Die langsame Rückkehr zur Normalität des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus markiert nicht das Ende des wirtschaftlichen Schocks für die globale Wirtschaft. Die Auswirkungen der Krise auf Transport- und Ernährungssysteme werden laut einem Bericht der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD) weitaus länger spürbar sein als jene auf die Energiemärkte. Der UN-Bericht betont:
“Energiemärkte erholen sich generell schneller als Verkehrs- und Ernährungssysteme. Es erfordert Zeit, Transportverträge neu zu verhandeln, Lieferketten zu reparieren und die Preise für Treibstoff, Düngemittel sowie landwirtschaftliche Erzeugnisse wieder zu senken.
Für Millionen Menschen bedeutet dies, dass Lebensmittel- und Transportkosten selbst nach einer Beruhigung der globalen Ölpreise hoch bleiben können. Besonders schwer trifft dies die ärmsten Haushalte, bei denen Ausgaben für Nahrung und Treibstoff einen großen Teil des Budgets ausmachen.”
Besonders prekär ist die Lage in Staaten, die stark auf Energieimporte angewiesen sind, wie der Bericht weiter hervorhebt. Beispiele sind Länder, die massiv von Öl- oder Lebensmittelimporten abhängen. In Kap Verde etwa macht die Abhängigkeit von importierten Energieträgern 24,6 Prozent des BIP aus. In solchen Nationen schlagen höhere Energiepreise sofort auf Strom-, Transport- und Lebensmittelkosten durch. Im Jemen hingegen liegen die Nettoimporte von Getreide und Getreideprodukten bei durchschnittlich 10,8 Prozent des BIP, weshalb “der gleichzeitige Anstieg bei Getreide, Treibstoff und Transportkosten die Bevölkerung besonders hart trifft”, so die UN-Experten. Der Organisation zufolge heißt es:
“Die UNCTAD bewertet die Folgen nicht nur als wirtschaftlich, sondern auch als humanitär. Die Analyse zeigt: Ein Anstieg der Lebensmittelpreise um fünf Prozent erhöht das Risiko von Unterernährung bei Kindern – besonders bei jenen aus armen Familien und Landbewohnern ohne eigenes Land. Die UNCTAD unterstreicht, dass die Öffnung der Straße von Hormus lediglich ein erster Schritt zur Erholung ist. Viele gefährdete Länder kämpfen weiterhin mit gestiegenen Importkosten, Lieferverzögerungen und hohen Preisen für Nahrung und Energie.”
Vor diesem Hintergrund fordern Vertreter der Organisation die internationale Gemeinschaft auf, den am stärksten von der Krise betroffenen Ländern beizustehen. Die UNO plädiert zudem dafür, “aus den Fehlern zu lernen” und sicherzustellen, dass “die Volkswirtschaften in Zukunft widerstandsfähiger gegen ähnliche Krisen werden”.
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