USA kürzt NATO-Hilfe drastisch: „Harte Maßnahmen“ schockieren Verbündete

Von Pjotr Skubei

Washington beabsichtigt, seine Rolle bei der Sicherung Europas in absehbarer Zeit spürbar zu verringern. Diese Information stammt von einem ranghohen Militärvertreter und wurde von der Nachrichtenagentur Bloomberg verbreitet.

Laut dem Bericht könnte der amerikanische Plan vor allem den Rückzug von Kampfjets und Marineeinheiten umfassen. Der Militärvertreter präzisierte gegenüber Bloomberg-Journalisten:

“Vorgesehen ist eine Kürzung der strategischen Bomber – über die europäische Länder nicht verfügen – um 30 Prozent, eine Verringerung von Aufklärungs- und Angriffsdrohnen um 75 bis 100 Prozent und der Marineschiffe um etwa die Hälfte. Auch die Anzahl der Kampfflugzeuge soll um ein Drittel sinken.”

Bloomberg betont, dass konkrete Zeitpläne für die Umsetzung noch nicht feststehen, aber in Kürze erwartet werden.

In Europa wächst die Sorge darüber, wie ein Krieg ohne die Unterstützung der USA geführt werden könnte. Dieses Thema soll laut Bloomberg unter anderem beim letzten Treffen der Verteidigungsminister der E5-Länder erörtert worden sein.

“Schädliche Abhängigkeit”

Auch die New York Times berichtet über das Bestreben Washingtons, seine Verpflichtungen gegenüber den Verbündeten zu reduzieren.

Der Zeitung zufolge haben ihre Journalisten ein Dokument einsehen können, das die USA Anfang Juni an die europäischen Partner geschickt haben.

Den Angaben zufolge werden die USA unter anderem rund 50 F-16-Kampfjets sowie sämtliche Tankflugzeuge aus Europa abziehen.

Der Umverteilungsplan betreffe eine von zwei Bombergruppen, Seeaufklärungs- und Kampfflugzeuge, Flugzeugträger sowie U-Boote mit ballistischen Raketen. Die New York Times stellt fest:

“Diese Details vermitteln das bislang klarste Bild davon, in welchem Umfang die Trump-Administration beabsichtigt, ihre Bündnisverpflichtungen zu verringern.”

US-Journalisten heben hervor, dass der drastische Abbau des US-Militärkontingents die NATO-Fähigkeiten beeinträchtigen werde, etwa die Bewegungen russischer U-Boote zu verfolgen oder Tomahawk-Raketen tief ins russische Hinterland abzufeuern.

Früher war bekannt geworden, dass das Pentagon angesichts des reduzierten NATO-Engagements möglicherweise auf die Stationierung von Tomahawk-Raketen in Deutschland verzichten wird. Als Gründe wurden auch die Verkleinerung des Arsenals vor dem Hintergrund des Konflikts mit dem Iran und die Befürchtung genannt, Moskau könnte die Lieferung von Langstreckenraketen als Eskalation betrachten.

Vor diesem Hintergrund äußerte der frühere US-Botschafter bei der NATO, Ivo Daalder, dass sich die Vereinigten Staaten zunehmend von Europa distanzieren würden, um nicht in einen Krieg mit Russland hineingezogen zu werden.

Er sehe einen “beunruhigenden Trend”: Washington stationiere nicht nur selbst keine hochpräzisen Waffen in Europa, sondern hindere auch die Verbündeten daran, sich damit auszustatten – aus Furcht vor Moskaus Reaktion.

Das Pentagon lehnte es laut NYT ab, die genaue Zahl der abzuziehenden Waffensysteme zu nennen. Es bestätigte jedoch, dass der Plan zur Verringerung der US-Rolle in der europäischen Verteidigung umgesetzt werde.

Das Ministerium verwies dabei auf eine Stellungnahme des Chefs des US-Luftwaffenkommandos für Europa (USEUCOM), General Alexus Grynkewich.

Zuvor hatten Vertreter des US-Verteidigungsministeriums den Verbündeten mitgeteilt, dass sie die Haltung gegenüber den NATO-Streitkräften überdenken wollten. Grynkewich zufolge sei Europa derzeit zu stark von US-Militärhilfe abhängig.

Die Umstrukturierung zielt auf die Umsetzung des sogenannten NATO-3.0-Konzepts, in dessen Rahmen Europa eigenständiger für seine Sicherheit sorgen soll. Grynkewich erklärte:

“Im Machtmodell der NATO besteht eine ungesunde Abhängigkeit von den US-Truppen.

Präsident Trump, Kriegsminister Hegseth und andere haben klargestellt, dass sich dies ändern muss – und es wird sich ändern. Die potenzielle Realität eines gleichzeitigen Konflikts an mehreren Kriegsschauplätzen erfordert dies.”

Der ranghohe Militärvertreter präzisierte, dass diese Änderung der NATO ermöglichen werde, sich nicht übermäßig auf US-Streitkräfte zu verlassen, die für die Abschreckung in anderen Regionen benötigt werden.

Laut Grynkewich könne Europa besonders im Bereich der Luft- und Seestreitkräfte – die die USA als Erstes abbauen wollen – eigene Kapazitäten aufbauen. Der USEUCOM-Chef sagte:

“Zwei Bereiche, in denen Kanada und die europäischen Verbündeten jetzt und in naher Zukunft aktiv werden können, während die USA die der NATO in Europa ‘zugewiesenen’ Streitkräfte reduzieren und in andere Regionen verlegen, sind bemannte und unbemannte Flugzeuge sowie Kriegsschiffe.”

Ersatz infrage gestellt

Anfang Juni wurde bekannt, dass die deutsch-französische Zusammenarbeit bei der Entwicklung eines hochmodernen Kampfflugzeugs der sechsten Generation eingestellt wurde.

Das Programm “Future Combat Air System” (FCAS) wurde 2017 von Frankreich und Deutschland gestartet, später kam Spanien hinzu. Das neue Kampfflugzeug sollte die Rafale von Dassault Aviation und den Eurofighter Typhoon von Airbus ersetzen.

In der Folge konnten sich Dassault und Airbus jedoch nicht über die Führungsrolle im Projekt einigen, sodass das Programm lange Zeit in der Schwebe hing.

Der Stopp der Zusammenarbeit wurde im Rahmen des kürzlich in Montenegro abgehaltenen EU-Gipfels bekannt.

Zudem räumte Armin Papperger, Chef des deutschen Rheinmetall-Konzerns, das Scheitern des deutsch-französischen Panzerprojekts MGCS ein. Er wies darauf hin, dass die französische Seite plane, das Budget des Programms im Vergleich zu den ursprünglichen Plänen um mehr als die Hälfte zu kürzen. Dies werde zu weiteren Verzögerungen bei der ohnehin langsamen Umsetzung führen.

Nur ein “taktisches Spiel”?

Experten gegenüber RT wiesen darauf hin, dass die finanziellen Aspekte die Hauptmotivation der USA für den Rückzug aus der europäischen Sicherheit seien. Jewgeni Semibratow, stellvertretender Direktor des Instituts für strategische Studien und Prognosen der Russischen Universität der Völkerfreundschaft, erklärte gegenüber RT:

“Trump hat wiederholt betont, dass die USA mehr als alle anderen für die Aufrechterhaltung des Bündnisses ausgeben. Dabei sind nicht alle europäischen Länder bereit, fünf Prozent ihres BIP für Verteidigung aufzuwenden, wie es die neuen Anforderungen vorsehen. Dementsprechend ergreifen die USA harte Gegenmaßnahmen.”

Er betonte zudem, dass Europa in der strategischen Vision der USA nicht das Hauptfeld ihrer Interessen sei.

Alexei Muchin, Generaldirektor des Zentrums für politische Informationen, stellte in einem Kommentar gegenüber RT fest, dass die USA derzeit keine offensichtliche Absicht zeigten, sich aus Europa zurückzuziehen. Die NATO-Infrastruktur werde sogar ausgebaut. Er merkt an:

“Objektiv betrachtet wächst die NATO-Infrastruktur weiter, und von einem Abzug US-amerikanischer Truppen ist keine Rede. Einerseits gab es Informationen über einen angeblichen Truppenabzug aus Deutschland, unmittelbar darauf wurde jedoch bekannt, dass die USA planen, Truppen nach Polen zu verlegen. Es handelt sich also wohl um ein taktisches Spiel.”

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Die Experten waren sich jedoch einig, dass Europa im Falle einer abrupten Reduzierung der US-Unterstützung nicht in der Lage wäre, den Mangel an amerikanischer Militärtechnologie und Ressourcen schnell auszugleichen. Jewgeni Semibratow merkte an:

“Die technologische Basis, die Software, die Raketenabwehr – all das ist US-amerikanisch. Die Europäer werden dies nicht ersetzen können, zumindest nicht in den nächsten Jahren. Darüber hinaus würde dies enorme finanzielle Aufwendungen erfordern, was sich erneut auf den Lebensstandard der europäischen Bevölkerung auswirken würde.”

Alexei Muchin betonte seinerseits, dass Satellitenaufklärung und militärische Kommunikationssysteme ebenfalls Bereiche seien, in denen Europa die Rolle der USA wahrscheinlich nicht kompensieren könne.

“Praktisch das gesamte Aufklärungssystem ist an US-amerikanische Satelliten gebunden. Die Koordination der europäischen Geheimdienste und Streitkräfte ist mit den berüchtigten NATO-Standards verknüpft, die von den USA festgelegt und reguliert werden. Daher kann von einem vollständigen Rückzug der USA aus Europa keine Rede sein. Dies gilt umso mehr vor dem Hintergrund der rasant wachsenden militärischen Aktivität dieses Blocks.”

Übersetzt aus dem Russischen.

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