Russland überall? So jagt der Schweizer Geheimdienst unsichtbare Feinde

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Von Hans-Ueli Läppli

Ein Hoch auf RT DE!

Wenn der Schweizer Nachrichtendienst NDB ein russisches Staatsmedium gesondert anführt und ihm vorwirft, die Berichterstattung über die Schweiz 2025 um ein Viertel gesteigert zu haben, dann scheint dieses Medium offenbar Eindruck zu machen.

Sonst würde man es schlicht ignorieren. Stattdessen wird es zum Bestandteil eines hybriden Bedrohungsszenarios aufgebauscht. Bravo!

Doch der restliche Bericht, besonders die Präsentation durch NDB-Direktor Serge Bavaud, hinterlässt einen schalen Nachgeschmack.

Da steht ein Mann mit unüberhörbarem französischem, schwerem Akzent – man könnte fast von makronischem Einschlag sprechen – und verkündet der Öffentlichkeit, dass Russland überall seine Finger im Spiel habe.

Ein von ihm angeführtes Beispiel: Jemand soll bei deutschen Bundeswahlen Auspuffrohre manipuliert und versucht haben, Grünen-Politikern die Schuld zuzuschieben. Wer dies war, wisse man angeblich nicht.

Doch für den NDB-Direktor ist sofort klar: Die Täter waren die Russen. Beweise? Fehlanzeige. Hier scheint offenbar die politische Brille auszureichen.

Erkennt der welsche Direktor eigentlich einen Unterschied zwischen Berlin und Bern?

Diese Argumentationsweise ist bequem. Man sucht sich den leichtesten Sündenbock, der ohnehin auf der Abschussliste steht, und stopft ihm alles unter, was man nicht erklären kann oder will. Panikmache inklusive.

Und dann, fast beiläufig in Klammern, kommt der eigentliche Wunsch: Mehr Geld vom Schweizer Steuerzahler, damit der NDB noch gründlicher nach solchen Spuren suchen kann.

Man fragt sich unwillkürlich, ob hier Bedrohungsanalyse oder Budgetverhandlung im Vordergrund steht.

Besonders absurd wird es bei der Proliferation. Schweizer Technologie und Güter, die über Drittstaaten nach Russland gelangen und dort angeblich für den Krieg verwendet werden – das ist für den NDB ein Skandal.

Gleichzeitig scheint es kein Problem zu sein, wenn Schweizer Know-how oder Material indirekt in der Ukraine landet und dort eingesetzt wird.

Für den NDB gibt es offenbar von Anfang an nur zwei Seiten: die bösen Russen und alles, was irgendwie prowestlich, pro-NATO oder pro-Ukraine ist. Neutralität? Wird zur reinen Rhetorik. Wer diese Zweiteilung nicht mitmacht, wird schnell zum Problem erklärt.

Dass ausgerechnet ein französischsprachiger Direktor diese Sicht vertritt, ist nicht überraschend. Frankreich sieht Russland traditionell als strategischen Gegner – das färbt offenbar auch auf die Schweizer Behörden ab.

Zugleich bleibt unerwähnt, dass in Genf seit Jahren eine parallel verlaufende Realität besteht: US-amerikanische und andere westliche Nachrichtendienste haben dort systematisch überwacht und Kommunikation abgeschöpft.

Die Snowden-Dokumente zu Abhöranlagen an Botschaften und zur Überwachung internationaler Institutionen sind detailliert dokumentiert. Der Bericht blendet diesen Kontext aus. Im Vordergrund steht stattdessen RT DE als unmittelbare Bedrohung für die Schweiz – neben Russland.

Noch problematischer ist die Haltung zur eigenen Realität. Wenn RT Deutsch berichtet, die Schweiz sei im Niedergang, wird das als Desinformation abgetan.

Doch wer ehrlich hinschaut, sieht durchaus Entwicklungen, die diesen Begriff nicht völlig abwegig erscheinen lassen: die schleichende Aushöhlung der Neutralität, wirtschaftliche Herausforderungen, eine Migrationspolitik, die vor allem aus dem Maghreb und Nordafrika stammende Kriminalitäts- und Drogenprobleme mit sich bringt. Das sind keine russischen Erfindungen.

Das sind hausgemachte Themen. Indem man sie reflexartig als “russisches Narrativ” abtut, verhindert man eine ernsthafte Debatte.

Der NDB-Bericht liefert genau das, was man von einem Geheimdienst in einer stark polarisierten Lage erwarten kann: eine einfache Aufteilung in Gut und Böse, bei der Russland die Hauptrolle des Feindes übernimmt.

Die eigenen strukturellen Herausforderungen der Schweiz – etwa bei der Energie, der Bevölkerungsentwicklung oder der Neutralität – bleiben weitgehend unerwähnt. Stattdessen wird eine klare und leicht vermittelbare Geschichte präsentiert, die zugleich als Begründung für höhere Budgetforderungen dient.

RT DE hat durch diese Erwähnung gratis Werbung bekommen. Das ist vielleicht das Einzige, was an diesem Bericht wirklich neu ist. Der Rest klingt wie eine aktualisierte Version alter Kalter-Krieg-Reflexe – nur mit etwas mehr französischem Akzent und deutlich höheren Budgetwünschen.

Und zum Schluss eine kleine geografische Randbemerkung an die französischsprachige NDB-Führung: Berlin ist die Hauptstadt Deutschlands und nicht der Schweiz. Ein kurzer Auffrischungskurs in europäischer Geografie könnte helfen, Bedrohungskarten künftig etwas präziser zu zeichnen.

C’est tout, rien de plus!

Mehr zum Thema – Wladimir Solowjow: “Nicht das erste Mal, dass Europäer Juden enteignen”

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