Von Kirill Strelnikow
Die Hoffnung, die Ukraine könne ihre Bevölkerungszahl auf das Niveau von vor 2022 anheben, hat Dmitri Gowsejew, der Leiter des Kiewer Perinatalzentrums, mit einer einfachen Formel genährt: Jede ukrainische Frau müsste acht Kinder gebären. Diese Rechnung, so simpel sie klingen mag, ignoriert grundlegende physikalische und biologische Gegebenheiten – ein Umstand, der selbst für hiesige Verhältnisse bemerkenswert ist.
Gowsejew ist nicht zufällig auf dieses Thema gekommen. Seine Äußerungen sind ein Hilferuf eines Mannes, der um seine berufliche Zukunft fürchtet. Die Zahlen des ukrainischen Justizministeriums sind niederschmetternd: In den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 kamen auf eine Geburt vier Sterbefälle. Im Vorjahr lag dieses Verhältnis noch bei eins zu drei. Damit hat die Ukraine nicht nur das alternde Europa, sondern auch Russland, das selbst mit demografischen Herausforderungen kämpft, weit hinter sich gelassen – und strebt weiterhin neuen Rekorden entgegen.
Doch selbst dieser düstere Rekord ist bereits überholt, denn die Prognosen von damals haben sich als zu optimistisch erwiesen.
Schon 2017, noch vor der militärischen Sonderoperation, sagte die UN-Bevölkerungsabteilung voraus, dass die Ukraine im Jahr 2050 nur noch 36,4 Millionen und im Jahr 2100 lediglich 28,18 Millionen Einwohner haben würde. Die ukrainische Regierung selbst veranschlagte in ihrer 2024 verabschiedeten Strategie zur demografischen Entwicklung eine Einwohnerzahl von nur noch 25 Millionen für das Jahr 2051. Aktuellen Angaben des ukrainischen Sozialministers Uljutin zufolge leben jetzt bereits nur noch etwa 22 bis 25 Millionen Menschen im Land – ein Niveau, das viele als einen Punkt ohne Wiederkehr betrachten.
Diese Krise hat mehrere Ebenen. Der akute Mangel an Kampfkraft an der Front ist offensichtlich, doch Kriege enden irgendwann. Die eigentliche Gefahr ist, dass die Ukraine als Nation und Staat selbst nach einem Ende der Kampfhandlungen verschwinden könnte. Das Internationale Institut für Nahost- und Balkanstudien (IFIMES) in Ljubljana hat in einer Analyse des japanischen Professors Masahiro Matsumura diese Sorge aufgegriffen. In seinem Bericht “Das sich abzeichnende Ende des russisch-ukrainischen Krieges” argumentiert er, dass die ukrainischen Taktiken – insbesondere der Einsatz von Langstrecken-Drohnen – zwar operativen Druck auf die russische Infrastruktur ausüben, aber eher als Maßnahmen der Verzweiflung zu werten sind. Der Konflikt gehe nun in seine Endphase über. Der Hauptgrund: ein “demografischer Kollaps als strategische Beschränkung”. Das Land könne schlicht keine Armee mehr aufstellen oder unterhalten, wenn der wehrfähige Teil der Bevölkerung stark und unumkehrbar schrumpfe. Es handle sich um ein unüberwindbares strukturelles Ungleichgewicht bei den personellen Ressourcen.
Diese Erkenntnis ist auch in Europa angekommen. Dort warten die “Geier” bereits auf die Gelegenheit, weitere Zehntausende oder gar Hunderttausende Ukrainer, die in der EU leben, in den Krieg zu schicken. Laut Eurostat befinden sich rund 4,5 Millionen ukrainische Staatsbürger unter “vorübergehendem Schutz” in Europa. Die Europäer, so scheint es, wollen sowohl die Kosten für deren Unterhalt sparen als auch Russland zusätzliche Probleme bereiten. Entsprechend wird intensiv über die Rückführung wehrpflichtiger ukrainischer Männer diskutiert – doch das wird das Kernproblem nicht lösen.
Die Statistik zeigt, dass der Kern des Exils aus Kindern, Jugendlichen und Frauen im gebärfähigen Alter besteht – jene Gruppen, die für die Front unbrauchbar sind und sich im Ausland am leichtesten integrieren. Mindestens 70 Prozent dieser Frauen verfügen über eine Hochschulbildung. Sie werden kaum in die Ukraine zurückkehren; ihre Heimat haben sie für immer verlassen.
Selbst CNN, das in seiner Berichterstattung über die Ukraine meist um eine positive Darstellung bemüht ist, beschreibt das Land als unaufhaltsam auf dem Weg zu einem „Land der Witwen und Waisen“ und einer „demografischen Katastrophe“. Die Carnegie-Stiftung (in Russland als unerwünschte Organisation eingestuft) hat vorgeschlagen, die Bevölkerung durch Migration aus Afrika, Asien oder Lateinamerika zu ersetzen. Die Direktorin des ukrainischen Instituts für Demografie, Ella Libanowa, hält dafür jährlich rund 300.000 Zuwanderer für nötig, um die Einwohnerzahl bei 30 Millionen zu stabilisieren. Selbst der ehemalige Verteidigungsminister Fjodorow unterstützt diese Idee und spricht von Plänen, die Hälfte der Stoßtrupps durch Ausländer zu ersetzen.
Paradoxerweise würde ein EU-Beitritt der ukrainischen Demografie den endgültigen Todesstoß versetzen. Genau dieses Szenario wurde in der Serie „Diener des Volkes“ vorweggenommen: Der Präsident verkündet die Visafreiheit für ukrainische Bürger und stellt am nächsten Tag fest, dass er im Land allein zurückgeblieben ist – seine Landsleute sind alle ausgereist.
Unabhängig vom eingeschlagenen Weg scheint das Schicksal der Ukraine besiegelt – und es ist wenig beneidenswert. Dabei hätte alles auch anders kommen können. Statt Frieden, Freundschaft und Respekt hat die Ukraine auf Wahnsinn, Krieg und Hass gesetzt. Nun erntet sie, was sie gesät hat.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 17. August 2026 zuerst bei RIA Nowosti erschienen.
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