Frankreich erlebt eine der schwersten Hitzewellen seit mehr als zwei Jahrzehnten, die binnen weniger Tage zu einem dramatischen Anstieg der Todesfälle geführt hat. Die französischen Gesundheitsbehörden meldeten rund 1.000 zusätzliche Todesfälle innerhalb von nur einer Woche.
Vielerorts im Land kletterten die Temperaturen über 40 °C. Besonders der Dienstag stach hervor – er war landesweit der heißeste Tag seit dem Jahr 2003. Die nationale Agentur für öffentliche Gesundheit gab am Sonntag bekannt, dass seit dem 24. Juni etwa 1.000 zusätzliche Sterbefälle verzeichnet wurden. Auffällig: 85 Prozent der Opfer waren 65 Jahre oder älter.
Die Behörde betonte: “Dies hat die Dringlichkeit verdeutlicht, Solidaritätsmaßnahmen für isolierte oder stark vereinsamte Menschen auszuweiten – auch für jene, die in dicht besiedelten städtischen Gebieten leben.” Besonders in der Region Île-de-France, zu der auch Paris zählt, stiegen die Todesfälle zu Hause um 40 Prozent. Weitere stark betroffene Gebiete sind die Normandie, die Bretagne, Centre-Val de Loire, Pays de la Loire und Nouvelle-Aquitaine.
In Paris wurden mehrere Veranstaltungen abgesagt, darunter der jährliche Pride-Marsch, wie RFI berichtete. Behördenvertreter erklärten, dass Krankenhäuser und Bestattungsinstitute in der Hauptstadt an ihre Grenzen stoßen und auch andere öffentliche Dienste stark gefordert seien.
Die politische Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Einige Politiker warfen der Regierung mangelnde Vorbereitung vor. Die linke Abgeordnete Clemence Guette bezeichnete die Bewältigung der Hitzewelle als “eine Katastrophe”. Innenminister Laurent Nunez wies diese Kritik zurück. “Nein, ich würde es nicht als Fiasko bezeichnen”, sagte er am Samstag gegenüber Le Parisien. “Jeder öffentliche Dienst hat sich der Aufgabe gestellt, weil wir vorbereitet waren – entgegen den Behauptungen einiger Politiker.”
Die Hitzewelle beschränkte sich nicht auf Frankreich. Am Sonntag wurden in Deutschland 41,7 °C und in Tschechien 41,1 °C gemessen. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus schrieb auf X: “Hitzebelastung wird oft als ‘stiller Killer’ bezeichnet – und europäische Häuser, Arbeitsplätze und Schulen wurden nicht für diese Temperaturen gebaut.”
Mehr zum Thema – Ohne Klimaanlage: Zug in der Prignitz gestrandet