Die landgestützten Präzisionsraketen der US-Streitkräfte sind durch die Kampfhandlungen gegen den Iran nahezu vollständig aufgebraucht. Diese Information stammt von mehreren mit der Angelegenheit vertrauten Personen, die sich gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters äußerten.
Bereits seit April weisen diverse Medienberichte und unabhängige Expertenanalysen, unter anderem des Center for Strategic and International Studies (CSIS), auf erhebliche Engpässe bei hochentwickelter US-Munition hin. Die Folge ist nicht nur eine geschwächte Offensivkraft des Pentagons, sondern auch eine stark beanspruchte Flugabwehr. Die US-Regierung selbst widerspricht diesen Darstellungen regelmäßig und versichert, die eigenen Munitionsbestände seien vollkommen ausreichend.
Nach Angaben von Reuters haben die Kämpfe gegen den Iran insbesondere die Vorräte an Boden-Boden-Raketen des Typs Army Tactical Missile Systems (ATACMS) und der neueren Precision Strike Missiles (PrSM) nahezu leer gefegt. Zwei der zitierten Quellen beziffern den Anteil der bereits eingesetzten Waffen auf „praktisch alle”.
Auch wenn das Ausmaß der Verknappung bei den älteren ATACMS neu ist, wird die geringe Verfügbarkeit der PrSM bereits seit einigen Wochen thematisiert. Diese modernen Raketen, die die veralteten ATACMS ersetzen sollen, waren zunächst ohnehin nur in begrenzter Stückzahl vorhanden: Das Pentagon orderte vor dem Haushaltsjahr 2024 gerade einmal 130 Einheiten und stockte für 2025 um weitere 250 auf. Wie viele davon tatsächlich ausgeliefert wurden, bleibt unklar. Zudem kam die neue Rakete ohne vollständigen Testzyklus im Iran-Konflikt zum Einsatz.
US-Heeresminister Pete Hegseth wies die Berichte umgehend als unzutreffend zurück. Auf der Plattform X kritisierte er insbesondere einen Artikel von CNN, in dem eine Quelle von einem Verbrauch von fast 80 Prozent der „Schlüssel-Raketenabwehrsysteme” sprach.
„Dieses Banner ist NICHT WAHR, CNN. Schäm dich”, schrieb er.
Bereits Mitte April hatte ein Offizier der US-Armee zugegeben, dass eine mit PrSM ausgerüstete Einheit ihr komplettes Kontingent früh in den Kampfhandlungen aufgebraucht habe. Das CSIS veröffentlichte später im selben Monat eine Analyse, nach der die USA ihre Vorräte an kritischer Munition im Iran-Krieg gefährlich verringert hätten. In den ersten sieben Wochen seien mindestens 45 Prozent der PrSM-Raketen, fast die Hälfte der Patriot-Abfangraketen und über 50 Prozent der THAAD-Abwehrsysteme (Terminal High Altitude Area Defense) verbraucht worden.
Auch die New York Times und das Wall Street Journal berichteten Ende letzten Monats, Präsident Donald Trump habe wegen der schwindenden Luftabwehrraketen einen weiteren großen Angriff auf den Iran aufgeschoben. Trump selbst hat diese Darstellungen ebenfalls kategorisch zurückgewiesen und darauf bestanden, dass die USA über „bei weitem mehr Munition als jeder andere auf der Welt” verfügten – „mehr, als wir überhaupt benötigen”.
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