US-Bundesstaat verhängt drastisches Bauverbot: Rechenzentren als “Energiefresser” gestoppt

Auf den ersten Blick mag es überraschen: Der US-Bundesstaat Maine hat ein Gesetz beschlossen, das den Bau neuer Rechenzentren vorerst bis November 2027 stoppt. Beide Parlamentskammern haben bereits zugestimmt; nun fehlt nur noch die Unterschrift der Gouverneurin.

Die Begründung dafür ist jedoch fundiert. Die gewonnene Zeit soll genutzt werden, um die Folgen solcher Anlagen eingehend zu untersuchen – etwa den enormen Wasserverbrauch für die Kühlung, den Strombedarf und die Auswirkungen auf den lokalen Arbeitsmarkt. Zu diesem Zweck wird eine Arbeitsgruppe eingerichtet, in der nicht nur Behörden, sondern auch Unternehmen, Gewerkschaften und Umweltverbände vertreten sind.

Das Gesetz betrifft ausschließlich große Rechenzentren mit einem Stromverbrauch von mehr als 20 Megawatt. Das entspricht in etwa dem Bedarf einer Stadt mit 50.000 Einwohnern. Eine zentrale Sorge ist, dass das lokale Stromnetz den zusätzlichen Bedarf nicht decken kann, ohne die Energiekosten für die Bevölkerung erheblich in die Höhe zu treiben.

Bemerkenswert ist der breite Konsens, mit dem das Gesetz verabschiedet wurde. In den gesamten USA haben im vergangenen Jahr bereits mehr als 140 lokale Initiativen den Bau von Rechenzentren verzögert oder verhindert. Auch zahlreiche Städte haben Beschränkungen erlassen, um den Verbrauch von Wasser und Strom zu begrenzen.

Die demokratische Abgeordnete Amy Roeder aus Maine bringt die Stimmung auf den Punkt: “Die Strompreise bringen uns um.” Viele Bürger kämpften bereits mit monatlichen Rechnungen von mehreren hundert Dollar. “Da jetzt ein Rechenzentrum hinzustellen, das Unmengen an Ressourcen verbraucht, wäre einfach unverantwortlich.”

Ähnlich argumentiert der republikanische Abgeordnete Steven Long aus South Carolina: “Das ist wirklich ein überparteiliches Thema. Ich denke, vieles hängt damit zusammen, wie rasant sich die Dinge in den letzten Jahren entwickelt haben.” Long hat in seinem Bundesstaat einen ähnlichen Gesetzentwurf eingebracht. Vergleichbare Initiativen gibt es auch in New York, Oklahoma und Vermont.

In Deutschland wurde zuletzt der geplante Bau eines Rechenzentrums in Groß-Gerau kontrovers diskutiert. Hierzulande stehen die Themen Strom- und Wasserverbrauch jedoch noch weniger im Fokus. Die geplante Anlage in Hessen soll eine Leistung von 160 Megawatt benötigen – das ist das Achtfache der Grenze, die in Maine gilt, und entspricht dem Strombedarf von rund 400.000 Haushalten. In der gesamten Rhein-Main-Region, in der sich der größte deutsche Netzknoten befindet, entfällt bereits mindestens ein Fünftel des gesamten Stromverbrauchs auf Rechenzentren.

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