Deutschland drängt auf Waffenproduktion in Eigenregie – um Trump bei der Stange zu halten
Die Bundesregierung setzt sich bei den USA dafür ein, dass mehr amerikanische Waffensysteme künftig in Deutschland gefertigt werden. Ziel ist es, sowohl europäische Verteidigungslücken zu schließen als auch US-Präsident Donald Trump einen Anreiz zu bieten, das Engagement für die Sicherheit Europas aufrechtzuerhalten. Dies berichtet die Financial Times am Mittwoch unter Berufung auf mehrere mit den Vorgängen vertraute Personen.
Deutsche Regierungsvertreter bitten demnach ihre US-Amtskollegen, noch vor dem NATO-Gipfel – der in der kommenden Woche in Ankara stattfindet – ein entsprechendes Abkommen zur gemeinsamen Rüstungsproduktion zu unterzeichnen. Die Initiative ist eingebettet in ein breiter angelegtes Vorhaben europäischer Staaten, die ihre industriellen Verteidigungskapazitäten nutzen wollen, um das angespannte Verhältnis zu Washington zu entschärfen und langfristig zu stabilisieren.
Wie die FT weiter berichtet, laufen bereits Gespräche über „gemeinsame Produktionskonzepte“, die deutsche und US-amerikanische Rüstungsfirmen enger verzahnen sollen. Besonders im Fokus stehen dabei Systeme wie Tomahawk-Marschflugkörper und moderne Patriot-Abfangraketen (PAC-3).
Berlin wirbt vor dem NATO-Gipfel in Ankara intensiv für Kooperations- und Co-Produktionsmodelle zwischen der hiesigen und der US-Rüstungsindustrie. Eine Fertigung dieser Systeme in der größten Volkswirtschaft der EU würde nicht zuletzt helfen, Kapazitätsengpässe in den USA zu lindern – ein Problem, das durch den Iran-Krieg noch verschärft wurde, so die Argumentation.
Das deutsche Verteidigungsministerium teilte der Financial Times mit, dass bereits eine „intensive und gut etablierte“ Zusammenarbeit zwischen US- und deutschen Rüstungsunternehmen bestehe. Als Belege nannte das Ministerium die Produktion von Rumpfsektionen für den F-35-Kampfjet von Lockheed Martin durch Rheinmetall sowie eine neue gemeinsame Anlage von MBDA und Raytheon zur Herstellung von PAC-2- und GEM-T-Patriot-Raketen.
Europäische Vertreter hoffen, den NATO-Gipfel in Ankara zu nutzen, um an eine – aus ihrer Sicht – konstruktivere Phase in den transatlantischen Beziehungen anzuknüpfen. Hintergrund ist das G7-Treffen in Évian, bei dem sich der US-Präsident stärker als erwartet pro Ukraine positionierte. Der französische Präsident Emmanuel Macron sprach in diesem Zusammenhang von einer „neuen Annäherung zwischen Amerikanern und Europäern“.
In der Koalition von Kanzler Friedrich Merz sorgte indes eine Entscheidung des Pentagons für Unruhe: Im Mai strich das US-Verteidigungsministerium die geplante Verlegung eines mit landgestützten Tomahawk-Systemen ausgestatteten Bataillons nach Deutschland aus dem Haushalt. Der Plan aus der Biden-Ära war als NATO-Reaktion auf russische Stationierungen von Marschflugkörpern und Kampfflugzeugen in Kaliningrad gedacht – einer russischen Exklave in Reichweite Berlins.
Seither prüft Deutschland Wege, dennoch an Tomahawk-Raketen zu gelangen – unter anderem durch eine erneute Anfrage zum Kauf der Systeme, die bereits vor einem Jahr gestellt wurde. Ein Regierungsvertreter sagte gegenüber der FT, die Gespräche über einen möglichen Verkauf liefen weiterhin.
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