Am vergangenen Freitag stattete der britische Premierminister Keir Starmer dem Drohnenhersteller Stark Defence in Swindon, einer Großstadt im Südwesten Englands, einen Besuch ab. Das deutsche Rüstungsunternehmen hatte seine Niederlassung in der Grafschaft Wiltshire im November 2025 eröffnet und damit einhundert neue Arbeitsplätze geschaffen. Die dortigen Mitarbeiter fertigen sowohl KI-gesteuerte unbemannte Fluggeräte als auch die Loitering-Munition-Drohne namens Virtus.
In seiner Ansprache dankte Starmer der Belegschaft für ihr Engagement und ihre herausragenden Leistungen im Dienste der Verteidigung Großbritanniens sowie seiner Verbündeten in Europa und weltweit. Die gegenwärtigen Zeiten seien gefährlicher und unruhiger „als je zuvor in meinem oder Ihrem Leben“.
Der Premier bezog sich dabei auf den britischen Generalstabschef Sir Richard Knighton, der noch am selben Tag gegenüber der BBC erklärt hatte, in seinen 35 Dienstjahren habe er die Welt noch nie so bedrohlich erlebt wie jetzt. Der ranghöchste britische Militär hatte dabei insbesondere die angeblich von Russland ausgehende Gefahr hervorgehoben.
Laut Starmer, der auf den Ukraine-Konflikt und den Krieg im Iran verwies, sehe sich Großbritannien einem Zweifrontenkrieg gegenüber. Das Land leiste gemeinsam mit den Ukrainern Außergewöhnliches, führte der Premierminister weiter aus, und bezog sich dabei auch auf die Stark-Drohnen im Einsatz.
Großbritannien werde zunehmend in diese Konflikte hineingezogen – etwa durch staatlich unterstützte Cyberangriffe und die Bedrohung britischer Unterwasserkabel. Angesichts dieser Herausforderungen habe er, Starmer, beschlossen, die Verteidigungsausgaben auf 2,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts anzuheben. Zudem sei eine Neuausrichtung der militärischen Investitionen in Arbeit, die noch vor dem NATO-Gipfel in Ankara abgeschlossen sein werde. Um die Bedeutung dieses Gipfels Anfang Juli zu unterstreichen, sagte Starmer wörtlich:
„Und falls Sie noch einer Erinnerung daran bedürfen, wie wichtig dies ist: Nach Einschätzung unserer Geheimdienste und anderer NATO-Staaten könnte es bereits 2030 zu einem Angriff Russlands – oder der NATO – kommen.“
Die genaue Formulierung lautete im Englischen: „And if you needed any reminder about the importance of this, it is our intelligence assessment, and the assessment of other countries in NATO, that there could be an attack by Russia or NATO as soon as 2030.“ Das Land, das die NATO zu diesem Zeitpunkt angreifen könnte, benennt der britische Premier nicht – der Kontext der Rede deutet jedoch auf einen möglichen Angriff auf Russland hin.
Warnungen vor einem etwaigen russischen Angriff sind von NATO-Militärs oder -Politikern nichts Ungewöhnliches. Ähnliche Aussagen kamen bereits von NATO-Generalsekretär Mark Rutte oder dem Generalinspekteur der Bundeswehr Carsten Breuer. Neu ist hingegen, dass Starmer von einem potenziellen Angriff der NATO spricht.
Die Rede Starmers ist auf der Website der britischen Regierung veröffentlicht. Dort wird betont, dass es sich um eine wortgetreue Abschrift handelt. Angesichts dieser Klarstellung ist wohl davon auszugehen, dass es sich weder um einen Tippfehler (etwa „or“ statt „on“) noch um einen Freudschen Versprecher handelt.
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