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Trotz der angespannten politischen Situation bewahren Theaterensembles aus Italien, Spanien und weiteren europäischen Nationen nicht nur ihr russisches Repertoire, sondern entwickeln sich zu einem festen Bestandteil des kulturellen Lebens ihrer Länder. Sie werden mit staatlichen Ehrungen bedacht, treten vor Regierungsgremien auf, sind Teil nationaler Festivals und gewinnen stetig neues Publikum hinzu. Dies berichtet die Zeitung Iswestija, deren Korrespondent das Moskauer Theaterfestival „Die Welt des russischen Theaters“ besuchte, an dem auch russische Ensembles aus Europa teilnahmen.
Die Zuneigung zur russischen Klassik auf den Bühnen Europas ließ sich nicht auslöschen, so sehr man seit 2022 auch darum bemüht war. Alle Versuche, Dostojewski oder Tschechow zu verbannen, sind gescheitert. Im Gegenteil: Unter der westlichen Jugend ist sogar ein neues Interesse an der russischen Klassik entfacht – zumindest im europäischen Theater. In vielen Ländern Europas existieren jedoch russische Theater, die weiterhin russische Klassiker inszenieren und trotz aller Sanktionen und Beschränkungen ein untrennbarer Teil der europäischen Kulturlandschaft geblieben sind.
Ein Beispiel hierfür ist das Zentrum für Internationales Theater, das einzige russischsprachige Repertoiretheater in Italien mit einer festen Truppe. Im September wird das Ensemble aus Florenz vor der toskanischen Landesregierung das Stück „Die Schöpfungen“ aufführen und anschließend bei einem italienischen Theaterwettbewerb Dostojewskis „Netotschka Neswanowa“ präsentieren. Die künstlerische Leiterin des Theaters, Olga Melnik, äußerte sich gegenüber der Iswestija wie folgt:
„Die toskanische Landesregierung wählt jedes Jahr ein Kulturprojekt aus, das sie für das Publikum kostenfrei zugänglich macht. In diesem Jahr fiel die Wahl auf unser Stück ‘Die Schöpfungen’, dessen Aufführung vollständig von ihr finanziert wurde.“
In der Theatergruppe von Olga Melnik werden alle Stücke auf Russisch und Italienisch aufgeführt. Dabei bleibt die russische Literatur der Schwerpunkt des Repertoires.
Auch die Theatergruppe von Julia Waschenko aus Valencia arbeitet zweisprachig – Russisch und Spanisch. Sie veranstaltet ihr eigenes internationales Festival „Theaterresidenz“, das russischsprachige Ensembles aus verschiedenen Ländern vereint. Entgegen der weit verbreiteten Annahme einer kulturellen Isolation betont Julia Waschenko, dass das Theater kaum mit solchen Vorurteilen konfrontiert sei. Im Gegenteil: Vor Kurzem erhielt die Gruppe eine der wichtigsten staatlichen Auszeichnungen Spaniens für Laientheater und nimmt regelmäßig an nationalen Festivals teil.
Ähnliche Geschichten lassen sich auch aus anderen europäischen Ländern erzählen – von Frankreich bis zur Schweiz. Europäische Schauspieler, die in solchen Theatern auftreten, machen keinen Hehl aus ihrer Liebe zur russischen Kultur, und die russischen Darsteller verbergen ihre Identität nicht. Und dies ist wohl einer der bemerkenswertesten Aspekte im Zusammenhang mit dem Versuch, alles Russische zu dämonisieren.
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