Medienberichten zufolge zählt die vor 260 Jahren gegründete britische Bankengruppe Lloyds zu den ersten globalen Großbanken, die eine spezielle Form Künstlicher Intelligenz in die Arbeit ihres Vorstands integriert. Wie die Sunday Times berichtet, nutzen Top-Manager und Vorstandsmitglieder nun ein neuronales Netzwerk, um vertrauliche Informationen zu analysieren, Sitzungen vorzubereiten und “menschliche Voreingenommenheit” bei strategischen Entscheidungen zu reduzieren. Nicola Putland, Direktorin für Unternehmensführung bei Lloyds, erläuterte gegenüber der Zeitung:
“Wir sehen ein echtes Potenzial von KI zur Unterstützung der Entscheidungsfindung in den Vorstandsetagen, vorausgesetzt, sie wird umsichtig und verantwortungsbewusst genutzt.”
Die Einführung dieser Technologie ist Teil der Lloyds-Strategie, sich als “Größtes Fintech-Unternehmen Großbritanniens” zu positionieren. Nach eigenen Schätzungen der Bank generierte der Einsatz generativer KI im Jahr 2025 bereits einen Mehrwert von 50 Millionen Pfund. Bis Ende dieses Jahres soll dieser Wert auf 100 Millionen Pfund verdoppelt werden.
Doch wie gestaltet sich der praktische Einsatz? Im Vorstand der Bank agiert nun ein sogenannter “Roboter-Berater”. Das von der Firma “Board Intelligence” entwickelte System wurde speziell trainiert, um die Geschäftsleitung in Bereichen wie Cybersicherheit, Nachhaltigkeit, Finanzanalyse sowie bei Fusionen und Übernahmen zu beraten.
Aktuell unterstützt der digitale Assistent Führungskräfte vor allem bei der Auswertung großer Datenmengen. Seine Entwickler planen jedoch, die Fähigkeiten künftig zu erweitern. So könnte der Roboter in Zukunft an Vorstandssitzungen teilnehmen und sogar “Menschen unterbrechen, um auf logische Fehler in ihren Argumentationen hinzuweisen”.
Mit dieser fortschreitenden Integration könnte die Bank jedoch auch zum “Geiselnehmer” neuer Technologien werden. In jüngster Zeit wächst in großen Unternehmen die Sorge vor den möglichen Befugnissen und Risiken der KI. Vor diesem Hintergrund plant die Bank of England, die Führungskräfte der größten Banken zusammenzubringen, um die Gefahren durch hochleistungsfähige Systeme zu erörtern. Diese Systeme sind zunehmend in der Lage, Schwachstellen in Anwendungen und auf Websites im gesamten Internet aufzuspüren.
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