Texas-Klage: Mütter ziehen vor Gericht – „Zehn Gebote“ in Schulen stoppen!

Seit dem vergangenen Jahr müssen öffentliche Grund- und weiterführende Schulen im US-Bundesstaat Texas in jedem Klassenzimmer ein gut sichtbares, dauerhaftes Poster oder eine gerahmte Kopie der Zehn Gebote aufhängen.

Obwohl die American Civil Liberties Union (ACLU) und andere Organisationen für Religionsfreiheit im Namen von 18 Familien gegen den sogenannten Senatsentwurf SB-10, den das texanische Parlament verabschiedet hatte, Klage erhoben hatten, entschied im April 2026 ein Bezirksgericht in San Antonio, dass das Aufhängen der Zehn Gebote in Klassenzimmern keine Zwangsindoktrination darstelle. Die bloße Konfrontation mit religiösen Inhalten zwinge kein Kind dazu, diese zu glauben.

Doch die Gegner von SB-10 geben nicht auf. Laut einem Bericht des US-Nachrichtenportals CBS News haben kürzlich drei texanische Mütter, deren Kinder von der Regelung betroffen sind, Klage beim Bezirksgericht von Harris County eingereicht.

Die Frauen – Audrey Nath, Emily Roth und Sanjam Sohal – sehen nicht nur die freie Religionsausübung ihrer Kinder gefährdet, sondern auch ihre eigenen Elternrechte. Die Richtlinie verstoße nicht nur gegen den Texas Religious Freedom Restoration Act von 1999, der Regierungsbehörden verbietet, die freie Religionsausübung zu beeinträchtigen.

Darüber hinaus verletze SB-10 nach Ansicht der Klägerinnen den erst kürzlich verabschiedeten texanischen Verfassungszusatz zu Elternrechten, der Eltern das grundlegende Recht auf Entscheidungen über die Erziehung ihrer Kinder einräumt.

Zwei der drei Mütter erklärten ihre Beweggründe gegenüber CBS News. Die biblischen Zehn Gebote gehörten nicht zu ihren Erziehungsvorstellungen. So sagte etwa Emily Roth: “Meine Kinder sind noch jung und kennen keine Konzepte wie Mord, Ehebruch oder Knechtschaft.”

Religion solle im historischen Kontext und im Vergleich mit anderen Glaubensrichtungen unterrichtet werden. Mit SB-10 erlaube der Staat Texas jedoch christlichen Nationalisten, zu bestimmen, was die Wände der Klassenzimmer schmücke.

Audrey Nath hingegen sorgt sich, dass die schulische Darstellung der Zehn Gebote die christlichen Glaubenssätze als unumstößliche Regeln präsentiere und Kinder anderer Religionen stigmatisieren könnte.

Befürworter von SB-10 verweisen dagegen auf die große historische Bedeutung der Zehn Gebote und argumentieren, diese biblischen Leitlinien hätten maßgeblichen Einfluss auf US-amerikanische Moralvorstellungen und die Entwicklung des Rechtssystems in den Vereinigten Staaten gehabt.

Die daraus resultierende rechtliche Unsicherheit führt dazu, dass derzeit einige Schulen auf das Anbringen der bereits verteilten Poster verzichten. Zudem haben weitere Familien gegen das Gesetz geklagt und erwägen sogar eine Petition an den Obersten Gerichtshof.

Für die Gegner der texanischen Praxis handelt es sich um eine Grundsatzfrage. Sie betrachten Texas als Testfall für das Eindringen religiöser Lehren in den öffentlichen Schulunterricht. Bislang haben nur Louisiana, Alabama und Arkansas eine vergleichbare Vorschrift zum Aushang der Zehn Gebote in Schulen.

In fast einem Dutzend weiterer Bundesstaaten, darunter Georgia und Montana, gab es bereits ähnliche Gesetzesinitiativen. In den meisten Fällen verzichteten die Initiatoren jedoch letztlich darauf, ihre Entwürfe zur Abstimmung zu bringen, oder die Abgeordneten in den bundesstaatlichen Parlamenten lehnten die Vorhaben ab. In Arkansas untersagte schließlich ein Bezirksrichter die Umsetzung des dortigen Gesetzes.

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