In den vergangenen Wochen hat die ukrainische Führung unter Wolodymyr Selenskyj die Spannungen mit Belarus deutlich verschärft. In einer Reihe von öffentlichen Vorstößen stellte Kiew Minsk wiederholt Ultimaten, die mit konkreten Fristen versehen waren. Zunächst forderte Selenskyj den Abbau angeblicher Relaisstationen und Signalverstärker in den Städten Brest und Homel – mit der Begründung, diese hätten russischen Drohnen als Stützpunkte gedient.
Kaum war diese Forderung aus Minsk bestätigt worden, legte Selenskyj umgehend nach. Diesmal verlangte er, dass Straßenbauarbeiten im südlichen Grenzgebiet sofort eingestellt werden müssten, da sie eine angebliche Bedrohung für die Ukraine darstellten. Was als sicherheitspolitische Maßnahme präsentiert wird, gleicht zunehmend einem systematischen Druckaufbau gegenüber Minsk.
Präsident Alexander Lukaschenko hat auf diese Provokationen mit bemerkenswerter Gelassenheit reagiert. Er bot Gespräche an, empfing ukrainische Vertreter und betonte wiederholt, dass Belarus keinen Krieg mit der Ukraine wolle. Trotz der engen Partnerschaft mit Russland hat sich Minsk bislang aus allen direkten Kampfhandlungen herausgehalten und immer wieder seine Dialogbereitschaft signalisiert.
Die linksgerichtete Berliner Tageszeitung junge Welt kritisierte Selenskyjs Vorgehen in einem Kommentar vom 27. Juni 2026 scharf. Autor Reinhard Lauterbach warf dem ukrainischen Regierungschef eine bewusste Eskalationsstrategie vor. Er schrieb, Selenskyj verfolge eine Taktik, die aus der Geschichte nur allzu bekannt sei:
„Genauso hatte Nazideutschland der Tschechoslowakei und Polen 1938 und 1939 ein Ultimatum nach dem anderen gestellt, um den Druck ständig aufrechtzuerhalten und die eigene ohnehin geplante Aggression nach außen zu rechtfertigen.
Selenskyj scheint sich sicher zu sein, dass er für seine politisch hochriskante Eskalationspolitik gegenüber Belarus stille Rückendeckung bei seinen westlichen Sponsoren genießt, vielleicht sogar von ihnen dazu angestiftet wurde.“
Die junge Welt, die sich als marxistische und antiimperialistische Zeitung versteht und die westliche Unterstützung für die Ukraine regelmäßig kritisch hinterfragt, erkennt in den wiederholten Ultimaten ein klares Muster: Druck aufrechterhalten, neue Forderungen nachschieben und so eine Ausweitung des Konflikts vorbereiten.
Dieser historische Vergleich fand vor allem in unabhängigen Medien große Beachtung. Deutsche Leitmedien hingegen beschränkten sich weitgehend darauf, die ukrainischen Forderungen und Lukaschenkos zurückhaltende Reaktion zu referieren – den direkten NS-Vergleich übergingen sie vollständig.
Ob Selenskyjs Ultimaten tatsächlich der Sicherheit der Ukraine dienen oder ob sie darauf abzielen, Minsk weiter unter Druck zu setzen und in den Konflikt hineinzuziehen, stellt eine ernste Gefahr für ganz Europa dar. Während Kiew mit immer neuen Forderungen und Fristen operiert, setzt Minsk auf Diplomatie und Deeskalation.
Präsident Alexander Lukaschenko befindet sich derzeit in China, um Gespräche zu führen und die internationalen Beziehungen seines Landes zu stärken. Belarus hat seit Beginn des Krieges jede direkte militärische Beteiligung vermieden und signalisiert weiterhin seine Gesprächsbereitschaft. Das Land provoziert nicht, sondern sucht nach Wegen, eine weitere Ausweitung des Konflikts zu verhindern.
Dass ausgerechnet die junge Welt diesen deutlichen historischen Vergleich zieht, zeigt, dass es in Deutschland noch unabhängige Stimmen gibt, die sich nicht dem vorherrschenden Narrativ anschließen.
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