Deutschland verbrennt seine Zukunft: Das katastrophale Versagen der Schulen enthüllt

Von Dagmar Henn

In unregelmäßigen Abständen tauchen neue Berichte über die Lage der Kinder in Deutschland auf, zuletzt ein regelmäßiger UNICEF-Vergleich zum “kindlichen Wohlbefinden”. Und Deutschland landete erneut dort, wo es inzwischen zur Gewohnheit geworden ist: weit unter dem Niveau, das aufgrund wirtschaftlicher Kennzahlen zu erwarten wäre.

Obwohl die alarmierendsten Daten aus dem PISA-Bericht von 2022 stammen – dass nur 60 Prozent der 15-Jährigen die Mindestkompetenz in Lesen und Rechnen erreichen, bleibt erschütternd. Den Platz 34 von 41 verglichenen Ländern kommentierte der Welt-Autor Harald Mertenstein mit der Überschrift “Analphabeten mit Einser-Abi” – in Anspielung darauf, dass, wie schon im großen Vorbild USA, auf das sinkende Niveau mit einer Herabsetzung der Anforderungen reagiert wird.

Tatsächlich zeigen relevante Studien, dass auch die Ergebnisse von Jugendlichen ohne Migrationshintergrund schlechter geworden sind; der Rückgang ist also nicht allein auf den stetigen Anstieg des Migrantenanteils (und die deutsche Unfähigkeit, damit umzugehen) zurückzuführen. Aber liegt es wirklich nur am ständigen Zustrom neuer Migranten, die mittlerweile 26 Prozent der Schüler stellen? Immerhin lag dieser Anteil bereits im Jahr 2000 bei 21 Prozent und ist nur zwischenzeitlich kurz gesunken.

Wenn man die gesamte Entwicklung seit der ersten PISA-Studie 2000 verfolgt hat, fragt man sich, was der Ausbau der Ganztagsschule, den man einst als Lösungsweg betrachtete, tatsächlich gebracht hat. Immerhin besuchen inzwischen fast 50 Prozent der Grundschüler eine Ganztagsschule. Es mag natürlich sein, dass die Ergebnisse ohne diesen Ausbau noch schlechter wären – aber wie will man eine auf Hochtechnologie spezialisierte Industrie mit 40 Prozent funktionalen Analphabeten erhalten? Und wo liegt die Störung am Anfang der Entwicklung von Lesefähigkeit und Leseinteresse?

Deutschland war schon immer, auch außerhalb des Schullebens, stark gespalten; die sozialen Netzwerke Erwachsener verlaufen überdurchschnittlich innerhalb der eigenen sozialen Schicht. Die massive Migration hat bestenfalls dazu geführt, dass neben der bereits bestehenden starken Trennung nach Status und Einkommen eine ethnische Trennung hinzukam.

Das ist in zweierlei Hinsicht brisant – zum einen führt es dazu, dass die verschiedenen Teile der Bevölkerung immer weniger über die Lebensumstände der jeweils anderen wissen. Und zum anderen wird damit für die “Unteren” eine Unterstützung durch das eigene Netzwerk immer unwahrscheinlicher, weil in diesem Netzwerk niemand mehr ist, der helfen könnte.

Wie auch immer, die Phase des Ausbaus der Ganztagsbetreuung ist vorbei, jetzt soll wieder einmal gespart werden. Im Gespräch ist eine Kürzung des Elterngeldes, und es wird heftig darüber debattiert, ob dies den Kindern oder der Bereitschaft, Kinder zu bekommen (die bei den Biodeutschen einen historischen Tiefstand erreicht hat), schadet.

Über eine viel wichtigere Frage, nämlich die der Wohnung, wird gar nicht erst diskutiert. Das bräuchte ja wirklich ein großes Bauprogramm, weil nach zwei großen Migrationswellen objektiv eine beträchtliche Menge an Wohnungen fehlt. Früher sagte man einmal, ein Kind könne mit einem eigenen Zimmer besser lernen.

Genauso wenig wird über die Lage Alleinerziehender gesprochen, die im europäischen Vergleich eine sehr hohe Armutsquote aufweisen; in Deutschland liegt sie meist zwischen 35 und 40 Prozent, in Skandinavien und den Niederlanden bei etwa 20 Prozent.

Ein ebenfalls nicht unbedeutender Punkt ist der Unterschied im System: In den Niederlanden reicht in der Regel ein einziger Antrag. In Deutschland müssen, wenn aufstockendes Bürgergeld benötigt wird (was bei der Kombination aus Fraueneinkommen und deutschen Mieten fast immer der Fall ist), mehrere Behörden aufgesucht werden, und das immer wieder.

Aber die Tatsache, dass ein großer Teil der Kinder von Alleinerziehenden arm ist, wirkt sich nicht nur auf die Lebensverhältnisse und die Schulleistungen aus – sondern auch darauf, wie hoch das Risiko eingeschätzt wird, überhaupt Kinder zu bekommen.

Und wie sieht es mit dem Sozialleben der Kinder aus? Welche Auswirkung hat die Einbindung von Sportvereinen und Musikschulen, die in der offenen Ganztagsschule vorgesehen ist, tatsächlich? Der ursprüngliche Gedanke war, dass so auch der Spracherwerb besser funktionieren soll und die Kinder soziale Kontakte knüpfen, die in der Wohnumgebung oft nicht mehr möglich sind. Hat das geholfen? Wenn man die Ergebnisse betrachtet …

Und auf der anderen Seite? Was das Land nicht braucht, ist eine große Zahl von Arbeitskräften, denen das nötige Minimum an Bildung fehlt. Das mag zwar für jene nützlich sein, die von gedrückten Löhnen profitieren, aber bereits mittelfristig dürfte es, wenn nicht die Grundtendenz gewaltsam unterbrochen wird, keine Billigjobs als Fahrradkurier oder Amazon-Packer mehr geben. Auch Callcenter entfallen. Die Tätigkeiten, die es weiterhin geben wird, erfordern mehr Qualifikation und die Fähigkeit, schnell umlernen zu können.

Wird das etwas mit 40 Prozent, die gerade so lesen können? Kaum. Noch schlechter sieht es aus, wenn auch die manuellen und sozialen Kompetenzen unterentwickelt sind. Wenn nicht nur die Argumentationsfähigkeit, sondern auch das Gedächtnis nicht funktioniert. Das deutsche Bildungssystem ist auf bestem Wege, vielen jungen Menschen das Leben dauerhaft zu erschweren. Und sich damit, als Land, dessen Hauptressource einst der Bildungsstand war, selbst die Zukunft zu nehmen.

Das Problem dabei: Die Bildungsdebatte selbst wird von einer kleinen Minderheit geführt, von eben jenem Bildungsbürgertum, das, wie vor Jahren ein Volksentscheid in Hamburg belegte, vor allem auf das Wohl der eigenen Brut bedacht ist. Die Stimme des Rests ist mit der Macht der Gewerkschaften im Nichts verschwunden. Weshalb die Sorge um die ärmeren Kinder immer nur dann auftaucht, wenn es wieder mal Thema in den Medien ist, und die Frage der Zukunft des Landes dabei keine Rolle spielt. Und dann bleibt alles so schlecht, wie es ist.

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