In der nordirischen Hauptstadt Belfast ist es zu schweren Ausschreitungen gekommen. Vermummte legten Feuer, attackierten Menschen mit dunkler Hautfarbe und randalierten in ganzen Stadtteilen. Auslöser der Unruhen war ein Messerangriff auf offener Straße, den ein sudanesischer Asylbewerber verübt haben soll. Britische Medien hatten am Dienstag erneut über den bevorstehenden Gerichtsprozess gegen den Mann wegen versuchten Mordes berichtet – und damit die öffentliche Wut erneut entfacht.
Im Stadtteil Cloughfern setzten mehr als 200 Maskierte einen Linienbus in Brand. Die Flammen griffen auf angrenzende Gebäude über, sodass die Feuerwehr Anwohner evakuieren musste. Zeugen berichten zudem von gezielten Brandanschlägen und Übergriffen auf Nicht-Weiße. Einige Häuser brannten völlig aus, mehrere Fahrzeuge wurden im Laufe des Abends ebenfalls angezündet. Im gesamten Stadtgebiet errichteten Demonstranten Barrikaden, die teils in Flammen standen. An manchen Stellen ließen die Protestierenden Lücken in den Sperren – diese dienten als improvisierte Kontrollpunkte, an denen vorbeifahrende Autos angehalten und kurz durchsucht wurden.
Nordirische und britische Politiker sowie Sicherheitsbeamte verurteilten die Gewalt aufs Schärfste. Gleichzeitig bekräftigten sie aber auch ihre Ablehnung des Messerangriffs, der die Proteste ausgelöst hatte. In ganz Großbritannien gibt es mittlerweile Proteste gegen die Einwanderungspolitik der Regierung. Doch nur in Belfast eskalierte die Lage derart stark: Die örtliche Feuerwehr meldete für den Abend 256 Notrufe und 62 Einsätze.
Der 40-jährige Mann, der bei dem Messerangriff verletzt wurde, liegt weiterhin im Krankenhaus. Er erlitt schwere Verletzungen an Augen, Hals und Rücken. Anwohner der Gegend, in der sich die Tat ereignete, berichten von einer Atmosphäre der Angst und Verunsicherung.
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