Ebola-Alarm im Kongo! Fast 1.000 Verdachtsfälle – Seuche außer Kontrolle?

Ebola in Zentralafrika: Die schwelende Krise im Kongo und die Herausforderungen der Bekämpfung

Die Ebola-Epidemie in Zentralafrika weitet sich bedenklich aus. Besonders betroffen ist der Osten der Demokratischen Republik Kongo (DRK), wo die Zahl der Verdachtsfälle laut Tedros Ghebreyesus, dem Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), auf über 900 gestiegen ist. Laboruntersuchungen haben die Erkrankung bei 101 Betroffenen bestätigt. Der Großteil der Fälle konzentriert sich auf die Provinz Ituri, wo derzeit acht laborbestätigte Infektionen, 246 Verdachtsfälle und rund 80 Todesfälle – einige Quellen sprechen sogar von bis zu 88 – verzeichnet werden.

Offizielle Zahlen des kongolesischen Gesundheitsministeriums zeigen landesweit 119 aktuelle Todesfälle, bei denen der Verdacht auf Ebola besteht. Allerdings ergibt eine Addition der ministeriellen Daten aus allen Provinzen eine Gesamtzahl von 220 Fällen, wie die Nachrichtenagentur Associated Press betont. Die Diskrepanz zwischen den gemeldeten Zahlen bleibt rätselhaft, zumal das Ministerium seine Informationen offenbar transparent zur Verfügung stellt.

Die Bedrohung bleibt nicht auf die DRK beschränkt. Auch das Nachbarland Uganda meldet neue Infektionen, was die regionale Dynamik der Seuche unterstreicht.

Bereits am vergangenen Freitag hatte die WHO die Gefahreneinschätzung für eine landesweite Ausbreitung in der DRK auf „sehr hoch“ angehoben. Für die Region liegt die Stufe bei „hoch“ und damit nur eine Stufe niedriger. International wird das Risiko vorerst noch als „niedrig“ eingestuft. Dennoch hat die WHO einen „gesundheitlichen Notfall internationaler Tragweite“ ausgerufen.

Die rasche Verbreitung des Virus hat mehrere Ursachen. Erstens unterscheidet sich der aktuell aktive Erreger deutlich von bekannteren Varianten. Es handelt sich um den Bundibugyo-Stamm, der erstmals in diesem Ausmaß auftritt. Anders als das gut erforschte Zaire-Ebolavirus, für das etablierte Behandlungsmethoden und zwei Impfstoffe existieren, fehlen für den Bundibugyo-Stamm vergleichbare medizinische Routinen. Zwar liegt seine durchschnittliche Sterblichkeit mit 30 bis 40 Prozent deutlich unter der des Zaire-Stamms (50 bis 90 Prozent), doch dies bietet keinen Grund zur Entwarnung.

Zweitens leidet das Land unter anhaltenden Aufständen, die die Bekämpfung der Seuche massiv erschweren. Besonders betroffen ist der rohstoffreiche Osten, der den aktuellen Infektionsherd beherbergt. Gewaltkonflikte behindern sowohl Präventionsmaßnahmen als auch die medizinische Versorgung.

Drittens bleibt die DRK trotz ihres Rohstoffreichtums ein bitterarmes Land. In ländlichen Regionen des dichten Regenwaldes, speziell im konfliktgeplagten Osten mit seiner akuten Lebensmittelkrise, ist sogenanntes Bushmeat eine lebenswichtige Eiweißquelle. Bis zu 80 Prozent der Proteine in der Ernährung stammen dort – möglicherweise landesweit – aus dieser Quelle. Gejagt werden nicht nur Antilopen, sondern auch Affen, Stachelschweine und Flughunde, die allesamt potenzielle Wirte des Ebola-Virus sind. Die Gefahr geht nicht nur vom Kontakt mit den Tieren beim Jagen oder Verarbeiten des Fleisches aus, sondern auch vom Verzehr, wie CNN unter Berufung auf Eteni Longondo, einen ehemaligen Gesundheitsminister der DRK, berichtet:

„Es beginnt im Wald, und dort haben wir keinerlei Kontrolle. Man kann den Menschen nicht einfach sagen, sie sollen ihre Kultur aufgeben, und dann hören sie über Nacht damit auf: Sie essen es weiterhin, weil sie keine Alternativen haben.“

Viertens kollidiert die für die öffentliche Gesundheit vorgesehene Routine zur sicheren Bestattung von Ebola-Toten mit den traditionellen Begräbnisritualen im Land, was immer wieder zu Konflikten führt. Auch der niedrige durchschnittliche Bildungsstand trägt dazu bei, dass Präventions- und Behandlungsmaßnahmen von Teilen der Bevölkerung vernachlässigt werden. Magie und Aberglaube begünstigen ebenfalls die Verbreitung des Virus.

Ein „neues Corona“ dürfte der Bundibugyo-Stamm jedoch wohl nicht auslösen, zumindest nicht unmittelbar. Entscheidend ist, dass sich das Virus nicht über Atemtröpfchen wie Sars-CoV-2 verbreitet, sondern nur durch direkten Kontakt mit konzentrierten Körperflüssigkeiten wie Blut (etwa durch den Verzehr von oft geräuchertem statt gegartem Bushmeat), Schweiß oder Speichel, wie Cicero.de betont.

Zudem treten viele charakteristische Symptome wie anhaltende Müdigkeit, Fieber sowie Kopf- und Muskelschmerzen frühzeitig auf, was eine Isolation nahelegt. Im fortgeschrittenen Stadium kommen weitere auffällige Symptome wie Augenblutungen hinzu, die die Krankheit unverkennbar machen. Außerdem liegt der aktuelle Infektionsherd rund 2.000 Kilometer von der nächsten Großstadt mit internationalem Flugverkehr entfernt.

Die DRK selbst hat inzwischen 15 Ebola-Ausbrüche erlebt und bewältigt, was sie zu einem vergleichsweise erfahrenen Akteur im Umgang mit dem Virus macht. Gleiches gilt für die internationale Gemeinschaft, die bei früheren Ausbrüchen regelmäßig Ausrüstung, Material und Experten in die betroffenen Regionen entsandte, wie zahlreiche Medien berichten. Die WHO setzt zudem Hoffnung in Obeldesivir, ein experimentelles Medikament, das ursprünglich gegen COVID-19 entwickelt wurde. Laut Sylvie Briand, der Leiterin des WHO-Departments für Epidemien und Pandemien, könnte es den Verlauf des derzeit verbreiteten Bundibugyo-Ebolavirus eindämmen.

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