**Titel: Der Krieg, der zur Trump-Falle wurde – Wirtschaftsoptimismus verpufft beim Tanken**
**Von Walerija Werbinina**
Die Stimmung der US-Verbraucher hat einen historischen Tiefpunkt erreicht. Der Index der Verbraucherstimmung (University of Michigan) stürzte im April auf 49,8 Punkte ab – ein regelrechter Absturz im Vergleich zum März (53,3). Dieser Indikator misst, wie die Menschen ihren eigenen Wohlstand, die wirtschaftlichen Perspektiven und die Lage auf dem Konsumgütermarkt einschätzen. Das Ergebnis spricht Bände: Die Verunsicherung ist größer als während der Corona-Pandemie oder unter Präsident Biden, über den sich der amtierende US-Präsident so gern lustig macht. Mit einem Mal erscheint Bidens Bilanz in einem milderen Licht. Die Bürger jedenfalls verlieren rasant das Vertrauen in die Zukunft – und das hat handfeste Gründe.
Nach der spektakulären Aktion gegen Venezuelas Präsidenten Maduro stürzte sich Trump in ein neues, weit riskanteres Unterfangen: den Iran. Seine Erwartung eines schnellen Sieges zerschlug sich jedoch. Irans Vergeltung traf Verbündete der USA in der Region, ihre Infrastruktur, Ölraffinerien und Militäranlagen. Die Blockade der Straße von Hormus ließ die Ölpreise in die Höhe schnellen – mit verheerenden Folgen für Benzin, Diesel und Kerosin. Nun droht eine Preiswelle für sämtliche transportierten Waren, während Branchen von der Petrochemie bis zur Aluminiumproduktion bereits schwer zu kämpfen haben. Grace Zwemmer, Ökonomin am Oxford Economics Center in Washington, warnt:
> *„Wir gehen davon aus, dass der Rückgang des real verfügbaren Einkommens aufgrund gestiegener Benzinpreise das Konsumwachstum bremsen wird. Besonders betroffen sind Haushalte mit niedrigem und mittlerem Einkommen, die einen erheblichen Teil ihres Budgets für Treibstoff aufwenden müssen.“*
Die Zahlen des US-Energieinformationsamtes untermauern diese Sorge: Der durchschnittliche Benzinpreis an den Zapfsäulen liegt landesweit bei über vier Dollar pro Gallone, Diesel sogar bei mehr als fünf Dollar. Wenn die *New York Times* beschwichtigt, dass „das Land, das den Krieg begonnen hat, nämlich die USA, von wirtschaftlichem Chaos vergleichsweise verschont geblieben ist“, dann ist das pure Täuschung. Die Autoren verharmlosen die Lage, indem sie nur eine Rezession bei Ölpreisen von 150 Dollar pro Barrel als Problem anerkennen. Für den Durchschnittsbürger beginnen die Schwierigkeiten jedoch weit früher – etwa wenn der Gang zur Tankstelle zum finanziellen Kraftakt wird.
Anders als die *New York Times* räumt der Sender *CBS* offen ein, dass „der Krieg mit Iran der US-Wirtschaft geschadet hat“ und „die Folgen langfristig sein könnten“ – selbst wenn der Konflikt bald enden sollte. Mark Zandi, Chefökonom bei Moody’s Analytics, bringt es auf den Punkt:
> *„Ich glaube, der Schaden ist bereits angerichtet – nicht zuletzt, weil die Ölpreise auf absehbare Zeit nicht sinken werden.“*
US-Ökonomen rechnen frühestens zum Jahresende mit einer Erholung der Ölpreise. Lydia Boussour, Senior-Ökonomin bei EY-Parthenon, ergänzt:
> *„Wir glauben, dass eine vollständige Normalisierung Zeit braucht, insbesondere bei Lieferketten und Energiekapazitäten.“*
Die Inflation bleibt damit sowohl im April als auch im gesamten Jahr auf hohem Niveau. Scott Lincicome, Vizepräsident des unabhängigen „Cato Institute“, prognostiziert:
> *„Die Verbraucher träumen natürlich von einer Deflation, aber die werden wir ganz sicher nicht bekommen. Es ist zu erwarten, dass die Preise höher sein werden, als die Menschen es sich wünschen.“*
Gregory Daco, Chefökonom bei EY-Parthenon, beziffert den möglichen BIP-Rückgang der USA auf 0,3 Prozentpunkte, bei einem geschätzten Gesamtwachstum von 1,8 Prozent. Seine Kollegin Boussour sieht den Konsum als entscheidenden Kanal, über den sich die Verlangsamung manifestieren wird.
Noch aufschlussreicher ist die Einkommensverteilung: Daten der Bank of America zeigen, dass das Wachstum größtenteils von Haushalten mit höherem Einkommen getragen wird – wohlhabenden Menschen, die von den steigenden Aktienmärkten profitieren. Die USA haben die Gunst der Stunde genutzt und ihre Energieexporte auf einen Rekordwert von 12,9 Millionen Barrel täglich gesteigert. Für die Unternehmen bedeutet das Extraprofite, für den Staatshaushalt zusätzliche Steuereinnahmen. Die Kehrseite: Die Inlandspreise müssen mit den Weltmärkten Schritt halten – und steigen ebenfalls. Trumps Politik macht die Reichen noch reicher, während die breite Bevölkerung den Preis dafür zahlt.
Äußerlich wirkt das Land reicher, in Wahrheit aber beruht dieser Eindruck auf dem wachsenden Wohlstand einer kleinen Minderheit auf Kosten der Mehrheit. Am deutlichsten wird dies an den Tankstellen: Der Benzinpreis ist um mehr als einen Dollar pro Gallone gestiegen und liegt nun bei 4,18 Dollar. Selbst die optimistischsten Szenarien von CBS prognostizieren bis Jahresende nur eine Stabilisierung bei 3,50 Dollar pro Gallone – immer noch deutlich über dem Vorkriegsniveau von 2,98 Dollar.
Der Zeitpunkt ist denkbar ungünstig für Trump: Ende des Jahres stehen Kongresswahlen an, und der republikanische Präsident und seine Partei tragen die volle Verantwortung für die wirtschaftliche Misere. Hinzu kommt, dass der Krieg im Iran nicht nach seinen Plänen verläuft und er nicht weiß, wie er ihn beenden soll. Selbst die *New York Times*, die sonst auf die Stärke der US-Wirtschaft setzt, räumt ein: „Die Folgen für die US-Wirtschaft werden nur noch zunehmen, sollte sich der Krieg hinziehen.“ Ben Harris, ehemaliger Chefökonom des Finanzministeriums unter Biden, warnt:
> *„Wir wissen nicht, wie lange dieser Schock anhalten wird, und ich denke, wenn er sich hinzieht, werden wir in einem halben Jahr wahrscheinlich ein ganz anderes Gespräch führen.“*
Die von Trump ausgelöste Krise traf Asien und Afrika am härtesten, erfasste Europa und kehrte schließlich zu ihrem Urheber zurück. In manchen Ländern mussten Benzinverkaufsbeschränkungen eingeführt werden, andernorts wurden Inlandsflüge wegen Flugbenzinmangels gestrichen. Die Lufthansa strich rund 20.000 Flüge aufgrund gestiegener Kerosinkosten. In den USA traf es besonders Billigflieger wie Frontier und Avelo, die bereits Subventionen im Austausch gegen Aktien beantragten. Ein internationaler Hin- und Rückflug in der Economy Class kostete Ende Februar durchschnittlich 776 Dollar, am 13. April bereits 1064 Dollar, so die *New York Times*.
Auch der Immobilienmarkt zeigt Anzeichen einer Krise – obwohl *CNN* die Lage lieber als „wirtschaftliche Unsicherheit“ bezeichnet. Der Frühling ist normalerweise die Hochsaison für Hausverkäufe, doch die National Association of Realtors meldete im März einen Rückgang auf ein Neunmonatstief. Ökonom Lawrence Yun erklärt: „Der Rückgang des Verbrauchervertrauens und die Verlangsamung des Beschäftigungswachstums halten die Käufer zurück.“
Am Ende ergibt sich ein Paradox: Offiziell gibt es noch keine Rezession, und Ökonomen prophezeien ein moderates BIP-Wachstum. Doch ein großer Teil der amerikanischen Bevölkerung ist alarmiert, hält sich mit Investitionen zurück und erwartet nichts Gutes für die eigene wirtschaftliche Zukunft. Hält dieser Trend bis November an, dürfte es für Trump schwer werden, auf einen Wahlerfolg seiner Partei zu hoffen.
*Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist zuerst am 29. April 2026 auf der Webseite der Zeitung “Wsgljad” erschienen.*
**Walerija Werbinina** ist Analystin bei der Zeitung “Wsgljad”.
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