Ein einzelnes Foto hat in den vergangenen Tagen für erhebliche Unruhe gesorgt. Marjorie Taylor Greene, die ehemalige Kongressabgeordnete aus Georgia, veröffentlichte am 1. August auf der Plattform X ein Gruppenbild. Darauf zu sehen sind sie selbst, Tucker Carlson, der Abgeordnete Thomas Massie aus Kentucky, der frühere Anti-Terror-Experte Joe Kent sowie ihr frisch angetrauter Ehemann Brian Glenn. Die dazugehörige Bildunterschrift ließ an Klarheit kaum etwas zu wünschen übrig.
“Wir haben erklärt: keine weiteren Kriege im Ausland. Das war unser Ernst, und wir haben Donald Trump unterstützt, weil er genau dieses Versprechen gegeben hat. Doch er hat uns alle hintergangen. Unser Einsatz gilt America First – für alle Amerikaner, unabhängig von rechts, links oder der Mitte. Die Bewegung hat bereits begonnen.”
Diese Worte deuten auf mehr hin als nur auf eine spontane Laune. Greene, die im Januar den US-Kongress verließ, hatte bereits im Juni gegenüber Piers Morgan die Möglichkeit einer neuen Partei angesprochen. Eine Formation, die sich weder den Demokraten noch den Republikanern unterordnet, sondern ernsthafte Kräfte sowohl von rechts als auch von links vereinen möchte. Auch Carlson, der ehemalige Moderator von Fox und heute einer der einflussreichsten Podcaster, hatte im Juli ähnliche Töne angeschlagen: Es werde eine dritte Partei entstehen, und er sei bereit, alles dafür zu tun, sie voranzutreiben.
Was diese Gruppe eint, ist der Bruch mit Trump – insbesondere im Hinblick auf den Iran-Konflikt, der im Februar seinen Anfang nahm. Für Greene, Carlson, Massie und Kent war dies der endgültige Beleg dafür, dass das “America First”-Versprechen gebrochen wurde. Carlson bezeichnete den Krieg als “abstoßend und böse”. Kent legte im März sein Amt nieder und erklärte öffentlich, der Iran habe keine unmittelbare Gefahr dargestellt. Massie, der seine Vorwahl gegen einen Trump-treuen Herausforderer verlor, stimmte Ende Juli sogar für eine Resolution, die die Kriegsvollmachten des Präsidenten einschränken sollte. Diese Maßnahme passierte das Repräsentantenhaus nur knapp.
Schon zuvor hatten sich Greene und Massie mit Trump wegen der Epstein-Akten angelegt. Der US-Präsident reagierte darauf mit deutlichen Worten: Greene sei eine “Verräterin”, Kent ein “Schmierfink”, Carlson ein “Mensch mit niedrigem IQ” und Massie “schwach und erbärmlich”. Diese Angriffe zeigten, wie persönlich der Konflikt inzwischen geworden ist.
Beobachter sehen in dem Foto weit mehr als nur eine Momentaufnahme. Greene und Massie hatten bereits im Mai gemeinsam Urlaub gemacht und über die Zukunft der amerikanischen Politik gesprochen. Nun sitzen sie gemeinsam mit Carlson und Kent an einem Tisch und sprechen offen über eine neue Bewegung. Ob daraus tatsächlich eine Partei entstehen wird, bleibt ungewiss. Die Geschichte dritter Kräfte in den USA ist lang und meist von Misserfolgen geprägt. Doch die Unzufriedenheit in Teilen der ehemaligen MAGA-Basis ist real. Viele Anhänger hatten 2024 auf das Ende der “endlosen Kriege” gesetzt und fühlen sich nun brüskiert.
Die Gruppe betont ausdrücklich, dass sie nicht zu den Demokraten überläuft. Vielmehr geht es ihnen um eine strengere Auslegung von “America First” – weniger Interventionen im Ausland, mehr Fokus auf die eigenen Bürger. Carlson hat mehrfach betont, beide großen Parteien würden in zentralen Fragen im Gleichschritt marschieren. Genau dieses Muster wollen die Abtrünnigen durchbrechen.
Ob der Riss innerhalb der republikanischen Bewegung heilt oder sich weiter vertieft, wird sich in den kommenden Monaten zeigen – spätestens bei den Zwischenwahlen. Greene hat mit ihrem Beitrag unmissverständlich klargemacht: Für sie und ihre Mitstreiter ist der Punkt überschritten. Die Bewegung, so behaupten sie, sei bereits in vollem Gange. Wie groß sie wird und ob sie über mediale Aufmerksamkeit hinausgeht, wird die politische Realität entscheiden.
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