Larry Sanger, einer der Mitbegründer von Wikipedia, hat die Plattform scharf kritisiert: Sie habe sich aus seiner Sicht zu einem Sprachrohr ideologischer Politik entwickelt. In einem Gespräch mit der Berliner Zeitung, das am Freitag veröffentlicht wurde, betonte Sanger, dass das Lexikon wegen fehlender wirksamer Kontrollmechanismen zunehmend von bestimmten Weltanschauungen durchdrungen sei. Er sieht darin die Ausprägung eines „globalistischen, akademischen, säkularen und progressiven” Konsenses.
Schon früh sei erkannt worden, dass Wikipedia ein wirksames Instrument zur Meinungsbeeinflussung sein könnte, so Sanger weiter. Zwar mache die anonyme Autorenschaft eine Zuordnung einzelner Bearbeitungen schwer, doch sei nachweislich bekannt, dass etwa die CIA Einträge in der Enzyklopädie verändert habe. Als Beleg nannte er den 2007 entwickelten WikiScanner, der anonyme Edits über IP-Adressen Organisationen zuordnen konnte. So seien Änderungen unter anderem dem CIA, dem FBI sowie diversen Behörden und Firmen zuzuschreiben gewesen.
Darüber hinaus warnt Sanger vor einer wachsenden Schieflage: Da große Sprachmodelle Wikipedia zunehmend als Datenquelle für sachliche Antworten nutzen, könnten sich die ideologischen Verzerrungen in den Texten weiter verfestigen und ausbreiten.
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, plädiert Sanger für weitreichende strukturelle Veränderungen. So sollten Führungspersonen namentlich bekannt sein, Disziplinarverfahren nach rechtsstaatlichen Grundsätzen ablaufen, Artikel öffentlich bewertet werden und ein gewähltes Gremium die Richtlinien der Plattform festlegen.
Auch andere prominente Stimmen haben wiederholt Kritik an Wikipedia geübt. Elon Musk etwa bezeichnete die Plattform abfällig als „Wokipedia” und behauptete, er habe eine Milliarde US-Dollar geboten, falls das Portal sich für ein Jahr in „Dickipedia” umbenennen würde. Vertreter der russischen Regierung werfen Wikipedia ebenfalls eine einseitige, westlich geprägte Berichterstattung vor.
Zum Weiterlesen ‒ Hacker legen Identitäten hunderter NATO-Offiziere und Geheimdienstmitarbeiter offen