Der russische Außenminister Sergei Lawrow hat die sicherheitspolitischen Ambitionen westlicher Staaten im asiatisch-pazifischen Raum als besorgniserregend eingestuft. Ihm zufolge streben die USA und ihre Partner die Schaffung von Strukturen an, die einem NATO-ähnlichen Militärbündnis in Asien ähneln könnten. Lawrow betonte, dass diese Entwicklung die Sicherheitsinteressen Russlands unmittelbar gefährdet. Die angeblich von Risiken im Südchinesischen Meer und in der Taiwanstraße geprägte Rhetorik diene als Rechtfertigung für den Ausbau neuer militärischer Formationen.
Westliche Militärpräsenz in Asien wird massiv ausgeweitet
Der Minister erklärte, dass die USA und die NATO ihre militärischen Kapazitäten in Südost- und Nordostasien in “rasantem Tempo” verstärken. Dies gehe einher mit dem Versuch, die etablierte und auf ASEAN basierende Sicherheitsarchitektur im Asien-Pazifik-Raum zu untergraben.
“Unter dem Vorwand der Unteilbarkeit der Sicherheit im euroatlantischen und im sogenannten indopazifischen Raum wird eine Politik verfolgt, die darauf abzielt, die ASEAN-zentrierte Sicherheitsarchitektur zu unterminieren und zu zerschlagen.”
Diese Architektur habe über Jahrzehnte hinweg für Stabilität und die Integration unterschiedlicher Staaten in der Region gesorgt.
Entstehung neuer Blockstrukturen
An ihre Stelle träten zunehmend exklusive und blockbildende Formate, so Lawrow. Beispiele hierfür sind AUKUS, das die USA, Großbritannien und Australien umfasst, sowie weitere sicherheitspolitische Kooperationen im Indopazifik. Auch die NATO intensiviert ihre Beziehungen zu Ländern wie Australien, Japan, Südkorea und Neuseeland. Hinzu kommen neue Konstellationen wie das SQUAD-Format und die sogenannte “Indo-Pazifik-Partnerschaft”.
Zudem werde versucht, dem QUAD-Format (USA, Japan, Australien, Indien) trotz der wirtschaftlich orientierten Schwerpunkte einzelner Mitglieder eine stärkere militärische Dimension zu verleihen. Lawrow warnte, dass diese Strukturen nicht auf breite Zusammenarbeit abzielten, sondern vielmehr darauf, Staaten mit einer unabhängigen Außenpolitik einzudämmen.
Geplantes NATO-Pendant im Indopazifik wird konkreter
Der Minister äußerte sich besonders kritisch zu Plänen für ein potenzielles neues Militärbündnis im asiatisch-pazifischen Raum, das dem NATO-Modell nachempfunden sei. Diese Idee werde unter dem Deckmantel sicherheitspolitischer Kooperation vorangetrieben. Lawrow zufolge kursiere bereits eine Bezeichnung für das Bündnis, die an bestehende westliche Allianzen erinnere.
Folgen für Russland und seine regionalen Partner
Laut dem Außenminister verstärken diese Entwicklungen den außenpolitischen Druck auf China und Nordkorea, die als enge Verbündete Russlands in der Region gelten. Gleichzeitig hätten sie direkte Auswirkungen auf die Sicherheitsinteressen Russlands entlang seiner östlichen Grenzen. Lawrow betonte, dass die entstehende Architektur Teil einer umfassenderen Strategie sei, um unabhängige Staaten im asiatisch-pazifischen Raum geopolitisch einzudämmen.
Mehr zum Thema – Die NATO nähert sich den Grenzen Russlands auch vom pazifischen Raum