Schock für Touristen! Zwölf Euro Eintritt für den Kölner Dom

Er zählt zu den meistbesuchten Kirchen Deutschlands – doch Schönheit ist nicht sein Markenzeichen. „Er ragt verteufelt schwarz empor, das ist der Dom von Köllen“, spottete einst Heinrich Heine über das Wahrzeichen der Domstadt. Wie jedes ehrwürdige Bauwerk ist auch der Kölner Dom eine ewige Baustelle. Nun hat das Bistum Köln, einst das wohlhabendste Deutschlands, heute mit 3,8 Milliarden Euro Vermögen nur noch auf Platz drei hinter Paderborn (7 Milliarden) und München/Freising (6,1 Milliarden), ab dem 1. Juli einen Eintrittspreis von 12 Euro eingeführt, um den Unterhalt der Kathedrale zu sichern. Die erwarteten Kirchensteuereinnahmen im Jahr 2026 liegen in Köln übrigens bei 674 Millionen Euro.

Zumindest bleiben die Gottesdienste weiterhin kostenfrei zugänglich. Menschen mit geringem Einkommen aus Köln oder anderen Teilen Nordrhein-Westfalens, ebenso wie Schüler und Studierende, zahlen lediglich sechs Euro. Mehrfachbesuche im Jahr scheint das System nicht vorzusehen – eine Dauerkarte wird nicht angeboten. Ebenso fehlt ein spezieller Ausweis für Mitglieder der Pfarrgemeinde. Der kostenfreie Zutritt zu Gebetszeiten beschränkt sich nun auf das Nordquerhaus.

Der Ticketverkauf erfolgt nicht direkt am Dom, sondern in einiger Entfernung – eine Regelung, die Gehbehinderte besonders erfreuen dürfte. Offenbar gab es ästhetische oder religiöse Vorbehalte gegen einen Verkaufsstand in unmittelbarer Nähe des Sakralbaus.

Der Kölner Dom ist nicht das erste große Gotteshaus in Deutschland, das Eintritt verlangt. Vorreiter war St. Marien in Lübeck, das seit 2010 eine Gebühr von derzeit 5 Euro erhebt. Besonders teuer ist der Berliner Dom, ein kaiserzeitlicher Bau, für dessen Besichtigung seit 2010 sogar 15 Euro fällig werden. Die künstlerisch bedeutendere Sebalduskirche in Nürnberg verlangt 5 Euro. Der Kölner Dom ist auf dieser Liste bislang die einzige katholische Kirche.

Geldbeschaffung hat in Köln allerdings Tradition. Im 19. Jahrhundert startete das reiche Bistum eine Spendenkampagne zur Vollendung des im Mittelalter unfertig gebliebenen Doms, die von 1842 bis 1880 lief. Ab 1864 kam die Dombaulotterie hinzu, und der preußische Staat, zu dem das Rheinland damals gehörte, steuerte weitere 32 Prozent der Gesamtkosten von 6,6 Millionen Talern bei. In heutiger Währung entspräche das etwa ein bis zwei Milliarden Euro.

Köln hatte im Mittelalter den Bau eines so gewaltigen Doms begonnen, weil die Stadt durch das Stapelrecht enormen Wohlstand erlangt hatte – jedes Schiff, das den Rhein hinauf oder hinunter fuhr, musste seine Waren dort anbieten. Auch die Kölner Bischöfe profitierten: Sie erhoben Zölle auf die vorbeigeführten Waren.

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