung frei werden, nutzbar sind. Die gesamte Fläche hatte die Stadt bereits 2001 für 459 Millionen Euro erworben; aktuell wird ihr Wert auf Basis des Bodenrichtpreises von 7.870 Euro pro Quadratmeter auf rund 8,5 Milliarden Euro geschätzt.

Allerdings: Solange die Gleise noch liegen und der alte Bahnhof weiterbetrieben wird, lässt sich kein Cent daraus schlagen, und Stuttgart muss immer länger auf den erhofften Geldsegen warten.

Der ursprünglich vereinbarte Eröffnungstermin 2019 ist längst verstrichen, das ehrgeizige Ziel, einen der ersten vollständig digitalisierten Bahnknoten zu schaffen, rückt ebenfalls immer weiter in die Ferne, und die Kosten für das Bauprojekt – zu denen die einst von Stuttgart gezahlten 459 Millionen beitragen sollten – belaufen sich inzwischen auf 11,5 Milliarden Euro, statt ursprünglich geplanter 4,5 Milliarden. Ob das gesamte Vorhaben nun offiziell in „Stuttgart 31“ umbenannt wird, ist noch nicht bekannt.

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