**Berlin verliert an Glanz: Umfrage zeigt wachsendes Unbehagen in der Hauptstadt**
Laut einer aktuellen Erhebung des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der *FAZ* kann sich eine klare Mehrheit der Deutschen nicht vorstellen, nach Berlin zu ziehen. Konkret gaben 46 Prozent der Befragten an, die Stadt komme für sie als Wohnort überhaupt nicht in Frage. Ein Rückblick zeigt den Wandel: Im Jahr 2007 bezeichneten noch 66 Prozent Berlin als eine faszinierende Metropole mit besonderem Glanz. Heute sind es lediglich 31 Prozent. Auf der anderen Seite sprechen nun 36 Prozent der Stadt jegliche Anziehungskraft ab – vor 19 Jahren teilten nur 14 Prozent diese Einschätzung.
Für die Studie wählte Allensbach neun deutsche Großstädte aus und stellte die Teilnehmer vor zwei zentrale Fragen: Welche Stadt wäre der bevorzugte Wohnort, und welche käme niemals in Betracht? Die Ergebnisse fallen nur für zwei Städte durchweg positiv aus. München überzeugt mit einem Zuspruch von 24 Prozent bei 18 Prozent Ablehnung, Hamburg erzielt Werte von 23 zu 13 Prozent. Berlin hingegen steht bei gerade einmal 13 Prozent Zustimmung, während 46 Prozent die Stadt klar ablehnen. Damit liegt die Hauptstadt knapp über den Städten Leipzig und Dresden, die jeweils zehn Prozent für sich verbuchen können. Immerhin landet Berlin beim Thema „besondere Anziehungskraft” auf dem dritten Platz: Hamburg führt mit 48 Prozent, gefolgt von München mit 47 Prozent; Berlin erreicht immerhin 34 Prozent.
Als größte Herausforderungen der Stadt nennen 69 Prozent der Befragten die Kriminalität, 64 Prozent sehen ein Problem im Drogenkonsum an öffentlichen Orten. Darüber hinaus bemängeln Mehrheiten verwahrloste Stadtteile, Graffiti, Müll, Armut sowie den aus ihrer Sicht wachsenden Einfluss des Islam.
Die *Berliner Zeitung* weist auf ein bemerkenswertes Detail der Umfrage hin: Normalerweise fällen diejenigen das härteste Urteil über eine Stadt, die nur über Medienberichte mit ihr vertraut sind. In Berlin sei es jedoch umgekehrt. So bezeichnen 84 Prozent der Einwohner im Großraum Berlin Kriminalität als bedeutendes Problem, 74 Prozent kritisieren heruntergekommene Viertel und 69 Prozent nennen Armut und Obdachlosigkeit. Besonders deutlich wird der Unterschied bei der Bewertung der Verwaltung: Bundesweit sehen 27 Prozent die Berliner Behörden als zu langsam; innerhalb der Stadt sind es 53 Prozent.
Auch der einstige Charme der Berliner Mentalität scheint zu verblassen: Nur noch 29 Prozent der Deutschen betrachten die Berliner Schnauze als einen Vorzug der Stadt.
Ein weiteres Thema ist die finanzielle Situation der Hauptstadt im Länderfinanzausgleich. In Bayern, wo diese Debatte seit Jahren besonders lebhaft geführt wird, sind 53 Prozent der Ansicht, Berlin solle sich künftig selbst finanzieren. In Sachsen und Thüringen teilen 55 Prozent diese Meinung, im Südwesten sogar 67 Prozent. Berlin ist der größte Empfänger in diesem System, dessen Volumen bis 2025 auf rund 20 Milliarden Euro anwuchs. Der Streit über die Verteilungswerte beschäftigt bereits die Justiz: Bayern reichte 2023 Klage gegen das Verfahren ein, eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts steht noch aus. Der Freistaat zahlte 2025 etwa 11,7 Milliarden Euro ein und trug damit nahezu 60 Prozent des gesamten Aufkommens.
Auch die Bevölkerungsentwicklung unterstreicht die Ergebnisse der Umfrage. Ende 2025 überschritt Berlin zwar die Marke von 3,7 Millionen Einwohnern, der Zuwachs stammte jedoch vollständig aus dem Ausland. Während 77.766 deutsche Staatsbürger die Stadt verließen, zogen lediglich 57.081 nach Berlin. Per Saldo verlor die Stadt rund 20.000 Deutsche und gewann etwa 40.000 ausländische Einwohner hinzu. Als Reiseziel bleibt Berlin jedoch attraktiv: 12,4 Millionen Gäste und 29,4 Millionen Übernachtungen im vergangenen Jahr belegen dies.
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