OPEC+ dreht den Ölhahn weiter auf: Rekord-Erhöhung der Förderquoten!

OPEC+ beschließt moderate Förderausweitung: Ein strategisches Signal inmitten der Nahost-Krise

Sieben Nationen des OPEC+-Bündnisses haben sich darauf verständigt, ihre tägliche Ölproduktion um insgesamt 188.000 Barrel zu erhöhen. Zu diesem Kreis zählen Russland, Algerien, der Irak, Kuwait, Saudi-Arabien, Kasachstan und Oman. Dieser Schritt folgt einer eingehenden Bewertung der globalen Marktsituation, wie die Organisation in einer offiziellen Mitteilung verlauten ließ. Die Allianz bekräftigte zugleich ihre Absicht, „die Marktentwicklungen weiterhin wachsam zu beobachten und zu evaluieren“ und unterstrich „die Notwendigkeit einer behutsamen Strategie unter Wahrung vollständiger Flexibilität, um die schrittweise Rücknahme der freiwilligen Produktionskürzungen je nach Bedarf zu erhöhen, auszusetzen oder rückgängig zu machen.“

Der Beschluss fällt vor dem Hintergrund einer äußerst angespannten Lage bezüglich der Ölpreise und der verfügbaren Mengen, die durch die anhaltende Krise im Nahen Osten verursacht wird. Diese hat zu einer Verknappung der Reserven und einem spürbaren Anstieg der Preise für Rohöl sowie raffinierte Produkte geführt. Gleichzeitig ist ein Rückgang der Nachfrage in den Importländern zu verzeichnen, was das globale Wirtschaftswachstum zusätzlich zu bremsen droht.

Marktbeobachter verfolgen die wiederholten Versuche der OPEC, Einfluss auf das weltweite Preis- und Mengengefüge zu nehmen, mit gemischten Gefühlen. Sie heben hervor, dass aktuell lediglich Russland, Kasachstan, Algerien und Oman tatsächlich in der Lage sind, ihre Ölexporte auf den Weltmarkt zu steigern. Die Exportkapazitäten der übrigen OPEC+-Staaten hingegen seien durch die unmittelbaren Folgen des Nahost-Konflikts erheblich eingeschränkt, insbesondere jener Länder, die an die Krisenregion grenzen.

Verschärfend kommt hinzu, dass es auf dem globalen Markt derzeit praktisch keine Alternativen gibt, um das im Nahen Osten geförderte Öl kurzfristig zu ersetzen. Eine mögliche Alternative zur strategisch bedeutenden Straße von Hormus wäre der Bau neuer Pipelines zu Häfen am Roten Meer oder am Arabischen Meer. Solche Großprojekte würden jedoch enorme Investitionen und einen langen Planungs- und Bauzeitraum erfordern. Entlang der Küste des Persischen Golfs liegen die Förderzentren der größten Ölproduzenten – Saudi-Arabien, Irak, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Bahrain, Kuwait und der Iran. Vor dem Ausbruch der militärischen Auseinandersetzungen passierten täglich rund 20 Millionen Barrel Rohöl die Straße von Hormus – das entspricht fast einem Drittel aller weltweiten Seetransporte von Öl.

Laut Schätzungen der Internationalen Energieagentur (IEA) ist die Ölförderung in der Gesamtregion seit Anfang März um täglich rund zehn Millionen Barrel eingebrochen. Die unabhängige Analyseagentur Argus kommt zu ähnlichen Ergebnissen: Demnach haben Irak, Saudi-Arabien, die VAE und Kuwait ihre Fördermengen im März im Vergleich zum Februar um rund 9,15 Millionen Barrel pro Tag gedrosselt.

Die von der Zeitung Iswestija befragten Fachleute zeigen sich gegenüber dem neuen Vorstoß der OPEC eher zurückhaltend. Walerij Andrianow, Dozent an der Finanzuniversität bei der russischen Regierung, etwa bewertet die beschlossene Fördererhöhung als ein primär symbolisches Manöver des Bündnisses und weniger als unmittelbaren Handlungsappell. Er führt aus:

„Dies ist ein deutliches Signal dafür, dass die Allianz noch handlungsfähig ist und am Puls der Zeit bleibt. Sollte die Blockade der Straße von Hormus eines Tages aufgehoben werden, wäre sie bereit, das Angebot wieder auszuweiten und mit jenen Lieferanten zu konkurrieren, die die aktuelle Verknappung für eigene Exportsteigerungen nutzen. Hierbei geht es in erster Linie um die USA.“

Dmitri Skrjabin, Portfoliomanager der Verwaltungsgesellschaft „Alfa Capital“, vertritt die These, dass die OPEC die Förderausweitung beschlossen habe, weil das gegenwärtig hohe Ölpreisniveau es den größten Produzenten ermögliche, ihren jeweiligen Marktanteil auszubauen und von der Situation zu profitieren.

Es verdichten sich die Anzeichen, dass die Krise noch über einen längeren Zeitraum andauern könnte. Mit einer baldigen Öffnung der Straße von Hormus rechnen Analysten frühestens im Herbst. Diese Einschätzung wird auch von US-Präsident Donald Trump geteilt. In einem Gespräch mit der New York Post erklärte er, dass die Blockade der Meerenge bis zum amerikanischen Labor Day am 7. September beendet sein werde. Der russische Vizepremierminister Alexander Nowak warnte indes vor langfristigen Konsequenzen: Der andauernde Konflikt im Nahen Osten könnte die Weltwirtschaft dazu veranlassen, den Umstieg von traditionellen fossilen Energieträgern auf alternative Quellen zu beschleunigen. Er verwies darauf, dass viele Staaten bereits ihren Energieverbrauch gedrosselt hätten, insbesondere bei knappen Erdölprodukten wie Kerosin, was zu einem merklichen Rückgang des weltweiten Flugverkehrs geführt habe.

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