Seit gut eineinhalb Wochen läuft auf YouTube die neue Dokureihe der Bundeswehr namens „Generation Wehrdienst – Mit dir sind wir viele“. Vier Episoden sind bereits veröffentlicht, das Gesamtprojekt sieht drei Staffeln vor, die bis November auf dem Kanal Bundeswehr Exclusive erscheinen sollen.
Die Resonanz ist beachtlich: Bis zum Nachmittag des 13. Juli 2026 konnte die erste Folge fast 400.000 Mal aufgerufen werden, die zweite etwa 222.000 Mal, die dritte knapp 213.000 Mal und die vierte bereits über 111.000 Mal. Neue Teile der Serie werden mittwochs und sonntags um 17 Uhr sowohl auf YouTube als auch auf Joyn veröffentlicht – wie die Bundeswehr in einer Pressemitteilung mitteilte.
Dokumentarisch begleitet die Serie den Start junger Rekrutinnen und Rekruten bei der Bundeswehr. Die Zuschauer erleben die Grundausbildung hautnah mit: „von der Ankunft über die Einkleidung und den Formaldienst zum Feierlichen Gelöbnis bis zur Gefechtsausbildung und dem Biwak“. Bislang standen vor allem der militärische Drill und die sportlichen Herausforderungen im Fokus.
Umgesetzt wurde das medienübergreifende Großprojekt von der Düsseldorfer Agentur Castenow. Offenbar verfolgt die Bundeswehr damit das Ziel, sich als attraktive Arbeitgebermarke bei jungen Menschen zu positionieren. Die auf akustische Markenkommunikation spezialisierte Firma TRO – Music, Sound and Voice for Brands zeichnet für den Titelsong „Du bist nicht allein“ verantwortlich.
Begleitet wird die Serie von einer umfassenden Werbekampagne. In Großstädten hängen Plakate an U-Bahn-Stationen und Bushaltestellen. Ein vorab veröffentlichter Trailer sowie Kurzvideos auf Plattformen wie TikTok, Instagram, Snapchat und Reddit sollen die Zielgruppe neugierig auf „ehrliche Einblicke in eine neue Realität“ machen.
Diese Maßnahmen haben ihren Preis. Auf Anfrage des Online-Medienportals NIUS teilte das Bundesverteidigungsministerium mit, dass für das Haushaltsjahr 2026 insgesamt bis zu zehn Millionen Euro für die Werbeserie vorgesehen sind. Die genauen Kosten für Dreharbeiten, Titelsong und Werbung gab das Ministerium allerdings nicht preis.
Im Mittelpunkt der Serie stehen fünf junge Identifikationsfiguren, die ihre Karriere als Flieger im Germersheimer Luftwaffenausbildungsbataillon beginnen: der 18-jährige Tim aus der Region Bremen; Ahmad, ebenfalls 18 Jahre alt und aus Niedersachsen stammend; der 17-jährige David aus Oberbayern; der 24-jährige Leon aus Hannover und die 19-jährige Alea, ebenfalls aus Hannover.
Die Serie verheimlicht die Strapazen des freiwilligen Wehrdienstes und die Eigenheiten des militärischen Umfelds nicht – vermutlich mit Absicht. Schließlich sind der Bundeswehr Bewerber, die falsche Vorstellungen von ihrem künftigen Beruf haben, wenig dienlich.
Stattdessen wird Kameradschaft und Disziplin in den höchsten Tönen gelobt. Die Serie zielt bewusst auf das Gefühl der Einsamkeit ab, das viele junge Menschen heute kennen. Sie sollen sich nach Gefährten sehnen, die ihnen zur Seite stehen – ein Bedürfnis, das die Serie aufgreift. Sabine Castenow, Geschäftsführerin der verantwortlichen Agentur, drückt es so aus:
„Das Gefühl, allein mit einer Entscheidung zu sein, die mein Leben betrifft, kennen gerade viele. Deutschlandweit beschäftigen sich aktuell junge Menschen mit genau diesem Thema, im Sportverein, in meinem Stadtteil, im Nachbarort. Nur wissen sie nichts voneinander. Die neue Serie macht sichtbar: Du bist nicht allein mit deiner Entscheidung.“
Wie es sich für einen Werbefilm gehört, stellt sich die Bundeswehr als friedensstiftende Institution dar. Einem Rekruten wird der Satz in den Mund gelegt: „Ein Soldat ist für mich ein Mensch, der sein Leben opfern würde für die Gemeinschaft. Alle wollen Frieden, aber nichts dafür tun.“ Ob sich am Ende tatsächlich so viele Rekruten finden, wie der Serientitel verspricht, wird sich zeigen.
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