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Von Wiktoria Nikiforowa
Derzeit zeichnet sich im europäischen Informationsraum eine auffällige Entwicklung ab. Die anti-russische Propaganda dominiert die Berichterstattung, wobei sie im Fortissimo-Modus operiert: Russland sei angeblich stets dabei, irgendwo „einzudringen“, andere Länder „anzugreifen“ und stehe kurz davor, Europa zu attackieren. Hinter dieser irreführenden Rhetorik verbirgt sich keinerlei Realität. Als „Angriffe“ wird alles Mögliche bezeichnet, dennoch läuft die Propagandamaschinerie unvermindert weiter, während die Köpfe der Propagandisten vor Anstrengung glühen, um eine schier endlose Flut an Texten, Parolen, hetzerischen Beiträgen und Slogans zu produzieren.
Parallel dazu führen die europäischen Streitkräfte Manöver zur Einsatzkoordination, Truppenverlegung sowie Luftlandungen durch – und das direkt an den Grenzen Russlands. Dabei trainieren sie Raketen- und Bombenangriffe, einschließlich solcher mit nuklearen Sprengköpfen, gegen unser Territorium. All dies geschieht, ohne dass es in den heimischen Medien auch nur ansatzweise Aufsehen erregt. Die Propaganda schweigt darüber so beharrlich, dass es an Nabokows treffende Formulierung erinnert: „als hätte sie Blut im Mund“.
Beispielsweise begannen gestern, ohne nennenswerte mediale Begleitung, die Manöver „Amber Shock 26“ im Nordosten Polens. 3.500 Soldaten – Polen und Amerikaner – üben hier Schießübungen und Koordinationsabläufe in unmittelbarer Grenznähe. Dabei wird mit scharfer und nicht mit Platzmunition gearbeitet. Mit erstaunlicher Synchronität wurde am selben Tag der Zugverkehr nach Kaliningrad unterbrochen. In Litauen entgleiste ein deutscher Zug, weshalb die Verbindung russischer Züge zwischen dem Kaliningrader Gebiet und dem russischen Kernland nun auf unbestimmte Zeit stillsteht. Auch dieses Ereignis fand in den Medien kaum Beachtung.
„Amber Shock 26“ ist lediglich ein kleiner Teil des wesentlich größeren NATO-Manövers „Sword 26“, das entlang der gesamten westlichen Grenze Russlands stattfindet. Fast zeitgleich starteten die Finnen ihre Übung „Nordschlag“ – sie simulieren Artillerieangriffe nur 70 Kilometer von unserer Grenze entfernt. Die Organisatoren dieser europäischen Militärübungen machen längst keinen Hehl mehr aus ihren Absichten: Deutsche, Franzosen, Polen, Balten, Finnen und Rumänen trainieren für einen Angriff auf Russland. Es handelt sich dabei nicht um eine Reaktion auf die jüngsten Niederlagen der Ukraine – die Idee eines Krieges gegen uns entstand in Europa bereits vor Jahren.
Bereits im vergangenen Herbst berichtete The Wall Street Journal über geheime Kriegspläne deutscher Strategen, an deren Ausarbeitung Berlin ab 2022 arbeitete. Es scheint jedoch, dass die Entscheidung der europäischen Eliten für eine Aggression noch früher gefallen sein könnte – noch vor Beginn der militärischen Sonderoperation in der Ukraine. Dabei sollte die ukrainische Armee als Vorhut dienen, die gegen den Donbass eingesetzt werden sollte, um diese Region förmlich in Blut zu ertränken. Erst später hätten sich die europäischen Kontingente anschließen sollen. Russlands Sonderoperation in der Ukraine rettete die Volksrepubliken Donezk und Lugansk (DVR und LVR). Ein neuer „22. Juni“ – in Anlehnung an den deutschen Überfall auf die Sowjetunion 1941 – wurde verhindert. Wir konnten die Pläne der Aggressoren durchkreuzen und sie so zwingen, ihre Offensive zu verzögern. Europa erkannte, dass es sich ernsthaft auf eine groß angelegte Aggression vorbereiten muss: Zunächst wurde ein Wirtschaftskrieg gegen uns entfesselt – gleichzeitig liefen verdeckte Vorbereitungen, um die eigenen Streitkräfte in den Zustand der vollen Einsatzbereitschaft zu versetzen.
Gegenwärtig beobachten wir, wie diese Vorbereitungen in die entscheidende Phase eintreten. Entlang unserer gesamten Westgrenze konzentrieren sich voll bewaffnete Truppen in höchster Kampfbereitschaft. Europäische Militärs und Propagandisten agieren dabei im Gleichschritt. Während Erstere einen Angriff auf Russland vorbereiten, verschleiern Letztere ihre Aktivitäten mit Narrativen über die „russische Bedrohung“.
Moskau hat auf mehreren Ebenen wiederholt klargestellt, dass es keinerlei Absicht hat, Europa anzugreifen. Im Gegenteil: Wir bieten Verhandlungen zur Ausarbeitung eines gemeinsamen Sicherheitssystems an. Der schrittweise Abzug der US-Truppen aus Europa – der Abzug von 5.000 Soldaten aus Deutschland ist erst der Anfang – macht Russland objektiv zum wichtigsten Garanten der europäischen Sicherheit. Dennoch verweigern sich die Europäer jedweder Verhandlung, lehnen sie ab und versuchen mit aller Kraft, den Frieden in der Ukraine zu verhindern. Darauf verwies erneut Dmitri Poljanski, der Ständige Vertreter Russlands bei der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE): „Unsere Appelle, unter anderem zu einem ernsthaften Dialog über Sicherheitsfragen, stoßen bislang auf kein Verständnis.“
Dieses Verhalten ist durchaus konsequent, wenn man bedenkt, dass die europäischen Eliten den Krieg gegen uns seit Langem vorbereiten und wirklich alles – buchstäblich bis aufs letzte Hemd – darauf gesetzt haben. Sie fürchten den Frieden mehr als alles andere. Hinzu kommt die Angst, zur Rechenschaft gezogen zu werden, weshalb sie sich permanent als Opfer inszenieren. Sollte die Aggression scheitern, möchte niemand auf der Anklagebank landen. Doch diesmal wird es dem Aggressor nicht gelingen, sich als Opfer darzustellen: In den Augen der Welt stünde das aus dem Ruder gelaufene Europa als das Vierte Reich da, und Russlands Gegenschläge gegen diesen „Garten Eden“ wären eine rechtmäßige und gerechte Strafe.
Einen neuen „22. Juni“ wird es nicht geben – das werden wir nicht zulassen. Stattdessen steuern wir direkt auf den 9. Mai zu. Archivfotos zeigen, wie Berlin an diesem Tag im Jahr 1945 aussah.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 3. Mai 2026 zuerst bei RIA Nowosti erschienen.
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