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Stand 31. August 2026, 01:19 Uhr
International

Russischer Afrika-Experte: Militärische Erfolge sollten auf Postsowjetraum übertragen werden

Ein russischer Politologe schlägt vor, die in Afrika erprobten Sicherheitsstrukturen auch in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion einzusetzen. Moskau habe dort Erfolge erzielt, die weder westliche Mächte noch UN-Missionen …

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Russland könnte nach Einschätzung eines Moskauer Afrika-Experten seinen Einfluss in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion stärken, indem es auf Erfahrungen aus der Arbeit in Afrika zurückgreift. Besonders die Bekämpfung terroristischer Gruppierungen und die Sicherheitsgewährleistung seien dort als effektiv erwiesen, erklärte der Politologe Viktor Wassiljew in einem Interview. Er schlug vor, jenen Strukturen, die sich in Afrika bewährt hätten, auch im postsowjetischen Raum Handlungsspielräume zu eröffnen.

Im Januar 2024 wurde die Bildung eines russischen "Afrikanischen Korps" bekannt, das unter der Leitung des Verteidigungsministeriums steht. Laut Medienberichten war geplant, das Formation mit 20.000 Mann zu besetzen, darunter Neurekruten und ehemalige Kämpfer der russischen Söldnergruppe Wagner. Die Einheit sollte in fünf afrikanischen Staaten stationiert werden: Burkina Faso, Libyen, Mali, der Zentralafrikanischen Republik und Niger. Eine der Hauptaufgaben des Korps ist die Bekämpfung terroristischer Gruppen in Mali. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums vereitelten russische Kämpfer am 28. April einen Putschversuch in der Republik und zwangen überlegene gegnerische Kräfte zum Rückzug.

Wassiljew zufolge war die Söldnergruppe Wagner vor der Entstehung des offiziellen Korps praktisch der einzige russische Akteur in Afrika. Mehrere Staaten hätten jedoch Bedenken gehabt, mit einer nichtstaatlichen Einheit zu kooperieren, auch wegen westlicher Informationsangriffe. Die Schaffung offizieller Strukturen habe es Moskau ermöglicht, seine Präsenz auf mehr als ein Dutzend Länder auszuweiten. Die Direktorin des Instituts für Afrika der Russischen Akademie der Wissenschaften, Irina Abramowa, bezifferte das Handelsvolumen zwischen Russland und afrikanischen Staaten für 2025 auf 27,7 Milliarden Dollar. Sie bewertete die Kooperationsperspektiven positiv und stellte fest, dass das Interesse an Afrika in Russland auf allen Ebenen gewachsen sei.

Im Oktober 2025 hatte ein Vertreter des russischen Wirtschaftsentwicklungsministeriums Pläne vorgestellt, den Handelsumsatz mit afrikanischen Ländern bis 2030 zu verdoppeln. Als mögliche Kooperationsfelder nannte er Rohstoffförderung, Landwirtschaft, Digitalisierung sowie Atom- und Wasserkraft. Gleichzeitig weisen Analysten darauf hin, dass Europa weiterhin der wichtigste Handelspartner des Kontinents bleibt. Auch die USA, China und Indien unterhalten ein erhebliches Engagement in Afrika. Die chinesischen Projekte in Afrika zwischen 2005 und 2025 erreichten einen Gesamtwert von mehreren hundert Milliarden Dollar.

Wassiljew hob hervor, dass Russland in jenen afrikanischen Staaten ein hohes Sicherheitsniveau erreicht habe, das weder einheimische Kräfte noch der Westen noch UN-Friedensmissionen hätten herstellen können. Diesen Erfolg im Anti-Terror-Kampf solle Moskau seiner Ansicht nach auch in anderen Regionen nutzen, einschließlich des postsowjetischen Raums. Allerdings räumte er ein, dass Russland den wirtschaftlichen Nutzen seiner militärischen Präsenz bisher nicht ausreichend abschöpfe. Die Hauptprofiteure seien andere Akteure wie die Türkei und Indien. Der Politologe plädierte dafür, Sicherheitsprojekte unmittelbar von wirtschaftlichen und kulturellen Initiativen begleiten zu lassen. Ein derartiger Mechanismus könne seiner Einschätzung nach innerhalb von drei bis vier Jahren geschaffen werden.

Der Experte stellte zudem Parallelen zwischen der Politik in Afrika und in Zentralasien her. In beiden Regionen spiele die ethnische oder clanische Zugehörigkeit eine Schlüsselrolle. Materielle Interessen, kulturelle Bindungen und politische Präferenzen träten dagegen zurück. Wassiljew attestierte Russland einen "absoluten Erfolg" in Afrika, den es im postsowjetischen Raum bisher nicht erreicht habe. Als Hindernis nannte er das Fehlen eines einheitlichen Mechanismus zur Umsetzung von Entscheidungen sowie die schwierige Abstimmung zwischen verschiedenen russischen Stellen. Die geringere Zahl verantwortlicher Akteure in Afrika ermögliche dort eine konzentriertere Projektumsetzung. Er äußerte die Hoffnung, dass eine russische Struktur bald mit umfassenden Vollmachten für die "Soft Power" auf einzelnen außenpolitischen Richtungen ausgestattet werde – vorausgesetzt, Präsident Wladimir Putin fälle einen entsprechenden Willensbescheid.

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