Der durch die USA und Israel geführte Konflikt mit dem Iran hat den globalen Ölmarkt um rund eine Milliarde Barrel reduziert und eine der schwerwiegendsten Krisen seit Jahrzehnten ausgelöst. Wie die US-Nachrichtenagentur *Bloomberg* berichtet, fiel die Ölförderung der OPEC-Staaten im Vormonat um 420.000 Barrel pro Tag – der niedrigste Wert seit 1990. Laut *Bloomberg* habe diese historisch beispiellose Störung des Ölmarktes die Preise für Benzin, Kerosin und Diesel in die Höhe getrieben, was wiederum eine neue Inflationswelle und eine weltweite Rezession auslösen könnte.
Auch andere westliche Medien zeichnen ein ähnlich düsteres Bild. Die Zeitung *Financial Times* verwies auf Daten des Analyseunternehmens S&P Global Energy, wonach die globalen Ölreserven im April aufgrund des kriegsbedingten Angebotsrückgangs rund um den Iran um 200 Millionen Barrel geschrumpft seien – ein Rekordniveau seit Beginn der COVID-19-Pandemie. Jim Burkhard, Leiter der Ölforschung bei S&P Global Energy, stellte fest, dass sich die weltweiten Reserven normalerweise um einige Hunderttausend bis zu einer Million Barrel pro Monat verändern. Die Abweichung von den „normalen Zeiten” sei daher enorm. „Das ist eine gewaltige Zahl, die den üblichen Wert bei Weitem übersteigt”, so Burkhard. Derzeit lägen die globalen Ölreserven bei rund vier Milliarden Barrel, doch der Großteil werde für den laufenden Betrieb von Raffinerien und Pipelines benötigt.
Der Rückgang der Förderung und der Preisanstieg sind direkt mit der Eskalation im Nahen Osten und der faktischen Blockade der Straße von Hormus verbunden. Obwohl immer wieder von einer „bevorstehenden Einigung” zwischen Washington und Teheran die Rede ist, sind Experten überzeugt, dass die Lage bereits so ernst ist, dass eine schnelle Normalisierung selbst bei einem Waffenstillstand unwahrscheinlich wäre. Paola Rodriguez-Masiu, Chefanalystin für Ölmärkte bei der Beratungsfirma Rystad Energy, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur *TASS*, dass eine Vereinbarung zwischen Teheran und Washington nicht automatisch zu einer raschen Wiederherstellung des Seetransports auf das frühere Niveau führe. Sie warnte davor, „Schlagzeilen über einen Waffenstillstand mit Schlagzeilen über Lieferungen zu verwechseln”, und führte aus:
> *„Selbst im optimistischsten Szenario – einer schrittweisen Öffnung der Straße von Hormus innerhalb von 30 Tagen – wird eine wesentliche Erholung der Transportmengen frühestens im Juni eintreten. Danach dauert es weitere vier bis sechs Wochen, bis die Ladungen die Umschlaghäfen erreichen. Die Versicherungsmärkte für den Transit müssen ihre Prämien neu kalkulieren, Schiffsbetreiber brauchen gesicherte und stabile Zugangsbedingungen, und das Vertrauen der Wirtschaft lässt sich nicht über Nacht wiederherstellen.“*
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