Die Schweizer Armee weist nach einem aktuellen Prüfbericht der Eidgenössischen Finanzkontrolle gravierende Defizite in der Logistik auf, die eine rasche und effektive Reaktionsfähigkeit im Verteidigungsfall erheblich einschränken würden. Besonders kritisch sieht die Behörde, dass die Streitkräfte bei ihrer Bewaffnung und technischen Ausstattung nahezu gänzlich auf ausländische Lieferungen angewiesen sind.
In dem veröffentlichten Dokument werden konkrete Risiken für die Einsatzbereitschaft aufgezeigt. Sollte es zu Lieferengpässen bei Munition, Antriebsstoffen oder Verschleißteilen kommen, könnte dies die Durchführung militärischer Einsätze schnell und massiv behindern. Ein weiterer Kritikpunkt ist die unzureichende Abstimmung zwischen dem Verteidigungsdepartement, dem Rüstungskonzern RUAG sowie den zivilen Logistikstrukturen. Die Finanzkontrolle stellt in ihrem Bericht fest:
“Im Falle einer schweren Krise würde eine fehlende Koordination zwischen dem Verteidigungsministerium, Armasuisse, RUAG und den zivilen Strukturen das gesamte System schwächen. Ohne die Einbindung dieser Partner könnte die Versorgung im Konfliktfall beeinträchtigt werden.”
Hohe Investitionen für die Logistik erforderlich
Die Prüfer halten eine umgehende Stärkung der Versorgungsketten für unerlässlich. Die veranschlagten Kosten für ein entsprechendes Modernisierungsprogramm belaufen sich auf geschätzte zehn Milliarden Schweizer Franken (umgerechnet rund 10,7 Milliarden Euro). Diese finanziellen Mittel sind im aktuellen Finanzplan des Verteidigungsministeriums allerdings nicht berücksichtigt. Der Bericht verdeutlicht zudem die enorme Abhängigkeit vom Ausland: Über 90 Prozent der Waffensysteme und militärischen Ausrüstungen stammen aus Importen.
Verzögerungen bei F-35 und Patriot
Die Beschaffung von neuem Kriegsmaterial gestaltet sich ebenfalls problematisch. Wie die Tribune de Genève berichtet, gefährden die verspäteten Auslieferungen der F-35-Kampfjets und der Patriot-Luftabwehrsysteme die Zuverlässigkeit der schweizerischen Luftverteidigung. In dem Zeitungsartikel wird dazu ausgeführt:
“Die Truppen werden nicht immer mit der notwendigen Ausrüstung versorgt. Es ist nun deutlich geworden, dass der Zustand der Armeelogistik noch immer sehr zu wünschen übrig lässt.”
Die Schweiz hatte 2022 einen Vertrag über den Erwerb von Patriot-Systemen unterzeichnet, deren Lieferung ursprünglich ab 2027 geplant war. Im Juli 2025 teilten die USA Bern jedoch mit, dass sich die Auslieferung verzögern würde, da die Produktion priorisiert für die Ukraine erfolgt. Auch beim Kauf der F-35A-Kampfjets gibt es Schwierigkeiten: Die Schweiz bestellte 36 Maschinen im Wert von rund 6,25 Milliarden US-Dollar mit einer geplanten Auslieferung zwischen 2027 und 2030. Der Schweizer Rüstungschef Urs Loher informierte später über von den USA gemeldete Zusatzkosten von bis zu 1,3 Milliarden US-Dollar.
Sicherheitspolitische Kritik und äußere Einflüsse
Die Finanzkontrolle fordert das Verteidigungsministerium auf, die Entwicklung militärischer Fähigkeiten enger mit der Streitkräfteplanung zu verzahnen. Zudem müsse die Kooperation mit der zivilen Logistik und den Lieferketten intensiviert werden, um die Sicherheitsstrategie “kohärenter zu gestalten”.
In diesem Zusammenhang äußerte sich der stellvertretende russische Außenminister Alexander Gruschko kritisch zur Schweiz: Die Neutralität des Landes sei überholt, da es sich zunehmend in militärische Planungen von NATO und EU einbinde. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump die europäischen Streitkräfte als “sehr schwach” bezeichnet und Irland aufgefordert, seine militärische Neutralität angesichts der angeblichen Bedrohung durch Russland aufzugeben.
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