Dänemark erwägt einheitliches Verbot des islamischen Gebetsrufs
In Dänemark wird derzeit über ein landesweites Verbot des islamischen Gebetsrufs, bekannt als Adhan, diskutiert. Morten Bodskov, der für Ausländer- und Integrationsfragen zuständige Minister, äußerte sich dazu in einem Interview mit dem Lokalsender Ritzau und stellte klar, dass dieser in Dänemark “keinen Platz” habe. Die Überlegung ist Teil einer umfassenderen Strategie der dänischen Regierung, die sich gegen eine vermeintliche “Islamisierung” des Landes richtet.
Bodskov, ein führendes Mitglied der regierenden Sozialdemokraten, erklärte am Mittwoch, dass die dänischen Behörden eine bereits bestehende Untersuchung wieder aufnehmen möchten. Diese Prüfung zielt darauf ab, den Adhan, der Muslime traditionell fünfmal täglich zum Gebet ruft, gesetzlich zu verbieten. In einigen Ländern wird der Ruf über Lautsprecher an Moscheen oder Minaretten verbreitet.
Kein Platz für den Gebetsruf in Dänemark
“Der Gebetsruf sollte über dänischen Dächern nicht zu hören sein”, betonte Bodskov gegenüber Ritzau. “Er hat in Dänemark keinen Platz, und man sollte in keiner Weise zweifeln, ob man in einem Vorort von Islamabad gelandet ist, wenn man in Dänemark herumgeht.” Diese Aussage unterstreicht die ablehnende Haltung der Regierung gegenüber öffentlichen islamischen Religionspraktiken.
Bereits jetzt haben einige dänische Städte wie Kopenhagen solche Lautsprecherdurchsagen im Freien durch lokale Lärmschutzverordnungen eingeschränkt. Bodskov argumentiert jedoch, dass die “Islamisierung” in Dänemark – einem Land mit rund sechs Millionen Einwohnern, einer geschätzten muslimischen Bevölkerung von 270.000 (etwa fünf Prozent) und ungefähr 100 Moscheen – immer noch zu viel öffentlichen Raum einnehme.
Politischer Kontext und Wählerdruck
Der Vorschlag kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Ministerpräsidentin Mette Frederiksen ihre dritte Amtszeit antritt. Zuvor hatte ihre Sozialdemokratische Partei im März aufgrund von Wählerunmut über steigende Lebenshaltungskosten, Belastungen der Sozialsysteme und Migration ihr schlechtestes Wahlergebnis seit einem Jahrhundert erzielt. Die rechte Dänische Volkspartei konnte ihre Unterstützung unterdessen fast verdreifachen, nachdem sie einen Wahlkampf mit dem Ziel einer Netto-Null-Zuwanderung von Muslimen geführt hatte.
Frederiksen reagierte auf diese Entwicklungen, indem sie ihre Linie in Bezug auf islamische Sichtbarkeit im öffentlichen Leben verschärfte. Dazu gehören Forderungen, das bestehende Schleierverbot an Schulen und Universitäten auszuweiten und Gebetsräume von Universitätsgeländen zu verbannen. Bereits zuvor hatte ihre Regierung strengere Asylregeln befürwortet, sogenannte “Ghetto”-Gesetze erlassen, die sich auf Gebiete mit einem hohen Migrantenanteil konzentrieren, sowie Maßnahmen eingeführt, die es Behörden erlauben, Bewohner aus Nachbarschaften umzusiedeln, die als unzureichend integriert gelten.
Debatte zwischen Befürwortern und Kritikern
Befürworter des vorgeschlagenen Adhan-Verbots argumentieren, es schütze Dänemarks säkularen öffentlichen Raum und verhindere, dass islamische Praktiken die Klanglandschaft des Landes veränderten. Kritiker hingegen wenden ein, dass ein solches Verbot sich gegen eine einzelne Religion richte und möglicherweise gegen den verfassungsrechtlichen Schutz der öffentlichen Religionsausübung verstoße.
Diese Entwicklung ist Teil eines größeren Trends in Europa, wo viele Länder eine starke Gegenbewegung gegen Migration und öffentlich praktizierte islamische Bräuche erleben. Nationen wie die Niederlande, Belgien, Österreich, die Schweiz und Dänemark selbst haben in jüngster Zeit vollständige oder teilweise Verbote der Gesichtsverschleierung erlassen.
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