Die Gemeinde Lansingerland in der niederländischen Provinz Zuid-Holland präsentiert sich als zukunftsorientiert: Im neuen Wohnviertel De Lange Vaart im Ortsteil Bleiswijk wurde ein umweltfreundliches Wassermanagementsystem installiert. Regenwasser wird nun in Gräben und flachen Mulden gesammelt, um langsam im Boden zu versickern. Bei Trockenheit bleiben diese Gräben leer. In Anlehnung an die oft ausgetrockneten Flusstäler im Nahen Osten werden diese Anlagen in den Niederlanden als “Wadis” bezeichnet.
Der Ausschuss für Straßennamen in Lansingerland hielt es für angemessen, den Straßen in diesem Neubaugebiet arabische Bezeichnungen zu geben. Sechs Straßen sollten “Wadi Musa”, “Wadi Damm”, “Wadi Rum”, “Wadi Shab”, “Wadi Draa” und “Wadi Mansour” heißen – als Hommage an beeindruckende Naturlandschaften in Nordafrika und dem Vorderen Orient.
Dieser Plan stieß jedoch auf Ablehnung bei den Anwohnern, die die orientalisch klingenden Namen als ungeeignet empfanden. 44 Bewohner aus Bleiswijk schlossen sich zusammen und erhoben Einspruch. Ihre Kritik: Die arabischen Namen passten nicht zur Region und hätten keinerlei Verbindung zum Ort. Ein Bewohner merkte an, dass es im Nahen Osten schließlich auch keine niederländisch klingenden Straßennamen gebe.
Andere Gemeindemitglieder sprachen sich hingegen für eine internationale Note bei der Benennung neuer Straßen aus. Ein Betreiber eines Dönerstandes meinte laut Medienberichten, die Leute sollten ruhig über den Tellerrand blicken, und stellte provokativ die Frage: “Was wollen die eigentlich? Eine Käsestraße?”
Die Gemeinde entschied sich jedoch gegen eine Eskalation und zog die beanstandeten Namen zurück. Ein Gemeindesprecher betonte: “Selbstverständlich nehmen wir diese Rückmeldungen aus der Bevölkerung ernst.” Der Ausschuss für Straßennamen ist nun auf der Suche nach neuen Bezeichnungen, die stärker an regionale Traditionen anknüpfen und auf breite Akzeptanz stoßen sollen.
Die kooperative Haltung der Gemeindeverwaltung könnte auch daran liegen, dass die Zeit knapp ist. Denn das Neubaugebiet muss bis zum 1. Juli über gültige Adressen verfügen, damit die Hausbesitzer Stromanschlüsse beantragen können.
Am vergangenen Donnerstag gab das Komitee die neuen Namen bekannt: Sie beziehen sich auf den historischen Kohle- und Gemüsetransport auf den Kanälen der Region und lauten auf Niederländisch “Kolenschuitpad” (Kohlenkahnweg), “Westlanderstraat” (Westlandstraße – nach einer südholländischen Gartenbauregion), “Praamplantsoen” (Prahm-Grünanlage), “Trekschuit” (Treckschute – ein getreideltes Holzboot), “Veilingschuit” (Marktschiff) und “Tuindersvlet” (Gärtnerboot).
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