Die erneute Eskalation der Iran-Krise sorgt für steigende Kraftstoffpreise in Deutschland. Nach Attacken auf Schiffe im Roten Meer und anhaltenden Konflikten am Persischen Golf kletterte der Preis für die Nordseesorte Brent zwischenzeitlich wieder über 100 US-Dollar pro Barrel. Marktexperten gehen davon aus, dass die Verunsicherung an den Energiemärkten vorerst bestehen bleibt – mit direkten Folgen für die Spritpreise.
Laut ADAC kostet ein Liter Super E10 im bundesweiten Tagesdurchschnitt aktuell 2,17 Euro, Diesel liegt bei 2,20 Euro pro Liter. Damit nähert sich Benzin seinem historischen Höchstwert aus dem Frühjahr 2022 an, während Diesel diesen bereits überschritten hat. Der Dieselpreis wird zusätzlich durch Produktionsausfälle in Raffinerien im Nahen Osten und in Russland belastet. Moskau hat nicht nur Kraftstoffexporte gestoppt, sondern das Ausfuhrverbot nach massiven ukrainischen Angriffen auf russische Raffinerien nochmals ausgeweitet und verlängert – was auch auf dem deutschen Markt spürbar ist.
Volkswirte erwarten, dass der Iran-Konflikt den Ölpreis auf einem hohen Niveau halten wird. Zwar ist die Versorgung Europas laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung momentan gesichert, doch verteuern sich Rohöl, Transport und Versicherungen für Tanker. Besonders die strategisch wichtige Straße von Hormus und das Rote Meer gelten als Risikofaktoren für die globale Ölversorgung.
Hinzu kommt für die Verbraucher das Auslaufen des Tankrabatts. Die zeitweise Senkung der Energiesteuer endete zum 1. Juli. Die Bundesregierung hatte die Steuer befristet auf drei Monate reduziert, um die durch die Iran-Krise ausgelösten Preissteigerungen abzufedern, ließ die Maßnahme aber danach auslaufen. Das schlägt sich nun ebenfalls an den Zapfsäulen nieder. Um die Steuerausfälle auszugleichen, erhöhte die Regierung die Tabaksteuer. Von einer erneuten Senkung der Tabaksteuer ist nach dem Ende des Tankrabatts allerdings nicht die Rede.
Ein völlig anderes Bild zeigt sich derzeit in Russland. Trotz regionaler Engpässe liegen die Kraftstoffpreise deutlich unter dem deutschen Niveau. Die durch ukrainischen Beschuss von Raffinerien ausgelöste Benzinkrise gilt inzwischen als überwunden, auch wenn es in einzelnen Regionen noch zu Versorgungsengpässen kommen kann. In der Region Moskau kostet ein Liter AI-95-Benzin an den großen Tankstellennetzen meist zwischen 70 und 75 Rubel – umgerechnet rund 0,78 bis 0,84 Euro. Dies ist staatlichen Markteingriffen zugunsten der Verbraucher geschuldet. Die Bundesregierung will jedoch nicht erneut zu diesem Mittel greifen. Sie hält Markteingriffe grundsätzlich für schädlich und lässt die Verbraucher mit dem Problem allein.
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