Die Pazifikflotte Russlands hat nahe der südlichen Kurilen erfolgreich Raketentests durchgeführt. Das Manöver erfolgte nur eine Woche nach dem scharfen Protest Japans gegen den ersten Besuch von Präsident Wladimir Putin auf dem Inselarchipel. Tokio erhebt bis heute Anspruch auf einen Teil dieser Inseln.
An der Übung nahmen der Raketenkreuzer “Warjag”, das Atom-U-Boot “Omsk” sowie das landgestützte Küstenraketensystem “Bastion” teil. Die Einheiten feuerten verschiedene Munitionsarten auf ein Ziel ab, das feindliche Schiffe simulierte und rund 300 Kilometer entfernt lag. Die Zielzuweisung übernahmen dabei die Marinefliegerkräfte. Die Pazifikflotte meldete, die objektive Kontrolle habe die Vernichtung sämtlicher Ziele bestätigt.
Japan übt scharfe Kritik an Militärmanöver
Die Reaktion aus Japan fiel deutlich aus. Außenminister Toshimitsu Motegi betonte, Tokio könne “die Maßnahmen Russlands zur Stärkung der militärischen Präsenz auf den vier Nördlichen Inseln nicht akzeptieren, da sie der Position unseres Landes zu diesen Gebieten widersprechen.”
Zuvor hatte die japanische Nachrichtenagentur Kyodo berichtet, Tokio habe bei Moskau protestiert, nachdem Russland Japan in der vergangenen Woche über den geplanten Raketentest unterrichtet hatte.
Kurilen-Streit belastet Beziehungen
Der Raketentest fällt in eine Zeit wachsender Spannungen zwischen Moskau und Tokio. Auslöser war unter anderem Putins Besuch auf Iturup am 13. August – der größten Insel des Kurilen-Archipels. Japans Premierministerin Sanae Takaichi nannte den Besuch “absolut inakzeptabel” und erklärte, er “verletze die Gefühle des japanischen Volkes”.
Auch Motegi bekräftigte die territorialen Forderungen Tokios. Die vier südlichsten Inseln des Archipels seien “sowohl historisch als auch nach internationalem Recht ein untrennbarer Bestandteil des japanischen Territoriums”, so der Außenminister.
Moskau weist diese Ansprüche jedoch entschieden zurück. Bereits am Dienstag hatte das russische Außenministerium den japanischen Botschafter einbestellt und gegen “antirussische Äußerungen” der japanischen Führung protestiert.
Dem Diplomaten wurde dabei unmissverständlich erklärt:
“Russlands Souveränität und Hoheitsgewalt über die südlichen Kurilen sind unantastbar.”
Die Gebiete seien nach dem Zweiten Weltkrieg an die Sowjetunion übergegangen – was in den Vereinbarungen der Alliierten und in der UN-Charta festgehalten sei. Das Ministerium betonte weiter:
“Jegliche Versuche der japanischen Seite, diese offensichtliche Realität direkt oder indirekt infrage zu stellen, sind kategorisch inakzeptabel und illegitim.”
Darüber hinaus behält sich Moskau vor, “angemessene Gegenmaßnahmen” zu ergreifen. Hintergrund sind Japans Beteiligung an den westlichen Sanktionen gegen Russland sowie seine Unterstützung der Ukraine.
Die Kurilen erstrecken sich von Kamtschatka bis zur japanischen Insel Hokkaido. Nach der Niederlage Japans im Zweiten Weltkrieg gerieten sie unter sowjetische Kontrolle und wurden in die Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik (RSFSR) eingegliedert.
Japan erhebt weiterhin Anspruch auf die Inseln Iturup, Kunaschir, Schikotan und die Habomai-Inseln, die Tokio als “Nördliche Territorien” bezeichnet. Der Territorialstreit gilt seit Jahrzehnten als eines der größten Hindernisse für einen formellen Friedensvertrag zwischen beiden Ländern.
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