Nigel Farage hat seinen Sitz im britischen Unterhaus zurückerobert. Der Vorsitzende von Reform UK konnte die Nachwahl im Wahlkreis Clacton überzeugend für sich entscheiden und dabei sogar sein Ergebnis aus dem Jahr 2024 übertreffen.
Mit 22.239 abgegebenen Stimmen lag Farage rund 1.000 Stimmen über seinem bisherigen Rekord aus dem Vorjahr. Sein Stimmenanteil kletterte von damals etwa 46 Prozent auf nun circa 63 Prozent. Der Abstand zum zweitplatzierten Kandidaten betrug mehr als 12.700 Stimmen.
Der zweite Platz ging an Count Binface, die satirische Kunstfigur des Comedians Jon Harvey, die 9.455 Stimmen auf sich vereinen konnte. Die etablierten britischen Parteien hatten die Wahl boykottiert und bewusst auf eigene Kandidaten verzichtet. Trotzdem traten insgesamt 34 Bewerber an – ein Rekord für Clacton. Die Wahlbeteiligung erreichte nur 44,4 Prozent und lag damit deutlich unter den 58,7 Prozent der regulären Unterhauswahl 2024.
Auslöser der Nachwahl war Farage selbst: Anfang Juli legte er sein Mandat nieder, wodurch eine Neuwahl erforderlich wurde. Im Hintergrund stand eine parlamentarische Untersuchung zu einer persönlichen Zuwendung von fünf Millionen Pfund, die Farage vor der Wahl 2024 vom Krypto-Unternehmer Christopher Harborne erhalten hatte. Farage weist jegliches Fehlverhalten von sich und argumentierte, die Wähler sollten letztlich über seine politische Zukunft entscheiden.
Labour, die Konservativen, die Liberaldemokraten und die Grünen stellten daraufhin keine eigenen Kandidaten auf. Sie bezichtigten Farage, die Nachwahl als politisches Ablenkungsmanöver zu nutzen und sich der parlamentarischen Kontrolle zu entziehen. Diese Strategie verfing an der Urne jedoch nicht: Farage verbesserte sein Ergebnis und untermauerte seinen Anspruch auf den Sitz auf eindrucksvolle Weise.
Bei der Bekanntgabe des Ergebnisses fehlte Farage persönlich. Er verwies auf eine angebliche polizeiliche Warnung vor möglichen Störungen – eine Darstellung, die die Polizei später relativierte. Auch eine geplante Siegesrede seiner Partei Reform UK wurde kurzfristig abgesagt.
Mit der Rückkehr ins Parlament ist die Affäre um seine Finanzen jedoch noch nicht abgeschlossen. Die parlamentarische Untersuchung, die nach seinem Rücktritt pausierte, soll nun fortgesetzt werden. Sollte ein Verstoß festgestellt und eine Suspendierung von mindestens zehn Sitzungstagen verhängt werden, könnte eine sogenannte Recall-Petition folgen. In diesem Fall wären die Wähler erneut aufgerufen, über Farages Mandat zu entscheiden.
Politisch hat Farage sein unmittelbares Ziel trotzdem erreicht: Er sitzt wieder im Unterhaus und kann auf ein besseres Wahlergebnis als 2024 verweisen. Die offenen rechtlichen und parlamentarischen Fragen zu seinen Finanzen bleiben allerdings bestehen.
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