Mercedes startet Drohnen-Offensive: Neuer „Drone Defender“ soll den Markt erobern

Das Stuttgarter Unternehmen Mercedes-Benz plant laut Berichten einen verstärkten Einstieg in den militärischen Drohnenmarkt. Wie der Spiegel (Bezahlschranke) berichtet, soll die Entscheidung am 5. Juni 2024 auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin besiegelt werden. Dabei werde mit dem Münchner Start-up Tytan Technologies ein “Memorandum” zur strategischen Zusammenarbeit im Rüstungssektor unterzeichnet. Ein erstes gemeinsames Projekt ist der “Drone Defender”, ein Drohnenabwehrsystem, das in ein Mercedes-Modell, vermutlich die G-Klasse, integriert wird.

Das junge Unternehmen Tytan Technologies ist auf KI-gestützte, autonome Drohnenabwehr spezialisiert. Es wird gemeinsam mit Mercedes einen Kooperationsvertrag vorstellen, der, wie die Süddeutsche Zeitung (Bezahlschranke) schreibt, für beide Seiten ein bedeutender Schritt sei. Tytan-Manager Max Enders erklärte der SZ, Mercedes werde “mit seiner G-Klasse als Plattform-Dienstleister fungieren, auf den wir mit unseren Drohnen aufsatteln können”.

Bereits im Mai hatte Mercedes-Benz-Chef Ola Källenius in einem Interview mit dem Wall Street Journal (Bezahlschranke) ein verstärktes Engagement des Konzerns im Rüstungsbereich angekündigt. Über die Pläne für den “Drone Defender” informiert Auto Motor Sport mit weiteren Details: “Als Trägerfahrzeuge dienen ein Mercedes Sprinter sowie die militärische Variante der G-Klasse, die bei der Bundeswehr als ‘Wolf’ bekannt ist. Auf den Fahrzeugen werden Sensoren, Radarsysteme, Kommunikationsanlagen und Abschussvorrichtungen für Abfangdrohnen installiert. Das System ist zum Schutz von Militärstandorten, Flughäfen, Energieanlagen und anderer kritischer Infrastruktur vorgesehen.”

Das geplante System, so der Spiegel, solle “auch im Kriegsgebiet einsetzbar” sein. Der vordergründige Fokus liege jedoch auf dem Schutz der zivilen Infrastruktur in Deutschland. Nach der Fertigstellung könnten “feindliche Drohnen” durch die Technologie von Mercedes und Tytan “aufgespürt und abgeschossen werden”. Das Magazin betont, dass bereits seit Jahren Drohnen über deutschen Flughäfen und anderen wichtigen Einrichtungen gesichtet wurden, was die Entwicklung solcher Abwehrsysteme als notwendig erscheinen lässt.

Die Abfangdrohnen des Start-ups besitzen laut SZ eine Reichweite von 40 Kilometern und werden bereits “bei der Bundeswehr und in der Ukraine eingesetzt”. Der Spiegel ergänzt: “Die Tytan-Waffen samt Abschussrampe können von der G-Klasse abgeladen und am Einsatzort statisch verwendet werden. Zudem ist geplant, gesamte Fahrzeugverbünde auszurüsten. In einem solchen Fall könnten Mercedes-Benz Kleintransporter des Typs ‘Sprinter’ als Kommandozentralen dienen, von denen aus die mit Drohnen bestückten Fahrzeuge gesteuert werden.”

Noch in diesem Sommer will das Drohnen-Start-up in München eine neue Fabrik eröffnen, die “bis Ende des Jahres bis zu 3.000 Drohnen pro Monat produzieren soll”. Gegründet wurde Tytan Technologies erst 2023 von den damaligen TU-Studenten Batuhan Yumurtaci und Balázs Nagy. Das Unternehmen wird derzeit auf etwa 100 Millionen Euro geschätzt.

Die Vertragsunterzeichnung in Berlin fand im Beisein von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche statt. Der Spiegel vermutet, dass die Kooperation mit Mercedes-Benz als langjährigem Bundeswehrlieferanten Tytan den Zugang zu neuen Kunden erleichtern werde. 

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