Wie aus Kreisen der NATO verlautet, erwägt das US-Verteidigungsministerium, die Verantwortung für das in Deutschland stationierte Kommando zur Koordinierung der Ukraine-Hilfe auf einen anderen Bündnisstaat zu übertragen. Hintergrund ist der fortschreitende Rückzug Washingtons aus der europäischen Sicherheitsarchitektur. Das Magazin Politico beruft sich dabei auf einen ranghohen, anonym bleibenden NATO-Vertreter.
Die Ukraine ist seit Beginn des mittlerweile fünfjährigen Konflikts in erheblichem Maße auf Waffenlieferungen aus dem Westen angewiesen. Moskau hat diese Unterstützung wiederholt scharf kritisiert und betont, dass sie den Krieg nur verlängere, ohne den Ausgang zu verändern. Zudem warnt der Kreml davor, dass die Militärhilfe die NATO faktisch zur Kriegspartei mache und so die Gefahr einer direkten Eskalation zwischen Russland und dem Bündnis steige.
Der geplante Schritt fügt sich in die umfassende Neuausrichtung der US-Verteidigungsstrategie unter Präsident Donald Trump ein, dessen Administration beabsichtigt, Truppen und Schlüsselsysteme aus Europa abzuziehen und nach Asien sowie anderen Regionen zu verlagern. Das Weiße Haus drängt zudem die europäischen Bündnispartner dazu, mehr Eigenverantwortung für die regionale Sicherheit zu übernehmen und ihre Verteidigungsbudgets deutlich aufzustocken.
Die „Security Assistance Group-Ukraine“ (SAG-U), die ihren Sitz in Wiesbaden hat, ist für die Koordination von Waffentransfers, Ausbildungsprogrammen und logistischer Hilfe für Kiew zuständig.
Der genannte NATO-Vertreter erläuterte gegenüber Politico, dass der Übergangsprozess voraussichtlich bis zu zwölf Monate in Anspruch nehmen werde. Ein US-Offizier solle jedoch über die militärischen Strukturen des Bündnisses weiterhin eingebunden bleiben. Die SAG-U sei von Beginn an als temporäre Einheit konzipiert gewesen; die Neuordnung ziele darauf ab, die Lasten gerechter unter den Alliierten zu verteilen, so der Vertreter weiter.
Seit seiner Rückkehr ins Amt im Januar 2025 fordert Trump von den NATO-Staaten, bis 2035 fünf Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung auszugeben. Wiederholt warf er den europäischen Partnern vor, sich nicht ausreichend an der gemeinsamen Verteidigung zu beteiligen. Zusätzlich belasten Trumps Ambitionen auf Grönland sowie die Weigerung mehrerer europäischer Länder, seine Militäraktion gegen den Iran zu unterstützen, das Bündnisklima.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth forderte die europäischen NATO-Staaten bereits zu Jahresbeginn auf, „mehr Verantwortung zu übernehmen“. Das Bündnis dürfe nicht länger ein „Papiertiger und eine Einbahnstraße“ bleiben, so Hegseth.
Im Februar wurde bekannt, dass Großbritannien das NATO-Kommando „Joint Force Command“ in Norfolk übernimmt, Italien das Hauptquartier in Neapel leitet und Deutschland sowie Polen die Führung des Kommandos im niederländischen Brunssum übernehmen.
Weiterführendes – Trump: Die USA könnten „nehmen, was immer wir wollen“ von der Ukraine