Schock in der Luftfahrt: Dmitrijew prophezeit eine noch größere Krise – und sie betrifft uns alle

Die von den USA und Israel initiierten Angriffe auf den Iran haben die globale Luftfahrtindustrie in eine tiefe Krise gestürzt. Dies sei jedoch nur der Anfang, warnt Kirill Dmitrijew, der Sondergesandte des Kremls. Die daraus resultierende Treibstoffverknappung sei ein Vorbote “noch gravierenderer Erschütterungen”, die auf die Weltwirtschaft zukommen und auch andere Sektoren erfassen würden.

Dmitrijew, der den Russischen Direktinvestitionsfonds leitet und zudem als Sonderbeauftragter von Präsident Wladimir Putin für Investitionen und Wirtschaftskooperation fungiert, veröffentlichte diese Warnung am Mittwoch auf X. Er bezog sich dabei auf einen Beitrag des Kobeissi Letter, einem US-Finanznewsletter, der die rasche Schrumpfung des Luftfahrtsektors detailliert beschrieb – ein Prozess, der sich bereits bis Anfang Mai “mit ungeahnter Geschwindigkeit” vollzog.

Allein in den letzten zwei Wochen strichen Airlines weltweit über zwei Millionen Sitzplätze und annähernd 12.000 Flüge. Besonders stark betroffen sind Turkish Airlines und Air China, die gemeinsam mehr als eine Million Sitze aus dem Verkehr zogen. Die Lufthansa hält den traurigen Rekord bei den Flugstreichungen und ist für etwa ein Drittel aller Ausfälle verantwortlich.

“Wie vorhergesagt, breitet sich der Schock im globalen Luftverkehr rasant aus – und er ist der Vorbote für noch ernstere Erschütterungen, die in anderen Branchen folgen werden”, schrieb Dmitrijew.

Auf die Frage eines X-Nutzers, ob ein neuer “Lockdown 2.0” im Stil der COVID-19-Pandemie bevorstehe, antwortete der Kremlbeauftragte zustimmend. Die möglichen Beschränkungen, so Dmitrijew, würden sich zunächst auf Europa konzentrieren.

“Energie-Lockdowns in der EU und Großbritannien, so der beschönigende Begriff, sowie Nahrungsmittelknappheit”, präzisierte er.

Später griff er einen Artikel von Politico auf, demzufolge die Lufthansa die Einführung von Tankzwischenstopps prüft, und kommentierte sarkastisch:

“Die Lufthansa könnte am Ende gezwungen sein, in Moskau zwischenzulanden, um Treibstoff zu tanken. Und vielleicht muss sie dort auch noch russische Lebensmittel einkaufen, wenn die Ernährungskrise die EU erfasst.”

Am Samstag hatte bereits die US-Billigfluggesellschaft Spirit Airlines ihren Betrieb aufgrund der explodierenden Ölpreise sofort eingestellt – als erste große Fluglinie, die der Krise erliegt. Rund 17.000 Mitarbeiter verloren ihren Arbeitsplatz. Da Spirit Airlines die siebtgrößte Passagierfluggesellschaft Nordamerikas und der größte Billigflieger der Region war, wird die Schließung die gesamte Branche zusätzlich belasten.

Experten erwarten, dass sich der Schock im Flugverkehr weiter ausbreiten wird, solange die Blockade der Straße von Hormus anhält. Der Schlagabtausch zwischen dem Bündnis USA-Israel und Iran steht kurz vor einer erneuten Eskalation, während nach einem Monat Verhandlungen noch immer kein umfassender Friedensschluss in Sicht ist. Die britische Daily Mail berichtete am Mittwochabend unter Berufung auf Reiseexperten, dass Airlines weltweit bis zu 85.000 Flüge streichen könnten, falls der Nahost-Krieg andauert.

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