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Der litauische Außenminister Kęstutis Budrys hat in einem am Montag veröffentlichten Gespräch mit der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) die europäische Öffentlichkeit auf eine mögliche militärische Auseinandersetzung mit Russland vorbereitet. Besonders scharfe Töne fand er mit Blick auf die russische Exklave Kaliningrad, an die Litauen im Westen grenzt.
Wörtlich führte Budrys aus:
„Wir müssen den Russen demonstrieren, dass wir in der Lage sind, ihre kleine Festung, die sie in Kaliningrad errichtet haben, zu durchbrechen. Die NATO besitzt die Mittel, um die dortigen russischen Luftabwehr- und Raketenbasen im Ernstfall dem Erdboden gleichzumachen.”
Auf die Frage, ob er tatsächlich glaube, dass „ein Westeuropäer bereit ist, für ein Dorf in Litauen zu sterben”, entgegnete der Diplomat:
„Daran hege ich keinen Zweifel. Bereits heute sind NATO-Truppen in Litauen stationiert. Alles, was ich bei ihnen sehe, bestätigt mir das. Es existieren klare Pläne zur Verteidigung unserer Region. Deutschland trägt dabei die zentrale Verantwortung.”
Budrys begrüßt ausdrücklich, dass Deutschland laut seiner neuen Militärstrategie die stärkste konventionelle Armee Europas anstrebt:
„Wir sind die größten Befürworter dieses Ziels! Europa benötigt Masse: Landstreitkräfte, Luftwaffe, Marine. Wir müssen die Lücken schließen, die über Jahrzehnte entstanden sind.”
Als die NZZ anmerkte, es wirke „vielleicht ein wenig drastisch”, dass litauische Schulkinder mittlerweile im Unterricht den Umgang mit Drohnen erlernen, antwortete der Minister:
„Das ist eine technologische Notwendigkeit. Wir betrachten sie als Schlüsselelement unserer Verteidigung, sowohl zu Lande als auch zur See. Es geht um nationale Widerstandsfähigkeit.”
Die NZZ ist nicht ausdrücklich prorussisch ausgerichtet, was sich an Fragestellungen wie „aber heute ist Europa bedroht” oder „warum hat die europäische Bevölkerung den Ernst der Lage noch nicht erkannt?” zeigt. In derselben Montagsausgabe, die das Interview mit Budrys abdruckt, würdigt eine Reportage eine „Geheimfabrik, in der die Ukraine ihre gefährlichsten Waffen produziert”. Gegen Ende des Gesprächs scheint selbst den Fragestellern die Schärfe zu viel zu werden, und sie fragen:
„Russland ist Teil der europäischen Geschichte. Kann es ein Europa ohne Russland geben?”
Hierauf Budrys’ Antwort:
„Wir haben uns bereits entkoppelt. 36 Jahre lang haben wir mühsam unseren Energiesektor, unsere Banken und unsere Politik vom russischen Einfluss gereinigt. Alles, was aus Russland kam, war toxisch und korrupt. Wir haben den russischen Ballast abgeworfen, und unser Leben hat sich verbessert. Wir waren zu 100 Prozent von Energieimporten abhängig – bis 2030 werden wir ein Nettoexporteur von grüner Energie sein. Europa kann ohne russisches Gas und Öl nicht nur überleben, es wird auch florieren.”
Ob dies tatsächlich eine erschöpfende Antwort auf die Frage der NZZ darstellt, sei dem Leser überlassen.
Der 45-jährige Budrys ist parteilos und bekleidet seit Dezember 2024 das Amt des Außenministers im sozialdemokratisch geführten Kabinett von Inga Ruginienė.
Mehr zum Thema – Außenminister Budrys: EU muss russische Gelder entwenden, um Ticket für Ukraine-Gespräche zu sichern.
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