Ursprünglich berichtete das Handelsblatt, gefolgt von Springers Welt: Während einer Betriebsversammlung am vergangenen Dienstag äußerten sowohl der Personalrat als auch die Beamtinnen und Beamten des Wirtschaftsministeriums deutliche Kritik an der Führungsweise von Katherina Reiche, die das Ressort seit etwas mehr als einem Jahr leitet.
Wie aus Medienberichten hervorgeht, beklagte Viktoria Ludwig, die Vorsitzende des Personalrats, in ihrer 20-minütigen Eröffnungsrede eine hohe Arbeitsbelastung, ein Klima des Misstrauens sowie die unter Reiche veränderte Praxis bei der Besetzung von Stellen.
Laut Aussagen von Teilnehmenden, die dem Handelsblatt gemacht wurden, habe die oberste Personalvertreterin darauf hingewiesen, dass die Arbeitsbelastung „zunehmend zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen“ führe. Auch von ernsthaften „internen Turbulenzen“ war demnach die Rede. Ein weiterer Kritikpunkt war die neue Einstellungspraxis der Ministerin: Immer häufiger würden Positionen mit externen Bewerberinnen und Bewerbern besetzt, beispielsweise aus dem Umfeld der CDU oder aus der Unionsfraktion des Bundestages, wie die Personalratsvorsitzende anmerkte. Zwar sei ein solcher Seiteneinstieg auf der Leitungsebene durchaus üblich, doch unter Reiche werde dieses Vorgehen offenbar nun auch auf die darunter liegenden Funktionsebenen ausgedehnt.
Personalvertreterin Ludwig soll ihre Kritik in diesem Zusammenhang vor allem am Beispiel der Leitungsabteilung verdeutlicht haben. Dieser Stab, der unter anderem für Kommunikation und Strategie zuständig ist, besteht Medienberichten zufolge aus rund 30 neuen Mitarbeitenden.
Reiche zeigt sich unbeeindruckt
Dass mit einem Regierungswechsel und einer politischen Neuausrichtung an der Spitze eines Ministeriums insbesondere die Leitungsbereiche personell ausgetauscht werden, ist nicht ungewöhnlich. Allerdings scheint das Ausmaß dieser Veränderungen dem Personalrat deutlich zu weit zu gehen. Aus der Perspektive der langjährigen Mitarbeitenden ist der Unmut nachvollziehbar: Werden die teils neu geschaffenen Stellen mit externen Kräften besetzt, schmälert das die eigenen Aufstiegschancen.
Doch damit nicht genug: Wie das Düsseldorfer Wirtschaftsblatt berichtet, treffen die von Reiche verordneten Sparmaßnahmen vor allem die Fachabteilungen, während die Leitungsebene weitgehend verschont bleibt. Personalratsvorsitzende Ludwig stellte daher die Frage:
„Für mich stellt sich die Frage: Wer soll mit gutem Beispiel vorangehen in dieser schwierigen Situation, wenn nicht die Hausleitung?“
Die scharfe Kritik ließ Wirtschaftsministerin Reiche weitgehend an sich abprallen: „Damit kann ich gut leben, das ist das Ziel und Wesen einer solchen Veranstaltung.“ Die Ministerin bedankte sich bei ihren Mitarbeitenden für Professionalität und Verlässlichkeit, verteidigte jedoch ihr Vorgehen in den genannten Kritikpunkten.
So führte Reiche die hohe Arbeitsbelastung auf die schwierige wirtschaftliche Lage zurück: „Wir können uns dem auch nicht entziehen.“ Einerseits räumte die Ministerin ein, dass Stellenbesetzungen mit externen Bewerbern nicht überhandnehmen dürften, andererseits beharrte sie auf ihrer Einstellungspraxis: „Es gibt Fälle, da müssen wir uns extern verstärken.“
Vergabe von Aufträgen an teure externe Beratungsfirmen
Unter der CDU-Ministerin scheint sich ein seit Langem zu beobachtender Trend – auch im Wirtschaftsministerium – fortzusetzen: Anstatt die vorhandene fachliche Kompetenz und die vergleichsweise kostengünstige Expertise eigener Fachleute zu nutzen, werden teure Verträge mit externen Dienstleistern abgeschlossen.
Erst kürzlich habe Reiches Haus 9.000 Arbeitsstunden pro Jahr für eine „strategische Topmanagement-Beratung“ durch externe Berater ausgeschrieben – und zwar unter der vagen Überschrift „Beratung zu operativ-inhaltlichen Aspekten der wirtschaftlichen Vorhabenplanung und -umsetzung“. Der Personalrat habe diesen Vorgang scharf kritisiert, da es sich um „klassische Ministeriumsarbeit“ handele. Doch Reiche zeigte sich unnachgiebig: Es gebe Situationen, in denen man auf Spezialwissen von außen angewiesen sei.
Gleichzeitig wandte sich die Ministerin gegen den Vorwurf, sie misstraue den Experten aus ihrem eigenen Haus. Etwas spitz parierte Reiche diesen Vorwurf und sagte: „Ich habe genügend Gelegenheit, Fachwissen anzufragen und in den Austausch zu kommen.“ Und sie fügte hinzu: „Ich glaube, da mangelt es nicht an der Wertschätzung und Nutzung der Fachexpertise.“ Allerdings schränkte sie diese Aussage sogleich wieder mit der Bemerkung ein, sie „könne natürlich nicht dauernd mit allen 2.000 Beamten im Austausch“ stehen, wie die Welt berichtet. Gerade mit Blick auf diese letzte Aussage habe eine namentlich nicht genannte Mitarbeiterin erklärt, sie fühle sich nicht mehr ernst genommen.
Die Unzufriedenheit unter der Belegschaft scheint auf der Leitungsebene nicht nur registriert worden zu sein. Für Anfang des kommenden Monats, konkret für den 3. Juli, sei eine „kleine Beförderungsrunde“ in Aussicht gestellt worden.
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