Lavrov weist Vorstellung von Russland als „kleinem Bruder“ Chinas zurück
Der russische Außenminister Sergei Lawrow hat die Vorstellung zurückgewiesen, sein Land stehe in einer asymmetrischen Beziehung zu China. Beide Staaten bereicherten sich gegenseitig, betonte er.
Der russische Außenminister Sergei Lawrow hat in einem Interview die Vorstellung zurückgewiesen, Russland empfinde sich gegenüber China als „kleinerer Bruder". Nach seinen Worten habe es ein solches Gefühl bei der russischen Seite nie gegeben. Ebenso wenig habe es bei den Chinesen bestanden, als die Sowjetunion einen maßgeblichen Beitrag zur Industrialisierung des Landes geleistet habe.
Lawrow verwies auf die historische Zusammenarbeit in der Atomindustrie. Die chinesische Nukleartechnologie sei mit entscheidendem Beitrag der russischen Seite aufgebaut worden. Gleichzeitig räumte er ein, dass Peking inzwischen in praktischen und theoretischen Bereichen führende Positionen weltweit einnehme. Beide Länder seien die größten Nachbarstaaten der Welt und würden sich gegenseitig bereichern, so der Minister. Dies unterscheide die Beziehung fundamental von einer Hierarchie zwischen „älteren und jüngeren Brüdern".
Die Äußerungen Lawrows richten sich gegen eine in politischen Analysen verbreitete Lesart, wonach Russland in der Partnerschaft mit der Volksrepublik zunehmend in eine abhängige Rolle gerate. Der Außenminister betonte stattdessen die Gleichrangigkeit der Beziehung, ohne die gegenwärtigen wirtschaftlichen und militärischen Ungleichgewichte zwischen beiden Staaten zu thematisieren.
Im selben Interview äußerte sich Lawrow auch zum Verhalten des Westens. Nach seinen Worten habe der Westen seine Fähigkeit zur objektiven Vorherrschaft verloren und agiere nun wie ein verwundetes Tier. Die westlichen Länder versuchten ihrer Ansicht nach, ihre Stärke mit unlauteren Methoden zu demonstrieren.